Einheitselektronik: Wieso BMW Zustimmung verweigerte

Von Ivo Schützbach
Superbike-WM
BMW-Rennchef Marc Bongers, Markus Reiterberger und SMR-Teamchef Shaun Muir (v.l.)

BMW-Rennchef Marc Bongers, Markus Reiterberger und SMR-Teamchef Shaun Muir (v.l.)

Seit Juni 2017 dachte Promoter Dorna darüber nach, eine Einheits-Elektronik für die Superbike-WM einzuführen – BMW war stets der Hauptkritiker. Aus gutem Grund, wie wir heute wissen.

Ursprünglich war angedacht, für 2018 alle Superbike-Teams mit einer einheitlichen elektronischen Motorsteuerung von Magneti Marelli auszurüsten. Die Rede war von einer leicht abgespeckten MotoGP-Version, in der Königsklasse gibt es die Einheits-ECU seit 2016. Das war aus zeitlichen Gründen aber nicht umsetzbar und es stellte sich zudem die Frage, wer dafür aufkommen soll.

Außerdem waren Kawasaki und BMW strikt dagegen, weil sie die Superbike-WM stärker als andere Hersteller als Entwicklungsfeld für Serienmaschinen nutzen – und nicht in der MotoGP-Klasse vertreten sind.

Bei der Dorna liegt das Thema vorerst auf Eis. «Im Moment gibt es keine Notwendigkeit für die Einheits-ECU», sagt SBK Executive Director Daniel Carrera.

Für BMW ist das eine Entscheidung mit gewaltiger Tragweite, wie Motorsport-Direktor Marc Bongers im Exklusiv-Interview mit SPEEDWEEK.com verriet.

Anfang November 2018 wurde in Mailand die neue S1000RR präsentiert, in diesem Jahr gibt es erstmals seit 2013 wieder ein BMW-Werksteam in der Superbike-WM. Als Fahrer wurden Ex-Weltmeister Tom Sykes und Superstock-Europameister Markus Reiterberger verpflichtet.

Marc, könnt ihr aus euren Erkenntnissen in der Superbike-WM Schlüsse für die Serienentwicklung ziehen?

Wir tauschen uns ständig mit der Serienentwicklung aus.

Und es ist eine gewisse Rechtfertigung für unser Engagement. Die letzten eineinhalb Jahre war es ja immer wieder Thema, dass man auf eine Einheitselektronik geht. Mit dem neuen Motor, mit dem Shift-Cam-System, können wir gar nicht auf eine andere Elektronik gehen, weil es keine gibt, welche das Shift-Cam steuern kann.

Wir wussten ja schon länger, dass das Shift-Cam-System kommt und wir alles daran setzen müssen, dass das Thema Einheitselektronik vom Tisch bleibt. Das war nicht so einfach zu rechtfertigen, wenn man wie wir letztes Jahr nur mit einem Motorrad in der Mitte der Startaufstellung steht.

Die Dorna fragte sich, wie viel Mitspracherecht jemand haben soll, der ohne allzu viel Werksunterstützung mit einem Bike dabei ist. Wir mussten das hinkriegen, damit wir für das neue Motorrad gerüstet sind.

Wie erklärst du das Shift-Cam-System einem Laien?

Das sind zwei Einlassnocken, die bei einer gewissen Drehzahl umgeschaltet werden können. Wir haben kein variables Timing, sondern zwei unterschiedliche Nocken: Einmal für Drehmoment und einmal für Leistung. Damit kriegen wir ein breites Drehmomentband hin. Nicht nur in der Serie, das nutzen wir auch in unseren Rennmotoren. Die Fahrer beurteilen das sehr positiv.

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