Bundesverdienstorden für Joachim Jahnke

Kolumne von Thoralf Abgarjan
Motocross-WM MXGP

Joachim Jahnke hat den 'Talkessel' aus der Taufe gehoben und zum 'Mekka' des Motocross-Sports in Deutschland gemacht, zu dem alljährlich zehntausende Fans pilgern. Er erhält den Bundesverdienstorden.

Er ist der Mann, der den Talkessel in Teutschenthal sprichwörtlich aus der Taufe gehoben hat: Joachim Jahnke, selbst Rennfahrer durch und durch, war als Go-Kart-Fahrer in der früheren DDR erfolgreich. Seine Hausstrecke: Die Halle-Saale-Schleife. Doch 1967 wurde das vorerst letzte Rennen auf dem Straßenrennkurs ausgetragen.

Auf der Suche nach einem Ersatz, entdeckten die Motorsportfreunde um Joachim Jahnke den Talkessel, eine frühere Kohle- und Kiesgrube in Teutschenthal.

Durch die Erfolge Paul Friedrichs blühte der Motocrosssport zu jener Zeit auf. Ende der 1960er Jahre wurden im Talkessel bereits die ersten Rennen ausgetragen und schon 1971 wurden hier die ersten WM-Läufe gestartet. Der legendäre Belgier Joël Robert gewann den ersten Grand-Prix in Teutschenthal.

Ab Mitte der 1970er Jahre wurde von der Regierung die politische Entscheidung getroffen, die Förderung des Motocross als nicht-olympische Sportart einzustellen. Es durften fortan weder WM-Läufe ausgetragen werden, noch konnten sich Sportler an WM-Rennen im so genannten 'Nicht-Sozialistischen Wirtschaftsgebiet (NSW)' beteiligen.

Doch der MC Teutschenthal machte unbeirrt weiter und veranstaltete internationale, oft hochkarätig besetzte Rennen im Rahmen des 'Pokals für Frieden und Freundschaft' (eine Art Ostblock-WM) oder Rennen um den 'Pokal der Kalikumpel'. Immerhin gab es ja in den 'sozialistischen Bruderländern' noch vereinzelt WM-Piloten wie den Russen Gennadi Moiseev, die Tschechen Zdenek Velky und Jiri Churavy sowie den Bulgaren Dimitar Rangelov, die alle im Talkessel starteten.

Joachim Jahnke pflegte seine internationalen Kontakte und konnte immer wieder namhafte Fahrer für die Rennen im Talkessel gewinnen. Schon damals brodelte der Kessel am Rennwochenende. Zuschauerzahlen von 30.000 waren 'normal'. Nicht normal aber waren die Anstrengungen der ehrenamtlichen Clubmitglieder des MC Teutschenthal, die Jahnke immer wieder gewinnen und begeistern konnte, sich über Monate und Jahre hinweg selbstlos zu engagieren. In den ersten Jahren wurden Erdkanäle für die Infrastruktur (Elektroversorgung, Leitungen usw.) mit dem Spaten ausgehoben, die Fundamente für die erste Startanlage und das Start-Ziel-Haus von Hand ausgeschachtet. Im Talkessel steckt der Schweiß von ungezählten Helfern der ersten Stunde, allen voran: Joachim Jahnke.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Haseloff würdigte bei seiner Preisverleihung ausdrücklich diese ehrenamtliche Arbeit : «Die hohe gesellschaftliche Bedeutung des Ehrenamtes zeigt sich im jahrelangen Engagement vieler Bürgerinnen und Bürger, die selbstlos und mit großem Einsatz ganz wesentlichen Anteil am Funktionieren unseres Gemeinwesens haben.»

In den Zeiten des 'kalten Krieges' verschärften sich die Beziehungen der beiden deutschen Staaten. Motorsport galt in der offiziellen politischen Lesart als besondere Form kapitalistisch-kommerzialisierten Sports. Mit einer Ausnahme: Enduro. Aber das ist ein anderes Thema.

Ich erinnere mich genau daran, wie Joachim Jahnke in jener dunklen Zeit schwärmte: «Irgendwann machen wir hier das Motocross der Nationen». Dass diese Illusion im Jahre 2013 Realität werden könnte, war jenseits jeder Vorstellung.

Nach der politischen Wende 1990 brachen mit dem DDR-Staatsgebilde auch viele Bereiche der ostdeutschen Gesellschaft zusammen: Vielerorts lösten sich Sportclubs auf, viele Menschen hatten Sorgen und Ängste und waren auf die eigenen Probleme fixiert. Joachim Jahnke aber startete mit Vollgas durch: Immerhin hatte er es schon zu DDR-Zeiten geschafft, ein kleines, privatwirtschaftliches Fuhrunternehmen zu gründen. Da es keine LKWs auf dem freien Markt gab, musste er sich anders helfen: Jahnke kaufte verschrottete LKWs und baute sie selber wieder auf. So entstand ein kleiner Fuhrpark. Nach der Wende sah er die Chance, in Teutschenthal endlich wieder einen richtigen WM-Lauf im Talkessel zu starten. Nachdem die ersten Inter-DM und EM-Läufe ein fulminanter Erfolg wurden, war es bald soweit: Nur knapp 3 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung wurde 1993 im Talkessel der erste WM-Lauf der Klasse bis 500ccm gestartet. 1996 gab es den ersten WM-Lauf der Klasse bis 250ccm. Seit 1998 findet der Große Preis von Deutschland regelmäßig und jährlich im Talkessel statt.

Das Motocross der Nationen 2013 im Talkessel wurde zur Erfüllung seines Traums: Team Deutschland trat im Talkessel als Mannschaftsweltmeister mit Max Nagl, Ken Roczen und Dennis Ullrich an und insgeheim hoffte Joachim Jahnke auf eine Titelverteidigung auf deutschem Boden. Die Titelverteidigung klappte nicht, aber das Rennen war dennoch die Krönung der Geschichte des Motorsportclubs Teutschenthal, dessen Vorsitzender Jahnke seit 2004 ist.

Der 77-Jährige erhielt für diese Leistung und insbesondere für sein ehrenamtliches Engagement von Bundespräsident Joachim Gauck den Bundesverdienstorden verliehen. Über den Motorsport hinaus ist Jahnke in der IHK und in der Lokalpolitik aktiv.

In der Laudatio von Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Haseloff hieß es: «Sie haben dem Motorsport in Sachsen-Anhalt ein Gesicht gegeben. Das ist Standortwerbung, wie man sie sich nur wünschen kann!»

Einen Bundesverdienstorden für Motocross, das gibt es nicht alle Tage!

Ein guter Tag für den Sport.

Ehre, wem Ehre gebührt.

Joachim Jahnke im Video:

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