Stefan Bradl: «Marc Márquez fährt auf Wolke 7»

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Der Klassiker in Laguna Seca: Stefan Bradl führt vor Rossi und Bautista

Der Klassiker in Laguna Seca: Stefan Bradl führt vor Rossi und Bautista

Stefan Bradl spart nicht mit Bewunderung für WM-Leader Marc Márquez. «Aber das muss nicht immer gutgehen», gibt der LCR-Honda-Pilot zu bedenken.

Stefan Bradl (23) hat sich in den fünf Rennen zwischen Le Mans und Laguna Seca in der WM vom elften auf den sechsten WM-Rang nach vorne gearbeitet.

Der LCR-Honda-Pilot hat deutliche Fortschritte gemacht und stand bei seinem 27. MotoGP-Rennen in Laguna Seca letzten Sonntag erstmals auf der Pole-Position, dazu hat er Warm-up-Bestzeit und einen Podestplatz (Rang 2, nur 2,2 sec hinter Márquez) erzielt.

Stefan, nach dem Heimrennen auf dem Sachsenring hast du geklagt, jetzt seien die Batterien leer. Zwei Tage später warst du schon wieder bereit und neugierig auf Laguna Seca. Diese Erfolge wirken wie eine Energiequelle? Wie ein Aufputschmittel?

Das ist mit Sicherheit ein tolles Erlebnis und ein tolles Gefühl für mich. Da hat man einfach generell ein anderes Auftreten. Das tut halt einfach gut, wenn man die Leistung endlich einmal zeigen konnte. Das war mit dem Druck, den wir gehabt haben, schon ein bisserl Zeit, dass es einmal geschnackelt hat.

Mein MotoGP-Experte aus Zahling, Papa Helmut, hat gesagt, der Márquez sitzt anders auf dem Motorrad, er fährt zwei Grad weniger Schräglage, deshalb schont er die Reifen und kann am Schluss schneller fahren. Klingt glaubhaft, oder?

(Er lacht). Ach... Er soll halt selber probieren, dass er auf seiner VFR-Honda gscheit draufsitzt.

Den Fahrstil wird man nicht so rasch ändern können? Und Casey Stoner ist mit einem sehr ähnlichen Fahrstil wie du Weltmeister geworden?

Ja, ähnlich, glaube ich. Ja, mei, der Rossi hat vielleicht noch eine ältere Schule vom Fahrstil her. Denn teilweise schleifen jetzt alle mit dem Ellbogen... Der Márquez ist da vielleicht der Schlimmste. Ich glaub schon, dass ihm der Fahrstil ein bisserl entgegen kommt. Aber erstens wüsste ich gar nicht, wie ich mich drauf setzen soll, so wie er fährt. Bei so einer Sitzposition könnte ich das Motorrad gar nicht beherrschen. Da müsste ich die ganze Fahrweise umstellen. Das geht nicht so schnell.

Dein Teamchef Lucio Cecchinello hat auf dem Sachsenring wieder kritisiert, dass du in engen Linkskurven zu langsam bist und dort zu wenig Schräglage fährst.

Die letzte Linkskurve eingangs Start/Ziel war dann also in Laguna Seca so ein Beispiel. Da bin ich 75 km/h gefahren. Da war ich der Stärkste. Dort habe ich die Pole-Position rausgefahren... In Laguna hat er nicht viel auszusetzen gehabt.

Aber es stimmt schon. Vielleicht hat es ein bisschen länger gedauert, bis ich in den Linkskurven dazu gelernt habe.

Die Leistungen von Aprilia-Pilot Aleix Espargaró gehen ein bisschen unter. Aber sie sind schon erstaunlich für so ein Claiming-Rule-Bike?

Ja, gut, Assen. Sachsenring und Laguna waren drei Strecken, wo die Motorleistung nicht so im Vordergrund steht und wo man die Power nicht so ausspielen kann. Trotzdem macht Aleix einen guten Job.

Das heisst aber auch, dass das Motorrad gut funktioniert, das Chassis ist bestimmt nicht schlecht. Beim Motor hat er sicher ein paar Nachteile. Aber er hat seinen Teamkollegen de Puniet immer im Griff und ist bei den CRT-Bikes mit Abstand immer der Beste. Von daher würde er schon längst auf einem Prototyp sitzen, wenn er kein Spanier wäre. So sitzen schon vier Spanier auf vier der zwölf Prototypen. Bei ihm hat es auch ein bisschen gedauert... Er hat bei Pramac-Ducati 2011 auch nicht sofort eingeschlagen.

Marc Márquez gilt als Wunderknabe. Du musst dir den Erfolg mehr erarbeiten. Wie geht das vor sich?

Weiss ich nicht. Vielleicht macht sich der Márquez generell viel weniger Gedanken.

(Hier mischt sich Helmut Bradl ins Gespräch ein. «Márquez fährt im HRC-Werksteam. Die ganzen Daten, die der vorgelegt kriegt und wie das Motorrad schon vorbereitet wird...»)

Man sieht ja auch bei dem Überholmanöver, das Márquez gegen Rossi in Laguna gemacht hat, wenn man so einen Lauf hat wie er, dann geht einem erstens alles locker von der Hand. Und zweitens müssen solche Dinge nicht immer gut gehen. Aber er fängt halt einiges immer ab. Weil er halt auf Wolke 7 rumfährt. In solchen Phasen gehen solche Dinge gut. Wenn’s schlecht läuft, gehen auch solche Attacken schief. Dann liegt man wegen jedem kleinen Rutscher auf der Nas’n. (Kommentar von Papa Bradl: «Márquez hat das anscheinend vorher mit dem Roller ausprobiert. Das kann entscheidend sein, weil er dann gewusst hat, das rutscht nicht, das ist nicht normaler Sand, das pappt am Teer. Das ist clever.»)

Stefan, bedeutet das, du musst diese Linie nächstes Jahr im Training mal checken?

Nein, denn das muss nicht immer gut gehen. Bei drei Versuchen geht es vielleicht einmal gut. Aber zweimal liegst du auf der Schnauze.

Bei Márquez ist es halt im Moment so, dass er einen unglaublichen Lauf hat. Ohne seine Leistung schmälern zu wollen. Es geht immer in die richtige Richtung, auch wenn er mal ein bisschen Pech hat.

Das ist auch in anderen Sportarten so. Wenn es gut läuft, läuft es gut. Wenn es schlecht läuft, geht alles daneben. Aus so einem Loch kommst du nicht so schnell raus.

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