Yonny Hernandez: «Kolumbien fehlen Strecken & Bikes»

Von Sharleena Wirsing
MotoGP
Als Kolumbianer ist Yonny Hernandez eine Ausnahme im hauptsächlich von Spaniern regierten MotoGP-Paddock. SPEEDWEEK.com traf den Ducati-Piloten zum Interview.

MotoGP-Pilot Yonny Hernandez glänzte in Mugello auf der letztjährigen Ducati mit einem Top-10-Platz. In Barcelona scheiterte er mit dem elften Platz nur knapp an dieser Leistung. Hernandez bestreitet 2014 seine erste volle Saison im Pramac-Ducati-Team. Im Gesamtklassement belegt er nach der Hälfte der 18 Saisonrennen mit 27 Zählern den 16. Platz. Doch Scott Redding auf Rang 12 ist nur sechs Punkte voraus.

Im Interview mit SPEEDWEEK.com sprach der 26-Jährige über seine Erfahrungen mit der Desmosedici, die Open-Vorteile und die Schwierigkeiten als Rennfahrer in seiner Heimat Kolumbien.

Yonny, es ist deine erste Saison mit der Pramac-Ducati. Wie lief die erste Saisonhälfte aus deiner Sicht?

Ich bin sehr zufrieden, denn ich habe mich im Vergleich zu den vorherigen Jahren in der MotoGP-Klasse stark verbessert. In diesem Team fühle ich mich sehr wohl. Ich war in fast allen Rennen in den Punkten und kämpfte um Top-10-Platzierungen. In Mugello schaffte ich es erstmals auf Platz 10, aber auch in Austin, Argentinien und Barcelona hatte ich ebenfalls Chancen auf die Top-10. Ich habe mich über die Platzierung in Mugello besonders gefreut, weil es für das Team ein Heimrennen war.

Im spektakulären MotoGP-Rennen auf dem Sachsenring lief es mit Platz 17 nicht nach Plan. Doch die Strecke in Deutschland liegt dir eigentlich.

Ja, die Strecke unterscheidet sich stark zu anderen, denn es sind sehr viele Linkskurven und nur drei Rechtskurven. Mit kalten Reifen muss man vor allem in der Bergab-Passage sehr vorsichtig sein. Ich mag die Strecke sehr, denn in der Moto2-Klasse hielt ich bis zu diesem Jahr den Rundenrekord.

Was sind deine weiteren Ziele für die Saison 2014?

Ich will in den Punkterängen liegen und um Top-10-Plätze kämpfen, wann immer es möglich ist. Zudem möchte ich mit dem Team noch weitere Fortschritte erzielen.

Wo liegen die Stärken der Desmosedici?

Der Motor ist sicherlich ein Vorteil, denn er ist sehr leistungsstark. Ich fahre diese Maschine viel lieber als meine Bikes in den letzten Jahren. Die Desmosedici unterscheidet sich stark von anderen Motorrändern, vor allem von den Claiming-Rule-Bikes. Seit den ersten Rennen habe ich mich stark verbessert, weil ich meinen Fahrstil von den CR-Maschinen auf die Ducati umstellen musste. Neben meinem Fahrstil ist auch meine Grundeinstellung nun ganz anders.

Wie hilfreich sind die Open-Vorteile wie der weichere Hinterreifen wirklich?

Für eine schnelle Runde ist der weiche Reifen sehr gut. Ich kann damit schnelle Rundenzeiten fahren, aber ich habe große Probleme mit dem Reifen, wenn es über eine gesamte Renndistanz geht. Meistens kann ich ihn im Rennen nicht einsetzen, weil er dafür einfach zu weich ist. Da er nur für eine schnelle Runde gut ist, verschafft er uns keinen großen Vorteil. Es ist nur ein Qualifying-Reifen.

Kann Gigi Dall’Igna 2015 den Unterschied machen und Ducati mehr Konkurrenzfähigkeit verschaffen?

Ja. Die Ducati ist in diesem Jahr bereits konkurrenzfähiger. Für das nächste Jahr erhoffen wir uns alle einem weiteren großen Schritt nach vorne.

Wie wahrscheinlich ist es, dich auch 2015 in den Pramac-Farben zu sehen?

Ich denke, es ist sehr wahrscheinlich. Das hoffe ich zumindest. [grinst] Ich will mit diesem Team weitermachen, denn ich fühle mich sehr wohl und mag die Menschen um mich herum. Alle im Team arbeiten sehr gut und es macht sehr viel Spaß.

Du kommst aus Medellin in Kolumbien. Diese Region ist für Gewalt und Drogenhandel bekannt, nicht für Motorradsport. Wie kamst du zu diesem Sport?

Es war sehr schwierig, deshalb musste ich nach Spanien kommen, um Rennen zu fahren. In meinem Heimatland ist dieser Sport kaum machbar; es gibt fast keine Möglichkeiten ihn auszuüben.
Es existieren weder die notwendigen Strecken noch geeignete Maschinen. Ich fuhr sieben Jahre Motocross in Kolumbien und nahm an der Lateinamerikanischen Meisterschaft teil. Ein weiteres Jahr fuhr ich Supermoto. Danach ging ich nach Europa.
Erst 2009 steuerte ich in der Spanischen Supersport-Meisterschaft erstmals mit einem echten Rennmotorrad. In Kolumbien gibt es keine Strecken für Rennmaschinen außer einer in der Nähe von Bogotá. Wenn man wie ich in die Weltmeisterschaft will, dann schafft man das nicht von Kolumbien aus. Sie haben weder die Strecken noch die Maschinen dafür.

Wie verbringst du deine Freizeit?

Ich liebe Motocross und übe sehr viel, um mich für die MotoGP-Rennen fit zu halten. Auch Supermoto fahre ich gern. Außerdem liebe ich meinen Jetski.

Wer waren deine Vorbilder, als du noch ein Nachwuchsfahrer warst?

Valentino Rossi war mein großes Idol. Es macht Spaß, nun gegen ihn zu fahren. Mit den Top-Fahrern in einer Klasse anzutreten und manchmal mit ihnen mithalten zu können, ist ein wunderbares Gefühl. Für mich wurde hier ein Traum wahr.

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