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Superbike WMKolumne

Ingenieur Jan Witteveen: «EBR hat keine Strategie»

EBR muss ein Motorrad bauen, das mit den Einheitsreifen in der Superbike-WM funktioniert. Ich weiß nicht, wie viel EBR über das Motorrad weiß. Ich habe den Eindruck, dass sie nur etwas anders machen wollen.

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Jan Witteveen gilt als einer der klügsten Köpfe im Fahrerlager
Jan Witteveen gilt als einer der klügsten Köpfe im Fahrerlager
Foto: Gold & Goose
Jan Witteveen gilt als einer der klügsten Köpfe im Fahrerlager
© Gold & Goose

Ich frage mich, weshalb EBR nicht nach Evo-Regeln fährt, sondern ein Werksmotorrad macht. Sie haben ein Standard-Motorrad genommen, sind damit ein bisschen in der US-Meisterschaft gefahren, nicht so schlecht, dann sind sie in die Superbike-WM gekommen.

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Es ist klar, dass sie ein Prinzip haben, dass sie originell sein sollten. Die technischen Lösungen sollten anders sein als normal – keine Umlenkung an der Hinterradfederung, die große Bremsscheibe am Vorderrad. Das Problem ist, das muss entwickelt werden. Auch wenn man daran glaubt, dass das besser sein könnte – theoretisch –, dann braucht das Entwicklungszeit. Um entwickeln zu können, brauche ich ein Motorrad, das konkurrenzfähig ist. Dann kann ich Teile austauschen und entwickeln. Wenn ich 5 oder 6 sec langsamer fahre, dann kann ich zwar entwickeln, aber...

Außerdem haben sie einen Haufen Probleme mit dem Motor: Die halten nicht und sind zu langsam. Woran das genau liegt? Das Hauptproblem ist meiner Meinung nach das Fahrwerk. In der Superbike-WM haben wir Einheitsreifen, an sie muss das Motorrad angepasst werden. Du kannst Alternativen haben, die schön oder verkaufskräftig sind, das will EBR haben. Sie vergessen dabei aber, dass die Reifen abhängig von den Lösungen sind, die da sind. Also muss ich ein Motorrad haben, das mit den Reifen funktioniert. Wenn die Reifen nicht funktionieren, dann habe ich auch keinen Schub aus der Kurve hinaus und keine Geschwindigkeit.

Hauptsache anders

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Ich weiß nicht, wie viel EBR über das Motorrad weiß. Ich habe den Eindruck, dass sie nur etwas anders machen wollen. Man muss untersuchen, wieso sich das Bike so verhält. Es ist ja keine Frage von Zehntelsekunden.

Erst müssen die Motoren standfest werden. Wenn ich keine standfesten Motoren habe, kann ich nicht entwickeln. Dann lieber mit weniger Leistung. Man muss eine Situation haben, in der man konstant fahren und Unterschiede messen kann. In Imola hat EBR vier Motoren verbraten und die waren bestimmt nicht alle gleich. Aber was können die Ingenieure an Erkenntnis rausziehen?

EBR sagt, dass sie gewusst haben, dass es schwierig ist, was ich bezweifle. Zu mir haben sie gesagt, dass sie zwei oder drei Jahre brauchen, um wettbewerbsfähig zu werden.

In Imola habe ich von EBR nur einen in der Box gesehen. Das Team kann nichts dafür, sie haben einige gute Leute. EBR muss Erfahrung sammeln und wissen, was geändert werden muss. Sie brauchen eine neue Schwinge und eine andere Aerodynamik, die Verkleidung bremst 5 km/h. Bei EBR fehlt eine Strategie.

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Wenn Erik Buell aus Prinzip an gewissen technischen Lösungen festhält, dann möchte ich als Rennchef ein separates Testteam haben mit Messgeräten. Nein, ich würde hier gar nicht fahren. Das Geld, das hier hineingesteckt wird, würde ich für einen Fahrer verwenden – zwei sind schwierig, wenn ich neue Dinge entwickle, weniger ist mehr. Ich hätte das Motorrad in Amerika entwickelt und nicht in der WM.

Der Niederländer Jan Witteveen, von 1989 bis 2005 Renndirektor bei Aprilia (187 GP-Siege), ist einer, der kein Blatt vor den Mund nimmt. Bei aller Kritik ist er stets konstruktiv und denkt im Sinne des Sports.

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