Marc Márquez (Sturz): «Titel jetzt ausser Reichweite»

Von Günther Wiesinger
MotoGP

«Ich fahre bei den restlichen Rennen auf Sieg oder Sturz. Das ist mein Stil», lautet das Rezept von Marc Márquez, das ihm 2015 vier Rennstürze und 77 Punkte Rückstand auf Rossi eingebracht hat.

Vierter Rennsturz in diesem Jahr nach Las Termas, Mugello und Barcelona, nach zwei Siegen und zwei zweiten Plätzen von Assen bis Indy ist die Aufholjagd von Weltmeister Marc Márquez in der MotoGP-WM wieder zum Stillstand gekommen.

77 Punkte Rückstand auf Rossi, 65 auf Lorenzo – das holt auch kein Ausserirdischer wie der vierfache Weltmeister auf.

«Heute war das ein schwieriger Tag, bei schwierigen Verhältnissen. Der Regen hat alles durcheinander gebracht», sagte Márquez, der in Silverstone auch 2011 im Regenrennen der Moto2-WM gestrauchelt und gestürzt ist. «Im Trockenen wäre alles besser und einfacher gewesen, da habe ich mich tadellos gefühlt. Im Nassen ist es immer ein Fragezeichen, eine Lotterie. Ich war im Warm-up sehr konzentriert, ich bin dort grossartig gefahren, ich war Dritter hinter Rossi und Petrucci. Trotzdem war das Gefühl nicht so gut wie auf trockener Fahrbahn. Im Rennen fühlte ich mich gut. Ich versuchte, an Valentino dranzubleiben. Stellenweise ist mir das gut gelungen. Ich war manchmal schneller als er, aber bei unserem Motorrad haben wir hinten so ein 'floating feeling', das Hinterrad fühlt sich also schwammig an. Diese Symptome hatten wir am Saisonbeginn auch bei trockenen Verhältnissen. Im Regen ist es heute wieder aufgetaucht. Im Rennen war das schwierig zu beherrschen, denn wir hatten im Warm-up nicht viel Zeit, um das Set-up optimal hinzukriegen. Aber am Ende, als noch sieben oder acht Runden zu fahren waren und als ich hinter Valentino lag, habe ich beim Bremsen das Hinterrad blockiert, ich habe es aus der Kontrolle verloren. Als ich versuchte, den Crash zu vermeiden, bin ich bereits durch die Luft geflogen...»

«Jetzt haben wir die Möglichkeit auf den WM-Titel verspielt. Aber ich werde mich bemühen, jetzt noch möglichst viele Rennen zu gewinnen bis zum Saisonende», erklärte der Repsol-Honda-Star. «Ich denke nicht mehr an die Meisterschaft.»

«Sieg oder Sturz», ergänzte Márquez dann mit einem glucksenden Lachen. «Das ist mehr oder weniger mein Stil.» Dann verbesserte er sich: «Nein, ich werde auf Sieg fahren. Und wenn das nicht klappt, werde ich mich mit Platz 2 oder 3 abgeben... Aber ehrlich gesagt, ich habe bei den letzten Rennen auch immer sehr viel riskiert.»

«Im Trockenen kann man viel probieren beim Set-up, weil es fast immer trocken ist. Aber im Nassen hast du meistens nur eine sehr limitierte Zeit, um die Abstimmung richtig hinzubringen. Ich bin seit Austin am Freitag nicht mehr im Nassen gefahren, also fast fünf Monate. Ich habe im Nassen mit diesem Bike im Regen grosse Probleme mit dem Front-End-Feeling. Trotzdem war ich heute in der Lage, schnell zu fahren. Ich war mindestens auf dem Level von Valentino.»

Aber das ging nur mit viel Risiko? «Das grösste Problem mit dem Floating-Feeling ist, dass du bei einem drohenden Sturz keine Chance hast, den Crash abzuwenden. Es fehlt dir die Kontrolle über das Motorrad... Wenn du keinen Grip hast, kann dir die Traction-Control ein bisschen helfen. Aber wenn dieses Floating-Feeling auftritt, bist du chancenlos. Auf nasser Piste kann dir der kleinste Fehler zum Verhängnis werden.»

Und wie sieht Marc Márquez jetzt die Titelchancen von Rossi und Lorenzo? «Es schaut interessant aus. Was den Speed betrifft, da sieht es so aus, als sei Lorenzo schneller. Aber Valentino ist immer in der Lage, dank seiner unglaublichen Erfahrung noch einen Trick aus der Kiste zu zaubern. Er ist so konzentriert... Und er zieht aus jeder Situation einen Nutzen. Es wird interessant sein, diesen Titelkampf zu beobachten. Ich möchte bei jedem Rennen mitten im Getümmel sein.»

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