Stefan Bradl: «Europa-Rennen waren eine Katastrophe»

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Stefan Bradl hat 2014 schon ein paar starke Auftritte gezeigt, aber seit dem Europa-Auftakt in Jerez ging vieles schief. Die ehrliche Analyse des Honda-Piloten.

Stefan Bradl hat in Jerez wegen der «arm pump»-Probleme nur Platz 10 erreicht, in Le Mans war er Siebter, in Mugello schoss ihn Cal Crutchlows Motorrad im Rennen aus dem Sattel.

Der deutsche LCR-Honda-Pilot, in Austin Vierter und in Las Termas Fünfter, braucht dringend wieder ein Erfolgserlebnis.

Stefan, war der Mugello-GP das bisher schlimmste Wochenende in deiner MotoGP-Karriere?

Ja, der Malaysia-GP 2013 fällt mir noch ein, wo ich mir den Knöchelbruch zugezogen habe. Aber Mugello war schon heftig, vor allem auch schmerzhaft. Es war, wie wenn dir einer direkt mit dem Hammer einmal auf den Schädel draufhaut.

Wie lange dauert es, bis man drei solche Stürze körperlich und mental weggesteckt hat?

Mir tut heute die Ferse noch weh, weil sie einfach stark geprellt ist. Ich war letzten Freitag beim Osteopathen und habe mich untersuchen und einrenken lassen. Da war einiges aus der Spur, ich habe einige Massagen und Physiotherapien machen lassen. Das hat gut getan.

Hast du trotzdem trainieren können?

Das einzige, was ich machen konnte, war Rennrad fahren. Das ist vom Fuss her gegangen. Ich bin seit Mugello mehr als 300 km geradelt.
Andere Körperteile wie zum Beispiel die Ellbogen habe ich noch nicht belasten können.

Drei Stürze in zwei Tagen. Welcher war der schlimmste?

Der erste Crash Samstagfrüh war wirklich nicht so schlimm.
Da habe ich nichts davon getragen. Das Qualifying ist danach normal verlaufen, die Zeitabstände waren sehr knapp.

Und der 220-km/h-Crash im Warm-up am Sonntag?

Wir haben vielleicht über den Hügel rauf ein bissen zu wenig Wheelie-Control gehabt. Ich war dann ungünstig auf der Bremse, ich war zu aggressiv, deshalb ist das Vorderrad weggeklappt. Nachher weiss ich nichts mehr. Ich habe mir den Sturz inzwischen 40 Mal auf dem Video angeschaut.
Aber in dem Moment, in dem ich abgehoben bin, habe ich gar nicht gewussst, was jetzt los ist. Ich dachte an einen technischen Defekt, Bremse oder so was. Es hat ganz komisch ausgeschaut und sich komisch angefühlt.

Beim Anbremsen war nach der Kuppe das Vorderrad noch in der Luft, es war ausgefedert, als du die Vorderbremse voll betätigt hast?

Ja, das Vorderrad war über die ganze Kuppe hinweg ganz leicht über dem Boden, es hat dadurch nicht den üblichen Speed gehabt. Dann habe ich das Gas zugedreht und heftig gebremst. Vielleicht habe ich auch noch eine Bodenwelle erwischt, so dass die Federung nicht ordentlich arbeiten konnte. Es ist die ganze Belastung direkt auf den Vorderreifen gegangen.
Es ist passiert. Ich kann es nicht mehr rückgängig machen.
Wobei der Rennsturz, als mich Crutchlows Bike abgeräumt hat, von den Prellungen her eigentlich viel schmerzhafter war.
Im Warm-up habe ich mir zwar die zwei Ellbogen ein bisschen angeschlagen, aber ich bin ein bisschen sanfter gelandet.
Beim zweiten Sturz am Sonntag habe ich an der Stirn oben sogar einen Abdruck am Helm gehabt. Ich bin also eigentlich froh, dass ich mir keine Gehirnerschütterung zugezogen habe. Zumindest habe ich keine mitgekriegt... Ich habe nur ein blaues Auge gehabt.
Ich kann froh sein, dass ich ohne Knochenbrüche davon gekommen bin und hier in Barcelona wieder fahren kann.

Du hast die drei Stürze recht schnell weggesteckt?

Am Montag nach dem Rennen bin ich selber mit dem Auto nach Zahling heimgefahren. Das Ein- und Aussteigen hat halt ein bisserl länger gedauert, weil ich völlig steif war. Am Dienstag war es dann noch schlimmer.

Die ersten Trainingsrunden hier in Barcelona gehst du vorsichtiger an als üblich?

Natürlich brauche ich im ersten freien Training wahrscheinlich ein paar Runden, bis wieder der nötige Fluss reinkommt und sich alles wieder normal anfühlt. Aber ich habe deswegen keine Angst oder irgendwelche negativen Gedanken.
Das ist ein neues Wochenende, eine neue Rennstrecke, es ist wieder alles anders.
Deshalb habe ich kein Problem, wieder von vorne anzufangen.

Du hast hier in Barcelona 2005 in der 125er-WM debütiert. Du hast jetzt zehn GP-Jahre hinter dir.

Ja, ich könnte über jede Saison ein Buch schreiben. Es hat viele Höhen und Tiefen gegeben.

Du hast damals eigentlich nur einen Satz gesagt: Ich will in der WM einen Platz besser abschneiden als der Papa.

Das ist jetzt so lange her? Neun Jahre?
Was ich seither alles erlebt habe... Es sind mir auch einige Steine in den Weg gelegt worden. Habe die Ehre.

Du hast durch den Nuller in Mugello in der WM zwei Plätze verloren. Du bist jetzt Achter.

Ja, aber lieber in der WM ein paar Plätze verloren als mit gebrochenen Knochen daheim herumliegen... Der Abstand ist noch nicht so gross.

Honda sucht neue Kandidaten für das LCR-Team.

Klar, der Druck ist jetzt extrem hoch. Ich bin ja nicht blöd. Ich weiss, dass von Honda Podestplätze verlangt werden.
Und klar: Die letzten drei Rennen waren eine Katastrophe. Seit dem Europa-Auftakt in Jerez läuft’s nicht rund.
Jerez, Le Mans und Mugello waren drei wirklich schlechte Rennen. Es kann durchaus passieren, dass jetzt die Tendenz nach oben geht.
Denn viel weiter runter kann’s nicht gehen, hoffe ich.

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