Casey Stoner (Ducati): «Es ist anders als bei Honda»

Von Enrico Borghi
MotoGP
Casey Stoner beim Australien-Sieg 2010

Casey Stoner beim Australien-Sieg 2010

Casey Stoner macht kein Geheimnis daraus, dass er sich bei Honda unterfordert fühlte. «Mein Potenzial wurde dort nicht ausgeschöpft.» Er will die Ducati jetzt wieder zum Sieger-Motorrad machen.

Casey Stoner möchte Ducati wieder auf die Siegerstrasse führen. Und er hofft, seinen Teil dazu beitragen zu können. Im Dezember hat sich der zweifache MotoGP-Weltmeister mit dem Werk aus Bologna auf eine Zusammenarbeit geeinigt. Damit wird ein neues Kapitel aufgeschlagen, nicht nur für Ducati, auch in der Karriere des Australiers, der für viele Fans bereits als Legende gilt.

2007 hat Stoner alle verblüfft, als er gleich im ersten Jahr auf der Desmosedici die MotoGP-Weltmeisterschaft gewann. Es war der Beginn der 800-ccm-Ära. Und es ist bis heute der einzige WM-Titel für Ducati in der MotoGP-Weltmeisterschaft geblieben. Casey ist zudem der erfolgreichste Fahrer im Sattel der Desmosedici. 23 Grands Prix hat er für die Roten gewonnen. Kein anderer Fahrer kam in den letzten Jahren auch nur in die Reichweite dieses Rekords.

Nachdem sich Casey Stoner Ende 2010 Richtung Repsol-Honda verabschiedet hatte, rutschte die Rennabteilung von Ducati in eine Krise. 2014 erfolgte aber dank Gigi Dall’Igna eine Kehrtwendung, die Ducati wieder auf den richtigen Weg führte. 2015 wurde der Aufwärtstrend fortgeführt. Mit einem komplett neuen Projekt mit grossem Potenzial. Ducati schaffte mit der GP15 und den Werkspiloten Andrea Dovizioso und Andrea Iannone im Vorjahr immerhin neun Podestplätze und zwei Pole-Positions.

Aber der letzte MotoGP-Sieg liegt fünfeinhalb Jahre zurück. Er geschah am 17. Oktober 2010 durch Casey Stoner auf Phillip Island/Australien.

Und genau dieser Casey Stoner wird jetzt mithelfen, diesem Projekt einen weiteren grösseren Schritt nach vorne zu ermöglichen.

Mit grossem Enthusiasmus hat Stoner das Angebot als Testfahrer und Botschafter dieser Marke angenommen. Es ist ein Meisterstück, das Ducati eingefädelt hat. Angefangen hatte es bereits letztes Jahr beim Superbike-Rennen in Misano, als Stoner seinen guten Freund und Ducati-Werksfahrer Chaz Davies in Italien besuchte.

Stoner war zwei Jahre offizieller Werksfahrer bei Honda – 2011 und 2012. Dann trat er zurück. Auch ein lukratives 11-Millionen-Euro-Angebot von HRC konnte ihn nicht davon abhalten.

Er blieb aber Honda als Gelegenheits-Testfahrer erhalten und bestritt 2015 für die Japaner auch das Acht-Stunden-WM-Rennen von Suzuka.

Mit nur 27 Jahren hat Casey seine hauptberufliche GP-Laufbahn beendet. Trotzdem gehört mit seinen zwei WM-Titeln und 38 Siegen zu den ganz Grossen in der GP-Geschichte.

Der Australier ist Mitglied eines höchst exklusiven Klubs von ganz wenigen Siegfahrern im 20. Jahrhundert, zu dem auch Valentino Rossi, Marc Márquez, Jorge Lorenzo und Dani Pedrosa gehören. Klar, dass Jorge Lorenzo nach seinem dritten WM-Titel, dem insgesamt fünften in seiner Karriere, andeutete, was es für ihn bedeutet, alle diese grossen Fahrer der Neuzeit besiegt zu haben.

Casey, Jorge Lorenzo ist stolz, alle Stars des 20. Jahrhunderts besiegt zu haben. Das hat er Márquez voraus, der nie gegen dich gefahren ist. Was ist deine Meinung dazu?

Was Jorge gesagt hat, ist absolut richtig, er darf wirklich stolz sein.
Er sagt auch die Wahrheit, wenn er den hohen Level unserer Epoche anspricht. Ich bin sogar der Meinung, dass es, wenn man die Fahrer und Maschinen betrachtet, sogar der höchste Level in der Geschichte ist. Aus dem Grund dürfen wir alle darauf stolz sein, ein Teil dieser Ära zu sein.

Aber um genauer zu sein, fehlt dir die direkte Begegnung mit Marc Márquez? Er kam erst nach deinem Rückzug in die MotoGP-WM?

Das ist richtig. Aber selbst wenn ich nie gegen ihn gefahren bin, bin ich überzeugt, dass ich ihm die Stirn geboten hätte. Ich habe Lorenzo besiegt, Valentino und auch Dani. Das heisst, ich hätte es sicher auch gegen Márquez geschafft.
Márquez hat 2015 ja auch gegen Lorenzo und Rossi verloren.

Warum kehrst du nach fünf Honda-Jahren Honda ausgerechnet zu Ducati zurück?

Es war immer etwas Spezielles, das mich an Ducati gebunden hat, obwohl es auch eine Periode gab, wo es eher mühsam zuging. Da spreche ich über den Sommer 2009, als ich körperliche Probleme hatte. Und ich litt, weil man bei Ducati glaubte, ich wäre leicht zu ersetzen. Das war eine Situation, die mir sehr weh tat. Aber das ist vorbei, jetzt sind wir in einer ganz anderen Situation.
(Casey Stoner nennt keine Namen und geht nicht ins Detail. Aber es ist klar, dass er von der MotoGP-Saison 2009 spricht, als er im Sommer eine Rennpause einlegte, um seine Probleme (chronisches Erschöpfungssyndrom, Laktoseunverträglichkeit) zu lösen, was bei Ducati nicht gut ankam. Stoner hingegen fand, dass Ducati zu wenig Verständnis für seine Probleme zeigte.)
Es gibt ja die Möglichkeit für eine 360-Grad-Wende mit einem Werk. Ich komme jetzt als Markenbotschafter und nicht nur als Testfahrer. Und ich denke, dass sich meine Erfahrung als Testfahrer auch auf die Werksfahrer positiv auswirken kann.

Du übst also im Grunde die gleiche Rolle aus, die du in den letzten zwei, drei Jahren bei Honda gespielt hast?

Nein, es ist nicht dasselbe. Denn bei Honda war ich nur Gelegenheits-Testfahrer und hatte keine weiteren Aufgaben. HRC hat also nicht mein ganzes Potenzial ausgeschöpft.
Trotzdem hat mir diese Zeit, die interne Zusammenarbeit mit HRC, sehr gut gefallen. Mit Personen wie Shuhei Nakamoto und Shinichi Kokubu. Auch mit Cristian Gabarrini, der immer mein Cheftechniker war und mit Andy Dawson von Öhlins.

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