Cal Crutchlow: «Die Honda ist ein Tier – wie ich»

Von Jordi Gutiérrez
Cal Crutchlow glänzte beim zweiten Sepang-Test auf der CWM-LCR-Factory-Honda mit der drittbesten Zeit. Und der Engländer sieht noch Steigerungspotenzial.

Der Brite Cal Crutchlow (29) glänzte beim zweiten MotoGP-Test in Sepang mit der drittbesten Zeit, da machte sich im CWM-LCR-Honda-Team von Lucio Cecchinello Erleichterung breit. Denn beim ersten Kräftemessen drei Wochen zuvor war der Draufgänger über Platz 11 nicht hinausgekommen.

Im Interview mit SPEEDWEEK.com spricht Crutchlow über die ?Bremsprobleme und seine Anpassung an die Factory-Honda RC213V.

Cal, du hast in Malaysia trotz Bremsproblemen die drittbeste Zeit erreicht. Du kannst also den ersten Rennen mit viel Zuversicht entgegenblicken?

Ja, aber wir haben noch einiges zu tun. Ich muss meinen Fahrstil noch weiter umstellen. Beim Kurvenspeed sieht es nicht so übel aus. Aber beim Reinfahren in die Kurven haben wir noch etwas Mühe.
?Klar, wir stehen nicht übel da. Ich habe beim zweiten Sepang-Test meine bisher beste Zeit auf dieser Strecke um fast 0,8 Sekunden unterboten. Das kann sich sehen lassen, das war keine schlechte Rundenzeit.

Was hat diese Bremsprobleme verursacht? Der Hebel liess sich oft bis zum Lenker durchziehen?

Ja, und es war wirklich unbeständig. In einer Kurve war alles in Ordnung, im der nächsten spürte ich kaum einen Widerstand, die Bremskraft liess dann natürlich arg zu wünschen übrig. Dann quetscht du den Hebel noch mehr, dann ist die Bremswirkung ganz weg... Das ist manchmal sechs- oder siebenmal pro Runde passiert. Zwischendurch war eine Runde wieder okay. Aber selbst wenn drei Kurven in Ordnung sind, musst du bei der nächsten Ecke auf der Hut sein... Marc Márquez hatte am ersten Tag sehr ähnliche Schwierigkeiten. Es sieht so aus, als würde das Motorrad auch viel rutschen. Dadurch wurde alles noch schlimmer.

Wurde die Bremsflüssigkeit zu heiss? Oder war Luft im System?

Ich kann es es dir wirklich nicht sagen. Wir wissen es nicht. Aber es liegt nicht an der Temperatur der Bremsflüssigkeit, denke ich. Denn bei der Honda brauchst du weniger Bremskraft als bei anderen Fabrikaten.
Wenn ich zu bremsen begann, spürte ich oft keine Bremswirkung. Später spürte ?ich etwas Bremskraft. Aber wenn du zum Beispiel eine Rennsimulation machst, dann bist du bei Turn 1 okay, aber plötzlich hast du in Turn 4 keine Bremswirkung... Somit ist die Rundenzeit ruiniert, weil du entweder neben die Piste fährst oder sonstwie Zeit verlierst.
Ohne dieses Bremsproblem hätten wir eine richtig gute Rennsimulation hingebracht. Ich sollte bei diesem Long-run nur zehn Runden fahren. Ich bin dann aber 13 oder 14 Runden lang draussen geblieben. Ich hätte noch länger weiter fahren können. Aber es war sinnlos. Ich habe wegen der Bremsprobleme im ?Schnitt 0,6 Sekunden pro Runde verloren, nur weil ich beim Bremsen vorsichtig sein musste. Ich bin wegen der fehlenden Bremskraft oft weit rausgetragen worden.

Warum trat das Bremsproblem nur bei Márquez und dir auf?

Ich weiss nicht, ob das Zufall war. Dani Pedrosa hat sich nicht beklagt. Marc und ich, wir haben zwar das gleiche Bike, aber ich weiss nicht, ob wir auch genau die gleiche Bremsanlage von Brembo haben.
So ein Problem ist bei mir ?bei einem anderen Motorrad vorher noch nie aufgetaucht. Marc hatte das Problem am ersten Tag in Sepang, ich manchmal am zweiten Tag, erst am dritten Tag wurde es wirklich schlimm.
Wenn man Long-runs gemacht hat, wurde es am schlimmsten. Wenn man nur Runs über drei oder vier Runden unternahm, war das Problem noch halbwegs erträglich. Da ist das Problem vielleicht einmal pro Runde aufgetreten. Bei Long-runs war es fast unerträglich.

Wie lässt sich die Honda mit der Ducati und Yamaha vergleichen, mit der du 2014 und 2013 gefahren bist?

Es ist immer noch das Gleiche. Mit der Honda kannst du erstaunlich gut in die Kurven einbiegen, auch wenn der Griplevel nachlässt, kannst du wirklich schnell reinfahren und dabei immer noch hart bremsen. Beim Rausfahren ist es mit der Honda etwas schwieriger, du musst viel mehr Körperkraft aufwenden.

Wenn du die Honda, die Ducati und die Yamaha mit Tieren vergleichen müsstest: Was würdest du sagen?

Die Yamaha würde ich als Schlange bezeichnen. Sanft. Die Honda müsste man mit mir vergleichen, ein richtiges Tier. Über die Ducati darf ich nicht reden. (Denn er hatte einen Zwei-Jahres-Vertrag für 2014 und 2015 und bekam vor dem frühzeitigen Ausstieg einen Maulkorb).

Aber mit der drittbesten Gesamtzeit bist du trotzdem happy?

Ja und nein. Versteht mich bitte nicht falsch, jeder will noch schneller fahren. Jeder will bis ans Maximum pushen. Ich habe jedoch das Gefühl, ich habe noch nicht das Maximum rausgeholt. Ich habe in meiner schnellsten Runde zwei Fehler gemacht. Das hat vier Zehntel ausgemacht. Aber so geht es im Rennsport. Ich gehe davon aus, dass die anderen Jungs auch Fehler gemacht haben. Das passiert halt. Am Schluss war ich Dritter, so sieht die Ergebnisliste im Moment aus. Aber es haben alle viel riskiert, wir haben genug Stürze gesehen.

Was musst du noch tun, um in diesem Jahr das Maximum aus dir und aus der Honda rausholen zu können?

Ich muss noch lernen, das Motorrad zu fahren. Auch wenn ich jetzt die drittbeste Zeit erreicht habe, bedeutet das nicht, dass ich mich schon richtig komfortabel fühle auf der Honda. Wir haben keine schlechte Arbeit geleistet, aber wir landen immer wieder beim selben Setting. Damit fühle ich mich okay, aber wir müssen uns verbessern. Sobald wir dieses Setting verlassen, werden die Probleme grösser. Wir brauchen ein Basis-Set-up, mit dem ich mich besser fühle.

Die Testzeiten mit Bridgestone in Sepang
Mittwoch (25. Februar), 18 Uhr Ortszeit

1. Marc Márquez (E), Honda, 1:59,115 min
2. Jorge Lorenzo (E), Yamaha, 1:59,437
3. Cal Crutchlow (GB), Honda, 1:59,658
4. Andrea Iannone (I), Ducati, 1:59,722
5. Valentino Rossi (I), Yamaha 1:59,833
6. Bradley Smith (GB), Yamaha, 1:59,883
7. Dani Pedrosa (E), Honda, 2:00,048
8. Héctor Barberá (E), Ducati, 2:00,244
9. Aleix Espargaró (Suzuki), 2:00,275
10. Andrea Dovizioso (I), Ducati, 2:00,468
11. Pol Espargaró (E), Yamaha), 2:00,490
12. Danilo Petrucci (I), Ducati, 2:00,556
13. Yonny Hernandez (COL), Ducati, 2:00,603
14. Maverick Viñales (E), Suzuki, 2:00,604
15. Stefan Bradl (D), Yamaha, 2:00,685
16. Scott Redding (GB), Honda, 2:00,695
17. Nicky Hayden (USA), Honda, 2:00,813
18. Michele Pirro (I), Ducati, 2:00,875
19. Alvaró Bautista (E), Aprilia, 2:01,310
20. Mike di Meglio (F), Ducati, 2:01,487
21. Karel Abraham (CZ), Honda, 2:01,536
22. Jack Miller (AUS), Honda, 2:01,593
23. Eugene Laverty (IRL), Honda, 2:01,815
24. Loris Baz (F), Yamaha, 2:02,587
25. Alex De Angelis (RSM), ART, 2:03,300
26. Katsuyuki Nakasuga (J), Yamaha, 2:03,448
27. Marco Melandri (I), Aprilia, 2:03,569

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