Covid-19 in Italien: Katastrophe wird noch schlimmer

Von Mathias Brunner
Superbike-WM

Ursprünglich waren für die diesjährige Superbike-WM 13 Events angesetzt, davon zwei in Italien. Der italienische Formel-1-Journalist Luigi Perna befürchtet, dass sein Land noch viel Leid bevorsteht.

Alle Rennen der Superbike-WM im März, April und Mai wurden verschoben, der als Europa-Auftakt geplante Event in Jerez ist jetzt auf das letzte Oktober-Wochenende datiert, Assen auf den 21.–23. August.

Dass wir in Italien dieses Jahr Rennen sehen, ist zumindest zweifelhaft. In keinem Land sind mehr Menschen an der Lungenkrankheit Covid-19 gestorben, inzwischen sind es 8215. Das entspricht zehn Prozent der registrierten Infizierten.

Die auf 8.–10. Mai angesetzten Rennen in Imola sind auf unbestimmte Zeit verschoben, Misano (12. bis 14. Juni) steht offiziell noch im Kalender.

Luigi Perna berichtet für unsere Kollegen von der Gazzetta dello Sport über die Formel 1. Er sagt über die derzeitige Lage in seiner Heimat: «Italien hat auf diesen Notfall stark reagiert. Gemessen an anderen Ländern wurden Ausgehverbote früh verhängt, schon Anfang März. Die Polizei patrouilliert seither in den Straßen, um sicherzustellen, dass die Menschen zuhause bleiben.»

«Danach wurde die Schraube angezogen, Geschäfte wurden geschlossen, Fabriken gingen zu. Was nicht lebenswichtig ist, musste zusperren. Aber die Auswirkungen der Pandemie sind so gewaltig, dass sie das Gesundheitssystem, die Spitäler, Ärzte und Krankenpfleger auf die härteste Probe stellt, die man sich vorstellen kann, vor allem im Norden.»

«Ich bin der Ansicht, dass Italien auf die Bedrohung schnell und verantwortungsvoll reagiert hat. Nun aber muss mehr getan werden, um die Wirtschaft zu stützen. Die Menschen und die Unternehmen brauchen Soforthilfe.»

«Das italienische Gesundheitswesen ist meiner Meinung nach nicht das schlechteste. Aber diese Krise bringt sie alle an die Grenzen ihrer Möglichkeiten. In den Krankenhäusern schuften Ärzte, Pflegepersonal und Freiwillige rund um die Uhr. Arbeitstage von zwölf Stunden sind inzwischen normal, unter riskanten Bedingungen. Längst ist klar: Sie können sich nicht mehr um alle Menschen kümmern, dazu sind einfach zu viele Italiener an Covid-19 erkrankt. Sie müssen sich um die schlimmsten Fälle kümmern, die Intensivstationen sind überfüllt.»

«Natürlich denke ich auch – wir haben das alles unterschätzt. Die meisten von uns glaubten doch, es handle sich um ein Problem, das in China bleiben würde. Leider ist die Realität komplett anders und überaus tragisch. Außer zum Einkaufen setze ich keinen Fuß mehr vor die Tür. Eines muss jedem in meinem Land klar sein: Es wird alles noch schlimmer. Die Zahlen steigen weiter. Zwar sind in den letzten Tagen zwei Mal in Folge die Anzahl neuer Ansteckungen und die Anzahl Toter gefallen, dann aber wieder gestiegen. Das hat den Hoffnungsschimmer gedämpft, dass sich die ganzen Maßnahmen der Regierung auszuzahlen beginnen. Deshalb fürchte ich, haben wir das Schlimmste noch nicht überstanden. Aber wie lange es dauert, bis wir behaupten können, wir hätten die Lage im Griff, weiß keiner. Wir reden sicher nicht von Wochen, sondern eher von Monaten.»

«Der Motorsport in Italien ist komplett zum Erliegen gekommen. Einige Rennstreckenbetreiber helfen den Krankenhäusern. Misano unterstützt das Spital von Rimini finanziell. Die medizinische Ausstattung zur Notfallversorgung am Mugello Circuit – darunter zwei Beatmungsgeräte, zwei Vitaldatenmonitore und vier Monitor/Defibrillator-Einheiten – wurde dem Sanitätsbetrieb der Region Toskana übergeben. Damit konnten die Intensivstationen des «Ospedale del Mugello» in Borgo San Lorenzo und der Universitätsklinik «Careggi» in Florenz unterstützt werden.»

«Die Folgeschäden dieser Pandemie werden für die italienische Wirtschaft enorm und dramatisch sein, in jedem Bereich, auch für den Motorsport. Wir haben vor kurzem ein Interview mit dem früheren Motorrad-Weltmeister Fausto Gresini veröffentlicht. Er weiß nicht, wie lange er seine 70 Angestellten noch beschäftigen kann. Und das ist nur ein Beispiel von vielen.»

Kalender Superbike-WM 2020, Stand 24. März:

28.2.–1.3. Phillip Island/Australien
12.6.–14.6. Misano/Italien
3.7.–5.7. Donington Park/England
31.7.–2.8. Oschersleben/Deutschland
21.–23.8. Assen/Niederlande
4.9.–6.9. Portimão/Portugal
18.9.–20.9. Catalunya/Spanien
3.10.–4.10. Magny-Cours/Frankreich
9.10–11.10. San Juan/Argentinien
24.10.–25.10. Jerez/Spanien
offen Imola/Italien
offen Aragón/Spanien
offen Losail/Katar

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