Exklusiv: BMW-Satelliten-Team – und die Hindernisse

Von Ivo Schützbach
BMW hätte gerne mehr als zwei Bikes in der Startaufstellung

BMW hätte gerne mehr als zwei Bikes in der Startaufstellung

Mit der neuen S1000RR hinterlässt BMW viel Eindruck im Fahrerlager der Superbike-WM, für nächste Saison gibt es ein interessiertes Kundenteam. Wie es zur Zusammenarbeit kommen kann.

Mit BMW, Ducati, Honda, Kawasaki und Yamaha sehen wir aktuell fünf Hersteller in der Superbike-WM. Bis auf BMW und Honda haben alle mindestens zwei Kundenteams und vier Fahrer und sammeln entsprechend viele Daten.

Von den aktuell 13 Teams pflegen fast alle eine enge Bindung zu einem Hersteller, Ausnahmen sind Orelac und Go Eleven, sie sind normale Kunden von Kawasaki und Ducati.

«Wer keinen Hersteller als Partner hat, sucht einen», unterstreicht Orelac-Teammanager Giulio Bardi. «Wir straucheln als Privatteam in mehreren Bereichen. Zum einen finanziell, zum anderen würden wir gerne einen Vermögenswert darstellen. Kawasaki hat viele Teams, bei ihnen sind wir nur eine Nummer. Wir sind nicht unglücklich mit Kawasaki, sie halten sich an alles, was wir vereinbart haben. Ich kann mich nicht beschweren. Wir sind jetzt aber an einem Level angelangt, an dem es mehr braucht. Sollte sich so etwas ergeben, wäre das gut für die Meisterschaft und das Team.»

Orelac, das ist der Nachname von Teameigentümer José Calero rückwärts geschrieben, stieg 2018 mit Leandro Mercado in die Superbike-WM ein, in der Supersport-WM startet seit 2015 der erfolglose Sohn Nacho Calero.

Mercado schaffte es mit der Kunden-Kawasaki seither achtmal in die Top-10, zur Sommerpause ist der Argentinier mit 48 Punkten WM-15. Als neuer Hersteller für Orelac bietet sich für 2020 lediglich BMW an, weil Yamaha und Ducati bereits ausreichend Partner haben und die Zukunftspläne von Honda weiterhin unklar sind. Suzuki, Aprilia und MV Agusta haben kein Interesse an der seriennahen Motorrad-WM.

Die Bayern würden ein Satelliten-Team willkommen heißen, dafür müssten neben den finanziellen Voraussetzungen aber auch einige weitere erfüllt sein. BMW duldet nicht, dass ein Kundenteam mit einem anderen Verkleidungshersteller arbeitet, weil dieses Know-how im Haus bleiben soll. Und die Abgasanlage muss identisch sein mit jener des Werksteams, um die optimale Abstimmung und Leistung der Motoren garantieren zu können.

BMW-Star Tom Sykes ist überzeugt: «Wenn wir mehr Fahrer hätten, gäbe es mehr Daten und BMW könnte schneller entwickeln.»

«Ich bin in Kontakt mit BMW, wir wären gerne ein Aktivposten von ihnen», hob Bardi im Gespräch mit SPEEDWEEK.com hervor. «Als Satelliten-Team gehörst du dazu, du bist nicht nur ein Kunde oder eine Nummer. Mit den heutigen Regeln ist das sehr wichtig für ein Team. Unser Motorrad unterscheidet sich technisch kaum von den Werksmaschinen von Kawasaki. Der Punkt ist, wie du zu den Dingen kommst, die letztlich den Unterschied ausmachen. Auch wie alles organisiert ist, und dass du eine Vision für die Zukunft hast, ist wichtig. Finanziell macht es für uns kaum einen Unterschied, ob wir Kawasaki oder BMW fahren.»

Der Italiener weiter: «Es freut mich, dass Kawasaki Puccetti hat, Ducati Barni und Yamaha GRT. Deshalb wäre ich froh, wenn wir mit einem Hersteller in die gleiche Lage kämen. Die Regeln zwingen die Hersteller dazu, ihren Kunden- und Satelliten-Teams gleichwertiges Material zur Verfügung zu stellen. Das kannst du entweder als Ärgernis auffassen, oder du nützt das zu deinem Vorteil. So wie es Ducati und Yamaha machen, deren Teams für sie einen Wert darstellen. Sie haben dadurch mehr Daten, ein zusätzliches Aushängeschild und wir könnten Testarbeit übernehmen. Von unserem Teamsitz aus, sind wir in 30 Minuten auf der Rennstrecke. Ein Privatteam muss sich so eine Zusammenarbeit aber auch leisten können – in der heutigen wirtschaftlichen Situation ist das unrealistisch. Wenn du den Hersteller wechselst, dann brauchst du alles neu und fängst bei null an. Ohne die Hilfe des Herstellers, kannst du das nicht bewerkstelligen.»

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