Hervé Poncharal (Tech3): Was erwartet er von Folger?

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Hervé Poncharal

Hervé Poncharal

Tech3-Yamaha-Teambesitzer Hervé Poncharal outet sich als langjähriger Jonas-Folger-Fan. Und er wünscht sich, dass er als Moto2-Weltmeister in die MotoGP-WM kommt.

Tech3-Yamaha-Teambesitzer Hervé Poncharal hatte Jonas Folger schon seit einigen Jahren im Visier. Jetzt wurde ein MotoGP-Deal mit dem Bayern vereinbart.

Hervé, vor zwei Jahren warst du enttäuscht, weil der damalige Manager von Jonas Folger mit dir verhandelte, obwohl ein AGR-Vertrag für die Moto2-WM 2015 bestand. Ausserdem stand damals ein Red Bull-Vertrag im Weg. Aber jetzt hat es geklappt. Du hast schon in Texas gesagt: Die einzigen zwei Kandidaten aus der Moto2 für 2017 sind Folger und Rins.

Ich will jetzt nicht mehr über 2014 reden. Deshalb gehe ich auf den ersten Teil deiner Frage lieber nicht ein. Aber wie du weißt, Günther, ich habe Jonas schon seit seiner 125er-Zeit im Auge und habe ihn immer aufmerksam beobachtet.
Ich habe immer Interesse daran gehabt, mit ihm zu arbeiten. Denn ich schätze seine Fahrkunst sehr. Ich denke, er hat das Potenzial, auch in der MotoGP-Klasse ein Spitzenfahrer zu werden.
Wir haben schon mehrmals versucht, Jonas unter Vertrag zu nehmen. Aber vielleicht war es bisher nie der geeignete Zeitpunkt. Manchmal hat es einen tieferen Sinn, wenn etwas funktioniert. Vielleicht hat es bisher nie geklappt, weil es zu diesem Zeitpunkt nicht klappen sollte...
Jetzt ist vielleicht der passende Zeitpunkt gekommen.
Denn jetzt hat Jonas bald drei Jahre Moto2-Erfahrung, er ist ein Moto2-Sieger. Hoffentlich kann er in dieser Moto2-Saison noch starke Leistungen vollbringen.
Das grosse Ziel wäre natürlich, dass er den Moto2-WM-Titel gewinnt, bevor er zu uns kommt. Aber das ist eine andere Story.
Ich habe das Gefühl, Jonas ist jetzt bereit. Er hat das nötige Profil für die MotoGP-Klasse. Was mich am meisten freut: Es war meine Entscheidung, ihn zu engagieren. Aber das ganze Team hat das begrüsst. Und auch das Yamaha-Management war sofort einverstanden. Alle freuen sich, Jonas auf einer M1 zu sehen. Es gab fast keine Debatte darüber. Wir sagten, wir wollen einen jungen Rookie aus der Moto2-WM, alle waren einverstanden. Der Name Jonas Folger lag sofort auf dem Tisch. Es hiess: Er ist der Mann, den wir brauchen.

Als ich Yamaha-Rennchef Lin Jarvis in Texas fragte, was er zu deinen Kandidaten Rins und Folger sage, meinte er nur: Beide sind eine gute Wahl.

(Er lacht). Ja, denn wir wissen ja, dass Sam Lowes zu Aprilia in die MotoGP geht. Johann Zarco hat irgendeine Verbindung zu Suzuki. Das sind die beiden, die im letzten Jahr und 2015 in der Moto2 überragend waren oder sind. Wenn du diese beiden nicht kriegen kannst, bleiben zwei andere Rookies zur Auswahl – Rins und Jonas.
Ich persönlich war immer ein grosser Fan von Jonas Folger. Ich denke, er verdient diese Chance. Hoffentlich wird er die neue grosse MotoGP-Hoffnung für Deutschland. Er könnte der nächste starke deutsche MotoGP-Fahrer nach Stefan Bradl sein.

Was traust du Jonas Folger 2017 in der MotoGP-WM zu?

Wir sollten nicht zu viel erwarten. Man sieht in diesem Jahr bei Tito Rabat, dass der Wechsel in die MotoGP ein hartes Geschäft ist. Sicher kann man sagen, Marc Márquez hat sich rascher zurechtgefunden, auch Maverick Vinales und Pol Espargaró ist der Umstieg nicht allzu schwer gefallen.
Aber wir haben uns bei Jonas noch keine besonderen Ziele gesetzt.
Mein Plan ist es, Pol Espargaró eine vierte Saison zu behalten. Aber wir haben uns noch nicht geeinigt, denn er schaut sich alle anderen Optionen an. Aber es wäre ideal, wenn wir Pol behalten könnten. Er wäre dann unser Referenz-Fahrer, also jener Pilot, der nächstes Jahr die Resultate liefert. Jonas wäre dann hier, um zu lernen. Aber ich bin überzeugt, dass er hohe Erwartungen hat. Es wird aber nicht leicht sein, in die Top-Ten zu kommen, denn Cal und Bradley sind in Jerez auf den Plätzen 11 und 12 gelandet.
Wir erwarten uns von Jonas, dass er 2017 lernt und sich von Rennen zu Rennen verbessert.

Pol Espargaró hat bei Tech3-Yamaha 2014 im ersten MotoGP-Jahr den sechsten WM-Rang geschafft.

Ja, aber damals gab es keine Einheits-ECU, es gab noch Open-Class-Bikes, es gab unterschiedliche Reifen für die Factory-Fahrer. Jetzt ist alles anders. Damals gab es zwei Werks-Yamaha und zwei Werks-Honda, dahinter lagen die Verfolger dicht beisammen. Jetzt ist die Spitze vier dichter, es gibt acht Werksfahrer von Honda, Yamaha, Ducati und Suzuki, sie stärker sind als wir.
Deshalb setze ich jetzt keine Ziele. Wir sollten einfach so dicht wie möglich an den besten Piloten aus den Kunden-Teams dran sein.
Wenn Pol noch bei uns sein wird, kann Jonas viel von Pol lernen. Er kann sich dann bemühen, möglichst dicht an Pol heranzukommen.

Ein bisschen kurios: Marcel Schrötter hat sich grosse Hoffnungen auf einen MotoGP-Deal bei Tech3-Yamaha gemacht. Jetzt hat ihm sein Freund Jonas Folger den Vertrag weggeschnappt.

(Er lacht). Ja, das Leben ist manchmal seltsam. Ich habe Verständnis für deine Frage... Als ich an den Vertrag mit Jonas gedacht habe, ist mir auch Marcel durch den Kopf gegangen. Hoffentlich können wir trotzdem Freunde bleiben.
Marcel ist immer noch sehr jung.
Wenn er 2016 eine starke Moto2-Saison fährt, warum soll er den Sprung in die MotoGP nicht schaffen?

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