David Philippaerts: «Der schlimmste Crash»

Von Gino Bosisio
Motocross-WM MXGP
David Philippaerts: Noch so gut wie 2008?

David Philippaerts: Noch so gut wie 2008?

David Philippaerts brach sich bei einem Trainingssturz im August in Höchstädt beide Handgelenke und musste die Saison vorzeitig beenden.

Der 27-Jährige musste mehrere Operationen über sich ergehen lassen und will 2012 wieder fit in seine sechste WM-Saison starten. Der MX1-Weltmeister von 2008 erzählt im Interview, wie er die Zeit nach dem schweren Crash erlebt hat und was er sich für die Zukunft vorgenommen hat.

David, du hattest schon einige Verletzungen in der deiner Karriere, aber die hier war die schlimmste oder?
Ja, das war der schwerste Crash in meiner Karriere. Physisch und auch mental fühle ich mich aber wieder voll okay. Ich sehe und spüre, dass ich wieder zu alter Form auflaufen kann. Das stimmt mich zuversichtlich. Mein Ziel ist es jetzt, noch stärker zu werden.

Was wurde unternommen, um deine Handgelenke zu reparieren?
Ich habe zwei Platten und zehn Schrauben, eine ist fünf Zentimeter lang, im rechten Arm. Im linken sind nur eine Platte und sieben Schrauben. Ausserdem noch zwei Klammern, um die Bänder zu stabilisieren. Die 17 Schrauben werden wohl drin bleiben. Der Arzt erklärte mir, dass es hochmoderne Materialien sind, und diese nicht mehr entfernt werden müssen.

Du warst drei Wochen im Krankenhaus. War das eine schwierige Zeit?
Ja, ich hatte drei Operationen. Ich lag also im Schnitt alle fünf bis sechs Tage im OP. Das war ein Auf und Ab in mir drin. Ich kam aus dem OP, hatte Schmerzen und gerade als es etwas besser wurde, lag ich schon wieder unter dem Messer. Ich lag in Deutschland im Krankenhaus, hatte also auch nicht viele Leute, mit denen ich reden konnte. Aber eins muss ich sagen: Das Personal in Deutschland war hervorragend. So eine Behandlung würde ich in Italien nicht bekommen. Ich kann also fast froh sein, dass ich in Deutschland gestürzt bin.

Bei dem Sturz hast du bei einem Berg-auf-Stück Traktion verloren. Wenn du jetzt darüber nachdenkst, denkst du «Ich Idiot» oder hättest du gar nichts machen können?
Ich habe oft darüber nachgedacht. Es gibt vielleicht Sachen, die ich hätte machen können. Zum Beispiel vom Bike wegkommen anstatt es festzuhalten. Aber in dem kurzen Moment habe ich wohl die falsche Entscheidung getroffen.
Ich glaube, ich habe das eine Gelenk gebrochen, als ich mit dem Bike aufgeschlagen bin, das andere, als ich auf dem Boden angekommen bin. Wie bei fast allen Stürzen ging alles sehr schnell. Ich habe nach dem Sturz meine Hände angeschaut und gesehen, dass sie in die falsche Richtung stehen.

Hast du zeitweise gedacht, dass deine Karriere damit beendet ist?
Nein, am Anfang habe ich nur gedacht «Scheisse». Die Schmerzen waren unbeschreiblich. Als ich mich an sie gewöhnte wurde mir klar, dass ich meinen Körper wieder auf Kurs bringen und wieder fahren muss.
Die viermonatige Trainingspause, die längste seit 18 Jahren, war schlimm. Vielleicht komme ich nicht mehr ganz an das damalige Niveau heran, aber ich will es auf jeden Fall probieren. Im Januar und Februar werde ich mehr dazu wissen. Ich habe nie über das Aufhören nachgedacht, weil Rennen fahren ein grosser Teil meines Lebens ist. Da habe ich lange und hart dafür gearbeitet und es macht mir Spass. Es war der Grund, jeden Tag aufzustehen. Wenn ich mal aufhöre, weil ich zu langsam oder zu alt bin, will ich auf jeden Fall weiter in dem Sport tätig bleiben.

Mal abgesehen von den Schmerzen und der Frustration: War die Pause vielleicht auch vorteilhaft?
Ja, in mancher Hinsicht vielleicht schon. Nach den drei Operationen habe ich eine Pause gebraucht. Ich hatte Schmerzen und war kraftlos. So etwas habe ich vorher noch nie erlebt. Drei Monate nach dem Crash bin ich wieder normal. Ich habe in der Zeit Dinge gemacht, die ich machen wollte, aber sonst nie die Zeit dazu hatte. Sponsorenbesuche standen an, oder ich habe mich einfach nur um mein Haus und solche Sachen gekümmert. Anfangs konnte ich jedoch nichts alleine machen, die Heilung verlief aber Gott sei Dank schneller als gedacht. Zeitweise musste ich mich zurückhalten, damit ich nicht zu viel mache. Am schlimmsten war wirklich das Herumsitzen. Ich fühlte mich schon besser, musste aber auf das Okay der Ärzte warten, weil in den Gelenken einiges heilen musste. Für nächstes Jahr bin ich sehr motiviert, ich will besser als vorher sein.

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