Stefan Bradl: «Ich darf Bautista nicht unterschätzen»

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Aprilia-Werkspilot Stefan Bradl hat sich bei den ersten sechs Grand Prix tadellos aus der Affäre gezogen. Jetzt hofft er auf ein konkurrenzfähigeres Motorrad und weitere starke Rennen.

Aprilia-Werkspilot Stefan Bradl konzentriert seine ganze Energie momentan darauf, sich im Aprilia-Werksteam den zweiten Platz neben Sam Lowes zu sichern, der für zwei Jahre unterschrieben hat.

Lowes sollte eigentlich schon 2016 im Aprilia Racing Team Gresini fahren.

Doch nach den starken Leistungen von Stefan Bradl beim Debüt in Indy und Brünn 2015 wurde Lowes um ein Jahr vertröstet, der Bayer bekam einen Vertrag für 2016 und 2017, wobei Aprilia allerdings eine Ausstiegsklausel hat, von der spätestens in den Tagen nach dem Brünn-GP Gebrauch gemacht werden müsste.

Der deutsche Moto2-Weltmeister von 2011 hält sich mit der unausgereiften Aprilia RS-GP16 in dieser Saison wacker. Er hat schon einen siebten und zwei zehnte Plätze erkämpft. Trotzdem ist das teaminterne Duell gegen Alvaró Bautista noch nicht entschieden.

Stefan Bradl hat in Le Mans und Mugello bei der Aprilia schwerwiegende Fahrwerksprobleme vorgefunden. Er ist in Italien vom 20. Startplatz weggefahren, Bautista vom 19. Das kam überraschend, denn das Aprilia-Werksteam hat in diesem Frühjahr mit Alvaró Bautista und Stefan Bradl schon 13. und 16. Startplätze erreicht.

Und eigentlich wurde erwartet, dass es von Rennen zu Rennen besser läuft.

Stefan, hat Aprilia mit Le Mans und Mugello die zwei schlimmsten Strecken hinter sich?

Das ist schwierig zu sagen. Denn wir fangen mit diesem Motorrad auf jeder Strecke bei Null an. Das ist überall ein kompletter Neuanfang. Die Daten vom letzten Jahr helfen uns nichts, denn das neue Motorrad hat mit dem Laboratory Bike von 2015 nichts mehr zu tun, ausserdem haben wir ein anderes Reifenfabrikat und eine neue Motorensteuerung. Das Vorjahr war eine komplett andere Geschichte. Es ist wirklich alles anders.

Aber vor vier Monaten war noch zu befürchten, dass du die ersten drei Rennen womöglich mit dem 2015-Bike fahren musst. Und der neue Prototyp hat sich als standfest erwiesen. Bei Ducati tauchen hingegen manchmal Defekte aus. Dovi ist in Jerez mit kaputter Wasserpumpe ausgeschieden, Redding hat schon zwei Ausfälle wegen Defekten hinnehmen müssen.

Ja, richtig. Es ist wirklich erstaunlich, dass in Mugello sogar bei Yamaha am Sonntag gleich zwei Dinger hochgegangen sind. Das zeigt, dass alle Spitzenteams am Limit sind.
Wenn ich mir Aprilia anschaue, dann muss ich sagen, ich sehe hier die richtige Strategie. Aprilia kümmert sich zuerst einmal um die Standfestigkeit, was sinnvoll ist, dann wird «step by step» etwas mehr Power rausgeholt. Aber wenn ich von Anfang an Probleme mit der Standfestigkeit habe, komme ich bei der Entwicklung gar nicht mehr weiter.

In Mugello fehlten dir nach dem zweiten Motor-Upgrade immer noch bis zu 16 km/h auf die Werks-Ducati. Auch in Barcelona ist die Gerade 1,1 km lang. Nachher folgen mit Assen und Sachsenring zwei Pisten, auf denen die Motorleistung weniger im Vordergrund steht.

Richtig. Aber man hat zum Beispiel gesehen, dass wir uns in Texas gut durchgekämpft haben, obwohl wir gedacht haben, auf dieser schnellen Piste werden wir straucheln. Es ist schwierig, irgendwelche Prognosen zu stellen für andere Pisten, weil wir überall bei Null anfangen. Es kann positive Überraschungen geben, aber auch negative wie zuletzt.
Das Basis-Set-up, das wir bei den ersten drei Übersee-Rennen gehabt haben, hat sich jetzt in Europa nicht so wirklich gut bewährt, wenn wir uns Jerez, Le Mans und Mugello anschauen.

Dein Teamkollege Alvaró Bautista ist ein hartnäckiger Gegner. Im Quali-Duell steht es 3:3, in den Rennen warst du bei vier von sechs Rennen besser als er. In Barcelona wird er als Hausherr auch stark sein. Du musst immer auf der Hut sein?

Das ist immer so in unserem Sport. Bautista wird sich sagen: Was hab ich zu verlieren? Der Konkurrenzkampf wird bis zum letzten Rennen dauern. Jeder will im Team der Bessere sein. Es ist jedem von uns klar, dass es um einiges geht – um den zweiten Teamplatz für 2017.
Logisch, dass das kein Selbstläufer ist.
Bautista hat jetzt am Sonntag in Mugello einen Fehler gemacht. Aber er war das Wochenende immer schnell. Ich war nicht weit weg von ihm, ich war immer dicht dran.
Ich schreibe ihn nicht ab. Das wird er mit mir nicht machen – und ich mache es mit ihm nicht. Wenn Bautista jetzt drei Granatenrennen raushaut, was ist dann?
Ich muss mich weiter anstrengen. Gleichzeitig hoffe ich, dass unser Bike schrittweise konkurrenzfähiger wird.
Es wird 2017 bei Aprilia auch nicht einfach. Sam Lowes ist schnell, er wird nach dieser Moto2-Saison viel Selbstvertrauen haben.

Du hast kürzlich erwähnt, dass du inzwischen wieder jenes Selbstvertrauen gefunden hast, das dich 2013 ausgezeichnet hat, in deiner besten MotoGP-Saison mit dem zweiten Platz in Laguna Seca. Dieses Vertrauen wirst du brauchen, wenn das Motorrad besser wird und du ein Stück weiter vorne mitmischt.

Sicher wird bei mir das Selbstvertrauen noch besser, sicher. Wenn wir mit dem Motorrad einen etwas besseren Grundspeed anlegen können, schaut es von Haus aus schon einmal besser aus.
Aprilia-Rennchef Romano Albesiano hat Recht, wenn er sagt, die Fahrer sind momentan besser als das Motorrad. Das täte ich auf alle Fälle auch so sagen, ohne mich jetzt besonders loben zu wollen. Unser Motorrad ist noch nicht auf dem Level, dass wir problemlos die Top-Ten ansteuern können. So weit sind wir noch nicht. Wir müssen geduldig bleiben, arbeiten und das Motorrad weiterentwickeln.

Du bist selbst in Mugello vom 20. Platz auf Platz 12 vorgedrungen. Wenn du wieder Startplätze zwischen 13 und 15 erreichst, wäre das schon die halbe Miete? In Barcelona warst du 2014 Fünfter, in der Moto2 hast du dort gewonnen. 2005 hast du dort in der 125er-WM debütiert. Ein gutes Pflaster für dich?

Ja, Barcelona gehört zu meinen Lieblingspisten. Es ist dort nicht so wie in Valencia, wo der Grand Prix meistens verhext ist für mich und wo ich einen Haufen DNFs hatte, also Nuller.
In Barcelona habe ich in der MotoGP schon ein paar gute Resultate erreicht.

Du hast im Winter prophezeit, dass Ducati 2016 nicht im Titelkampf mitmischen wird. Diese Vorhersage hat sich bewahrheitet.

Ja, das dauert noch ein bisschen, bis Ducati im Titelkampf mitmischen kann. Wer weiss, wie Lorenzo nächstes Jahr bei Ducati zurechtkommt. Er wird sich sicher nicht so leichttun wie mit der Yamaha.
Er hat zu der Yamaha unglaublich viel Vertrauen. Das passt perfekt zusammen, die Yamaha und der Fahrstil von Jorge, das ist der Wahnsinn.

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