Jan Witteveen: «Hersteller haben Dreck am Stecken»

Von Ivo Schützbach
Superbike-WM
Jan Witteveen exklusiv, Teil 3. Der ehemalige Renndirektor von Aprilia sagt: «Das Problem beim Superbike-Racing ist, dass der Unterschied zwischen dem Produkt im Laden und auf der Rennstrecke zu groß ist.»

«Meiner Meinung ist die Kawasaki nicht regelkonform. Da wurde vieles im Nachhinein geändert und zugelassen», urteilt Jan Witteveen, ehemaliger Technischer Direktor von Aprilia (187 Grand-Prix-Siege) über das Motorrad des WM-Zweiten Tom Sykes. «Aber jeder Hersteller hat Dreck am Stecken, also reklamiert niemand etwas. Und so lange kein Protest vorliegt, wird auch nicht kontrolliert.»

«Das Problem beim Superbike-Racing ist, dass der Unterschied zwischen dem Produkt im Laden und auf der Rennstrecke zu groß ist», ergänzte der Niederländer gegenüber SPEEDWEEK.com. «Für die Serie werden gut funktionierende und kostengünstige Motorräder entwickelt. Für den Rennsport muss man das Bike dann optimieren und holt aus dem Motor 50 bis 60 PS mehr heraus. Das ist theoretisch machbar, aber damit sind dann die anderen Komponenten überfordert. Die Japaner haben das Problem, sie entwickeln ein Bike für die Straße und modifizieren es für den Rennsport. Die Basis ist also nicht konkurrenzfähig. Ducati hat es früher, wie Aprilia heute, andersherum gemacht. Die haben ein Motorrad für die Rennstrecke entwickelt und von dort eine Ableitung zum Serienbike gemacht. Es ist ein Kompromiss zwischen Kosten und Performance. Das Delta zwischen den beiden ist zu groß.»

Es war einmal: Sonntag gewinnen, Montag verkaufen

Um dieses Problem zu lösen, sieht Witteveen nur eine Lösung: mehr Seriennähe. «Die Superbike-WM muss zurück zu ihrem ursprünglichen Gedanken: Am Sonntag gewinnen und am Montag verkaufen. Heute macht das keiner mehr, das sind zwei Welten. Die Superbike-WM müsste einen Weg einschlagen wie im Superstock oder in der Supersport-WM: Tuning ist noch erlaubt, aber eben nicht so stark, vielleicht noch die Hälfte. Wenn die Leistung reduziert wird, reduziert sich auch der Aufwand beim Fahrwerk und der Elektronik.»

Einen ersten großen Schritt in diese Richtung gehen Superbike-WM Vermarkter Dorna sowie der Motorrad-Weltverband FIM mit dem technischen Reglement 2014. Dann sind zwar weiterhin waschechte Superbikes erlaubt, die sich nur noch kaum von den Prototypen der MotoGP-WM erlauben. Es werden aber auch erstmals sogenannte Evo-Bikes in der Weltmeisterschaft mitfahren: das sind Superbikes mit Motor und Elektronik nach viel günstigerem Superstock-Reglement. Viele Experten gehen davon aus, dass die Evo-Bikes das zukünftige technische Reglement der Superbike-WM vorwegnehmen. Schon 2015 könnten nur noch solche Motorräder erlaubt sein.

Die Kosten würden sinken, die Startfelder voller. Problematisch wird lediglich, alle Hersteller auf einen gleichen konkurrenzfähigen Level zu bringen. Schon jetzt sehen wir im Superstock-1000-Cup: Lediglich BMW, Ducati und Kawasaki sind siegfähig. Aprilia, Honda, KTM, Suzuki und Yamaha fahren hinterher – oder gar nicht mehr mit.

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