Casey Stoner: «Honda ausserhalb der Komfortzone»

Von Günther Wiesinger
MotoGP

Mit der neuntbesten Zeit auf harten Reifen gab Casey Stoner am Dienstag in Sepang eine eindrucksvolle Vorstellung. Der Ducati-Star schwingt sich auch am Mittwoch in den Sattel der GP15.

«Casey wird auch am Mittwoch die GP15 testen», stellte Paolo Ciabatti, Sportdirektor von Ducati Corse, am späten Dienstagabend in Sepang/Malaysia klar.

Casey Stoner (30) hatte bei seinem ersten Aufeinandertreffen mit den MotoGP-Stars seit Valencia 2012 mit 2:01,103 min die neuntbeste Zeit des Tages erzielt.

Bei Ducati herrschte nach dieser Dienstag-Darbietung (Bestzeit von Petrucci, fünf Ducati in den Top-9) gute Stimmung.

Auch Casey beliebte zu scherzen. «Dieser Erfolg war nur möglich, weil ich am Samstag den ersten Testtag fabriziert habe», grinste der Australier, der 2007 auf Ducati und 2011 auf Honda Weltmeister war.

«Eigentlich habe ich erwartet, dass ich heute auf der Rennstrecke mehr Betriebsamkeit vorfinde», erzählte der Ducati-Heimkehrer, der seine beste Zeit am späten Nachmittag fuhr, also mit den harten B-Reifen von Michelin.

Hat dieser Testtag Spass gemacht? «Ich würde nicht von Spass reden, besonders auf so einer Rennstrecke und bei 35 Grad Hitze... Das ist körperlich harte Arbeit, anstrengend. Aber es war schön, dass wir Fortschritte gemacht haben, das Bike hat auf jede Änderung positiv reagiert, wir haben uns langsam gesteigert. Wir haben genau verstanden, wie das Motorrad reagiert. Und ich habe mich besser an die Michelin-Reifen gewöhnt. Ich weiss jetzt besser, was ich von ihnen zu erwarten habe und wo ich näher ans Limit pushen kann, besonders in den Bremszonen. Aber alle Fahrer habe ähnliche Mühe, diese Reifen kennenzulernen. Aber mit dem letzten Reifensatz haben wir deutlich Fortschritte gemacht. Das ist ermutigend für Mittwoch.»

«Es macht mir nichts, wenn die Maschine am Kurvenausgang ins Rutschen kommt. Aber wir könnten an einigen Stellen beim Rausfahren aus den Ecken weniger Bewegung im Fahrwerk haben, zum Beispiel beim Richtungswechsel zwischen Turn 2 und Turn 3. Da kommt die Maschine momentan noch ins Wackeln, wenn wir in den vierten Gang schalten. Aber wenn sich das Bike hinten bewegt, ist das normal ein gutes Zeichen. Dann hast du Grip. Manchmal erzeuge ich diese Bewegung absichtlich, wenn ich innen den Bordstein berühre, um Grip zu finden.»

Casey hat Ducati Ende 2010 nicht im besten Einvernehmen verlassen. Er nahm es den Italienern zum Beispiel übel, dass sie ihn während seiner Zwangspause im Sommer 2009 (chronisches Erschöpfungssyndrom) nicht bedingungslos unterstützt hatten.

Aber dieses Thema ist abgehakt. Stoner: «Wir erleben jetzt eine ganz andere Ära. Michelin-Reifen, Einheits-ECU, 1000 statt 800 ccm, Alu-Chassis statt Karbon-Monocoque – es gibt in so vielen Bereichen so grosse Unterschiede. Wir haben auf jedem Gebiet ein komplett anderes Package. Du spürst zwar noch ein bisschen ein vertrautes Gefühl beim Motor, auch das generelle Gefühl für das Chassis und die Art und Weise, wie die Verkleidung gemacht wurde und der Sitz aus Karbon, das wirkt alles irgendwie vertraut. Da fühlt sich einiges ähnlich an wie in der Vergangenheit. Aber in der Realität wirkt sich alles ganz anders aus. Der Charakter des Bikes und wie es funktioniert, ist komplett anders.»

Gibt es Ähnlichkeiten zur Honda RC213V? Stoner: «Du kannst nie zwei verschiedene Fabrikate haben und starke Ähnlichkeiten entdecken. Aber die Charakteristik beim Bremsen, da gibt es Ähnlichkeiten zwischen Ducati und Honda, die sich vergleichen lassen. Aber diese beiden Motorräder müssen ganz unterschiedlich bewegt werden. Das musste ich am Samstag, am ersten Tag, zuerst begreifen und lernen. Ich habe andere Linien gewählt und einen anderen Zugang. Jetzt müssen wir genauer rausfinden, wo die Stärken der Ducati liegen. Dann müssen wir mit ihnen arbeiten und sie ausnützen. Wir haben am Samstag ein paar Schwachstellen, entdeckt, aber dort haben wir heute Fortschritte erzielt. Wir haben sehr viel probiert. Jedes Mal, wenn ich auf die Piste fahre, krempeln wir das Set-up komplett um. So ist es uns gelungen, bei jeden Run eine Verbesserung zu erzielen. Und wenn es nach rückwärts ging, haben wir auch davon ein paar positive Rückschlüsse ziehen können. Ich bin mit dem Feedback des Bikes zufrieden.»

Stoner schaute am Montag draussen auf der Strecke zu. Wie lässt sich die Ducati mit der Honda und Yamaha vergleichen? «Ich habe am Montag nicht viel von der Yamaha gesehen. Ich bin oft rumgefahren, um eine andere Zuschauer-Position einzunehmen. Dann begann es gestern zu regnen... Aber bei den Honda sieht man, dass sie sich nicht in ihrer üblichen Komfortzone bewegen. Ich weiss nicht, ob es an ihren Motoren liegt oder an der Elektronik. Wahrscheinlich hakt es bei beiden... Honda hat noch sieben Testtage bis zum ersten Rennen. Sie haben genug Zeit. Ich bin sicher, sie werden noch was finden. Für mich ist es schwierig, zu Honda einen profunden Kommentar abzugeben. Selbst wenn du vier unterschiedliche Ducati in derselben Kurve beobachtest, siehst du vier unterschiedliche Motorräder, vier unterschiedliche Fahrer, vier unterschiedliche Fahrstile und vier unterschiedliches Kurvenspeeds an unterschiedlichen Stellen der Kurve. Jeder holt irgendwo anders seinen Speed heraus. Jeder Fahrer hat auf seinem Motorrad besondere Vorzüge. Es gibt kein grundsätzliches Patentrezept, wie man die Ducati im Vergleich zu den anderen Bikes am besten fahren muss.»

Die Testzeiten in Sepang, Dienstag, 2. Februar, 18 Uhr

1. Danilo Petrucci, Ducati, 2:00,095 min
2. Jorge Lorenzo, Yamaha, 2:00,155
3. Héctor Barberá, Ducati 2:00,387
4. Marc Márquez, Honda, 2:00,843
5. Cal Crutchlow, Honda, 2:00,899
6. Valentino Rossi, Yamaha, 2:01,021
7. Scott Redding, Ducati, 2:01,049
8. Andrea Iannone, Ducati, 2:01,052
9. Casey Stoner, Ducati, 2:01,103
10. Bradley Smith, Yamaha, 2:01,107
11. Maverick Viñales, Suzuki, 2:01,421
12. Dani Pedrosa, Honda, 2:01,475
13. Yonny Hernandez, Ducati, 2:01,644
14. Andrea Dovizioso, Ducati, 2:01,723
15. Pol Espargaró, Yamaha, 2:01,992
16. Aleix Espargaró, Suzuki, 2:02,092
17. Tito Rabat, Honda, 2:02,328
18. Stefan Bradl, Aprilia, 2:02,372
19. Loris Baz, Ducati, 2:02,611
20. Katsuyuki Nakasuga, Yamaha, 2:02,691
21. Alvaró Bautista, Aprilia, 2:02,876

Die Sepang-Zeiten am Montag (1.2.):

1. Jorge Lorenzo, Yamaha, 2:00,684 min
2. Valentino Rossi, Yamaha, 2:01,717
3. Dani Pedrosa, Honda, 2:01,780
4. Danilo Petrucci, Ducati, 2:01,811
5. Andrea Iannone, Ducati, 2:01,912
6. Héctor Barberá, Ducati, 2:02,002
7. Marc Márquez, Honda, 2:02,278
8. Scott Redding, Ducati, 2:02,338
9. Aleix Espargaró, Suzuki, 2:02,539
10. Cal Crutchlow, Honda, 2:02,586
11. Maverick Viñales, Suzuki, 2:02,645
12. Pol Espargaró, Yamaha, 2:02,646
13. Andrea Dovizioso, Ducati, 2:02,650
14. Yonny Hernandez, Ducati, 2:02,916
15. Bradley Smith, Yamaha, 2:03,026
16. Michele Pirro, Ducati, 2:03,203
17. Loris Baz, Ducati, 2:03,204
18. Tito Rabat, Honda, 2:03,463
19. Eugene Laverty, Ducati, 2:03,565
20. Stefan Bradl, Aprilia, 2:03,978
21. Alvaró Bautista, Aprilia, 2:04,075

Zum Vergleich die Sepang-GP-Zeiten von 2015: Sepang-GP-Sieger Dani Pedrosa stand im Oktober mit 1:59,053 min auf der Pole-Position, Márquez war im Quali mit 1:59,462 min Zweiter. Und Stefan Bradl schaffte mit 2:01,346 min den 14. Startplatz auf der Aprilia.

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