Jack Miller: «Dieser GP-Sieg macht mich ruhiger»

Von Oliver Feldtweg
MotoGP
Jack Miller: Champagner aus dem Stiefel

Jack Miller: Champagner aus dem Stiefel

Marc VDS-Honda-Pilot Jack Miller will seinen MotoGP-Sieg im Regen von Assen nicht überbewerten. Aber er ist froh und dankbar, Honda und dem Team für das Vertrauen danken zu können.

Jack Miller (21) sorgte bei der Dutch-TT in Assen auf nasser Fahrbahn für eine Riesensensation. Er gewann als erster Fahrer aus einem Kundenteam seit Toni Elias in Portugal 2006 ein MotoGP-WM-Rennen.

Im Gespräch mit den Kollegen von motogp.com spricht der Honda-Pilot über seinen ersten MotoGP-Triumph. Dieser geschah genau drei Wochen, nachdem «JackAss» in Barcelona mit Platz 10 sen ersten Top-Ten-Ergebns in der «premier class» erzielt hatte.

Dabei hatte die Saison übel begonnen: Wegen eines Motocross-Unfalls samt Schien- und Wadenbeinbruch musste der Moto3-Vizeweltmeister von 2014 auf den ersten Test in Sepang/Malaysia verzichten.

Jack, ist der Sieg inzwischen in deinen Kopf eingedrungen?

Yeah, ganz sicher. Aber ich zwicke mich manchmal immer noch. Du weisst, was passiert ist, aber du kannst es nicht glauben. Es ist definitiv eines der besten Gefühle, die ich je gehabt habe. Das lässt sich nicht bestreiten.

Was ist dir im Rennen in den letzten Runden durch den Kopf gegangen?

Das waren trickreiche Verhältnisse, du darfst bei solchen Bedingungen den Ball nicht aus den Augen lassen. Trotzdem ist es mir passiert, dass ich mich ablenken liess. Als ich das merkte, sagte ich mir: «Hey, pass auf... Oder du bist in einer Minute nicht mehr Spitzenreiter.»
Aber deine Gedanken schweifen ab. Du denkst an andere Sachen. Du stellst dir all zum Beispiel die Leute im Paddock vor, die nach dem Rennen auf dich losstürmen. Es ist in solchen Fällen sehr leicht, die Konzentration zu verlieren. Besonders bei so misslichen Verhältnissen passiert es dann schnell, dass du die Kiste wegwirfst.
Ich habe mich redlich bemüht, mich auf meinen Job zu fokussieren – bis zur letzten Kurve. Manchmal reduzierst du das Tempo, du willst Risiken vermeiden, aber dann wird es erst richtig gefährlich. Wenn du den Reifen nicht genug zumutest, kühlen sie ab, dann führt das zu Stürzen. Also nahm ich mir vor, immer Zeiten um 1:50 min zu fahren und das Motorrad ins Ziel zu bringen.

Warum war nach dem Rennen deine Stimme weg?

Ich habe meine Stimme in Turn 2 nach der Zieldurchfahrt verloren. Ich habe dort so laut geschrien und ordentlich gefeiert.

Wie gut hat sich das angefühlt, als du es den Kritikern mal richtig gezeigt hast?

Natürlich haben alle Menschen das Recht, mich und unser Projekt in Frage zu stellen. Aber es fühlte sich gut an, Honda und den restlichen Jungs mal einen Dank abstatten zu können. Das Team und ich, wir leisten harte Arbeit. Jetzt konnte ich zeigen, dass ich das Vertrauen von Honda und des Teams rechtfertigen kann. Das weiss ich zu schätzen. Das war alles keine Zeitverschwendung, was in diesen eineinhalb MotoGP-Jahren passiert ist.
Jetzt gab es eine Belohnung für dieses Projekt. Alle, die langsam gezweifelt haben, sind jetzt beruhigt.

Hast du jemals selbst an deinen Fähigkeiten gezweifelt, als du weit unten durch musstest?

Klar. Ab einem gewissen Punkt beginnen die Zweifel. Du stellst dir Fragen. «Habe ich wirklich was auf einem so hohen Niveau des Sports etwas verloren?» Solche Fragen. Sobald ich in Assen die Ziellinie überquert habe, sind all diese Zweifel aus meinen Gedanken verschwunden.
Ich weiss, es war nass. Aber es zeigt trotzdem, dass wir in dieser Saison besser und besser werden. Rennen um Rennen, Weekend um Weekend.

Wie wird sich deine Einstellung jetzt bei den nächsten Rennen ändern?

Ich denke, dieser Erfolg wird mich ruhiger machen. Aber sonst wird sich nicht viel ändern. Meine Arbeitsweise und meine Einstellung werde sich nicht ändern.

Du bist der erste Pilot, der in der MotoGP-Klasse gewinnt, ohne jemals Moto2 gefahren zu sein. War es ein Vorteil, gleich von der Moto3 in die MotoGP durchmarschiert zu sein?

Ich denke es, ja. Tito Rabat zum Beispiel ist Moto2-Weltmeister 2014 gewesen. Er hat drei Jahre lang immer um den Moto2-Titel gefightet. Jetzt ist er in der MotoGP und hat im ersten Jahr genau so viel Mühe wie ich 2015. Das zeigt, wie mühsam die MotoGP ist. Ich glaube, es spielt keine Rolle, aus welcher Klasse du in die MotoGP kommst. So lange du die richtige Einstellung und Arbeitsweise hast, solange ist alles möglich.

Du bleibst für 2017 im Estrella Galicia 0,0 Marc VDS-Team. Die Atmosphäre dort war am Sonntagabend in Assen sehr ausgelassen. Die Biervorräte gingen rasch zur Neige.

Ich habe mich in diesem Team wirklich sehr rasch heimisch gefühlt. Und ich bin begeistert, dass ich dort 2017 weiterfahren kann. Ich habe das Gefühl, sie mögen mich auch. Alles passt ausgezeichnet zusammen, ich bin in einem glücklichen Umfeld. Das ist ein Team, in dem sie mit meiner Persönlichkeit Freude haben. Marc VDS, das ist eine besondere Art von Team. Sie sind sehr offen und wollen mir in jedem Bereich helfen. Das ist wunderbar. Ich bin dort wirklich glücklich.

Wie lange haben die Siegesfeierlichkeiten gedauert? Sind sie womöglich noch im Gange?

Ich bin danach fast unmittelbar zum Training zurückgekehrt. Ich bin Motocross gefahren und ein bisschen Rennrad. Ich wollte mich beschäftigen. Ich muss vor dem Sachsenring nach Hawaii fliegen, weil einer meiner besten Freunde dort heiratet. Das hört sich nach Schwerarbeit an... Ich werde in der Sommerpause keine Zeit haben, heim nach Australien zu reisen. Die Puase ist zu kurz. So ist es gut, wenn ich jetzt ein paar Kumpel treffen kann. Ich werde ihnen die Trophäe von Assen für den Rücktransport nach Australien übergeben.
Danach steht der GP von Deutschland auf dem Programm. Das ist eine weitere Piste, die mir gefällt. Wir haben dort im Vorjahr gut abgeschnitten.
Ich freue mich auf dieses Rennen.

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