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Sandro Cortese: «Mussten Yamaha-Sprungbrett schaffen»

Von Ivo Schützbach
Michel-Caspar Wieth, Fitness-Coach Chris Sanwald und Sandro Cortese (v.l.)

Michel-Caspar Wieth, Fitness-Coach Chris Sanwald und Sandro Cortese (v.l.)

Sandro Cortese hat sich in seinem neuen Leben nach dem Rennsport gut eingefunden, ein Comeback steht nach seinem schweren Sturz im August 2020 nicht mehr zur Debatte.

Es ist die natürliche Reaktion jedes Rennfahrers nach einem Crash: Er will schnellstmöglich zurück aufs Motorrad. Für Sandro Cortese war nach seinem schlimmen Sturz in Portimao am 8. August 2020 bald klar, dass dies für die Saison 2021 nicht möglich sein würde. Bei seinem Einschlag in die Begrenzungsmauer hatte er sich mehrere Brustwirbel zertrümmert und Rippen gebrochen, auch der linke Fuß wurde in Mitleidenschaft gezogen.

Es dauerte bis Anfang Oktober 2021, dass der zweifache Weltmeister (Moto3 und Supersport) in Almeria wieder auf einer Rennstrecke fuhr, damals mit einer Serien-Yamaha R7.

Sandro hat sein Leben nach dem karrierebeendenden Sturz neu geordnet. Er arbeitet seit 2021 regelmäßig als SBK-Experte für ServusTV und ist als Botschafter für Yamaha Europa in deren Nachwuchsförderung eingebunden – das Thema Rennsport-Comeback ist für ihn vom Tisch.

Vor wenigen Tagen kam der Schwabe aus dem Karibikurlaub in der Dominikanischen Republik zurück und widmet sich jetzt seinen neuen Aufgaben im IDM-Team Kiefer Racing, wo er dieses Jahr als Koordinator fungieren und Michel-Caspar Wieth (20) in der Supersport-300-Klasse bestmöglich unterstützen wird.

Kiefer setzt 2022 in der IDM Superbike zwei BMW M1000RR ein, in den beiden Supersport-Klassen 600 und 300 vertraut die Truppe aus Bad Kreuznach auf Yamaha. «Das Projekt mit Yamaha entstand erst spät, im November und Dezember. Ich bin froh, dass Jochen Kiefer die technische Leitung übernimmt, ohne ihn wäre das sehr schwierig geworden», erzählte Cortese SPEEDWEEK.com. «Wir haben uns damals darüber unterhalten, wie wir jungen Talenten die Möglichkeit zur Weiterentwicklung geben können. Viele, die im Yamaha-R3-Cup gut waren, gingen anschließend in andere Teams. Das war eigentlich nicht die Idee, dass wir die Jungen ausbilden und sie dann woanders hingehen. Deshalb mussten wir das nächste Sprungbrett schaffen.»

Yamaha bietet jungen Fahrern als einziger Hersteller die Möglichkeit, sich von den nationalen R3-Cups über den europäischen Cup bis in die Supersport-300-WM und danach in die Supersport- und Superbike-WM hochzuarbeiten. Oder über die nationalen 300er-Meisterschaften. Erfahrene Piloten wie Sandro Cortese haben ein Auge auf die Youngster und forcieren deren Entwicklung.

«Ich kümmere mich dieses Jahr speziell um Michel», verdeutlichte Cortese. «An der Strecke, in der Vorbereitung und beim Streckenrundgang. Ich schaue mir alles von ihm an, was er gut und was er schlecht macht. Ich begleite ihn so durch das gesamte Rennwochenende, dass es ihn hoffentlich so schnell wie möglich zum Erfolg führt.»

Der 32-Jährige ergänzte: «Zuerst hätte ich die Teamleitung übernehmen sollen, das wäre in der Kürze der Zeit aber nicht möglich gewesen. Ich sagte Yamaha damals, dass ich mit einem Jahr Anlaufzeit ein Team aufstellen kann, aber nicht in zwei oder drei Monaten. Ich sagte aber gleich, dass ich mir das mit Kiefer Racing vorstellen kann. Jochen war von Anfang begeistert. Also übernimmt er die technische Leitung, baut die Motorräder auf und organisiert die Mechaniker. Diese Idee gefiel auch Yamaha. Ich kann so auch noch mit einem Auge für den bLU cRU Cup tätig sein. Michel hat den Schritt aus dem bLU cRU Cup geschafft, jetzt müssen wir schauen, was die Talente dieses Jahr machen.»

Yamahas Ziel ist, nach Möglichkeiten jedes Jahr einen Deutschen und einen Niederländer aus dem bLU cRU Cup in das Kiefer-Team zu hieven. «Wie sich die Fahrer dann in der 300er-Klasse entwickeln, müssen wir schauen», so Cortese. «Michel weiß, dass er die besten Voraussetzungen hat. Trotzdem soll er jetzt erst mal fahren. Er fuhr 2020 als Gaststarter im bLU cRU Cup und letztes Jahr seine erste Saison. Er hat sich gut gemacht. Zu sagen, wo es für ihn hingehen wird, ist relativ schwierig. Wichtig für uns ist, dass er im Seriensport bleibt. Es soll nicht Richtung Moto3 gehen, das ist nicht unsere Aufgabe. Es wird eher Richtung IDM Supersport 600 oder WM 300 gehen, dafür bauen wir deutsche Talente auf.»

Yamaha ist für Kiefer Racing ein reizvoller Partner, denn der Hersteller mit den drei Stimmgabeln im Logo hat Motorräder für alle drei IDM- und WM-Klassen. Mittelfristiges Ziel für beide Parteien dürfte sein, auch in der Superbike-Klasse zusammenzuarbeiten. Denn das langjährige Yamaha-Team von Michael Galinski engagiert sich nur noch in der Superbike-WM und kooperiert dort mit BMW.


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