Melandri-Manager Vergani: «Er ist kein kleiner Junge»

Von Ivo Schützbach
Superbike-WM
Marco Melandri

Marco Melandri

«Ich bin der günstigste Fahrer im ganzen Paddock», sagt Marco Melandri über seinen Ducati-Vertrag. Für die Superbike-WM 2019 sind viele Spitzenfahrer in einer miserablen Verhandlungsposition.

Für die SBK-Weltmeisterschaft 2019 haben erst zehn Fahrer einen Vertrag, derzeit gibt es ein massives Überangebot an schnellen Piloten für die wenigen verbliebenen finanz- und schlagkräftigen Teams.

Marco Melandri, Tom Sykes, Eugene Laverty, Jordi Torres, Loris Baz, Javier Fores, Lorenzo Savadori und Markus Reiterberger – sie alle haben bei Red Bull Honda und dem Milwaukee-Team wegen eines Jobs vorgesprochen.

Honda-Europa-Rennchef Chris Pike und Milwaukee-Teamchef Shaun Muir wissen, dass sie in einer ausgezeichneten Verhandlungsposition sind. Sie sind auch klug genug, sich nicht finanziell gegeneinander ausspielen zu lassen.

«Ich bin der günstigste Fahrer im ganzen Fahrerlager», sagt der 22-fache Laufsieger Marco Melandri. «Ich habe in zwei Jahren bei Ducati 150.000 Euro verdient, Chaz Davies hat 1,3 Millionen Euro eingesackt, neunmal mehr als ich.»

Melandri-Manager Alberto Vergani bestätigte gegenüber SPEEDWEEK.com, dass für nächste Saison Red Bull Honda und GRT Yamaha die besten Möglichkeiten für seinen Schützling in der Superbike-WM darstellen. Kommt er dort nicht unter, erwägt Melandri den Wechsel in die US-Meisterschaft MotoAmerica.

«Für Marco steht Geld nicht im Vordergrund, so ist das auch jetzt bei Ducati», erzählte Vergani. «Darüber haben wir bislang nicht gesprochen. Es geht immer um Angebot und Nachfrage. Wenn du Marquez bist und den Mond verlangst, dann geben sie dir den Mond. Wenn du aber zurück in den Kampf kommen willst – Lorenzo wird für weniger Geld fahren und bekommt dafür die Chance zu gewinnen. Wenn die Nachfrage nicht groß ist, dann kannst du auch nicht viel Geld verlangen und musst für wenig fahren. Das ist immer so.»

Vergani ist lange im Geschäft, er weiß, was er wann verlangen kann. «Mit Carlos Checa war ich in der gleichen Lage», erinnerte sich der Italiener, der im Hauptberuf Präsident der Nolan Group ist. «Als er 2010 zu Althea ging, bekam er 50.000 Euro. Er hatte damals ein Angebot von Livio Suppo für einen Testfahrervertrag in der MotoGP-Klasse. Aber Carlos meinte, dass er seine Karriere so nicht beenden könne, er wollte einen Titel gewinnen. Er teste damals die Ducati und der Charakter gefiel ihm. Niemand traute ihm damals etwas zu und im Jahr darauf gewann er mit einem Privatteam den Titel. Damals haben sie zusammen ein Wunder vollbracht.»

Vergani weiter: «Manchmal geschehen Wunder, deshalb bin ich positiv gestimmt, was Marco betrifft. Aus Problemen entwickeln sich Möglichkeiten. Am 20. Dezember 2008 rief mich Michael Bartholemy an und sagte mir, dass sich Kawasaki aus der MotoGP-WM zurückzieht. Marco hielt das zuerst für einen schlechten Witz, aber es war wahr. 2009 hatte er dann mit Hayate eine gute Saison, in Le Mans wurde er Zweiter. Anschließend sagten mir einige Ducati-Mechaniker, dass die Probleme 2008 nicht nur von Marco verursacht wurden. Niemand außer Casey Stoner gewann damals auf Ducati. Valentino Rossi hat das bestätigt.»

Melandri gilt als eigensinnig und wenig diplomatisch, er bringt aber auch immer Leistung. In der Superbike-WM brauste er für Yamaha. BMW, Aprilia und Ducati in 148 Rennen 70 Mal aufs Podium, er gilt als hervorragender Entwickler.

«Marco ist super sensibel», unterstreicht Vergani. «Er gibt dir die Richtung vor. Und er will wissen, was wirklich los ist. Er ist ein Mann, kein kleiner Junge. Er wird nur verrückt, wenn du ihm nicht die Wahrheit sagst. Manchmal ist er vielleicht zu direkt.»

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