Alle verrückt? Wer rettet Ex-Champ Sylvain Guintoli?

Von Ivo Schützbach
Superbike-WM
Sylvain Guintoli sucht einen Job für 2017

Sylvain Guintoli sucht einen Job für 2017

Sylvain Guintoli sagt: «Manchmal zieht derjenige in der Disco das große Los, der bis zum Schluss auf das schüchterne hübsche Mädchen wartet.» Ob es sich mit seiner Superbike-Karriere gleich verhält, bleibt abzuwarten.

2014 war Sylvain Guintoli auf der schnellen Aprilia RSV4 Superbike-Weltmeister, der Franzose demontierte damals seinen deutlich höher gehandelten Teamkollegen Marco Melandri.

2015 zeigte Guintoli bei Honda passable Leistungen, schaffte es aber nur bei seinem Heimrennen in Magny-Cours als Dritter aufs Podium und wurde WM-Sechster.

Dieses Jahr fährt Guintoli für das neue Yamaha-Werksteam, nach einem schlimmen Sturz in Imola war der vierfache Vater aber viereinhalb Monate lang verletzt. Als im Sommer das Transferkarussell Fahrt aufnahm, stand der neunfache Superbike-WM-Laufsieger bei kaum einem Team auf dem Einkaufszettel. Alle waren unsicher, wie er sich von seinen Verletzungen erholen würde.

Mit Platz 5 meldete sich Guintoli auf dem Lausitzring eindrucksvoll zurück. Doch schon vor dem deutschen WM-Event war klar, dass ihm Yamaha für 2017 den elf Jahre jüngeren Michael van der Mark vorzieht.

Nur noch zwei WM-Teams können dem 34-Jährigen für kommende Saison gutes Material anbieten – und das vorerst auch nur theoretisch. MV Agusta träumt davon, zwei Werks-F4RR einzusetzen und neben Leon Camier Sylvain Guintoli zu verpflichten. Finanziell gesichert ist noch nicht mal ein Motorrad.

IodaRacing ist die zweite Möglichkeit, doch bislang hat Teameigentümer Giampiero Sacchi das Budget nicht beisammen. Es steht auch nicht fest, ob er mit Aprilia weitermachen würde oder zu BMW wechselt.

Geht keiner dieser Pläne auf, wird Guintoli in die Britische Superbike-Meisterschaft wechseln.

In Magny-Cours brachte Guintoli SPEEDWEEK.com auf den neuesten Stand.

Sylvain, MV Agusta hat bislang kein gesichertes Budget für 2017, verhandelt aber mit dir?

Ihr Programm steht noch nicht, sie haben noch nichts entschieden.

Mit IodaRaciung verhält es sich gleich?

Ich rede mit Giampiero Sacchi, aber ja, die gleiche Story wie bei MV.

Hast du dir eine persönliche Deadline gesetzt, bis wann du dich entscheidest?

Ich will mich bald entscheiden – auch wenn ich keinen besonderen Zeitdruck habe. Ich bin immer noch dabei herauszufinden, welche meiner Möglichkeiten die beste ist.

Du wirst auch mit Tyco BMW in der Britischen Superbike-Meisterschaft in Verbindung gebracht. Wäre dieses Team deine erste Wahl?

In BSB rede ich mit vielen Teams. Dort ist die Leistungsdichte sehr hoch, viele Teams sind attraktiv, auf vielen Motorrädern kann man gewinnen.

Bislang hat kein Topteam dort Fahrer unter Vertrag genommen.

Letztes Jahr haben wir gesehen, wie Leon Haslam das letzte Rennen gewann, WM-Vierter wurde und keinen WM-Platz für 2016 fand. Jetzt stehst du als ehemaliger Weltmeister ohne Job da, ebenso der aktuelle WM-Sechste Davide Giugliano. Was läuft schief?

Ich weiß nicht, ob etwas schief läuft. Diese Meisterschaft ist voller guter Fahrer und es gibt kaum gute Plätze. Die guten Fahrer wollen gute Motorräder. Ich weiß, dass ich an der Spitze kämpfen kann, ich finde im Moment aber kein konkurrenzfähiges Paket.

Vergiss mal, dass wir über dich reden. Wenn wir den MotoGP-Weltmeister von vor zwei Jahren nehmen, dann ist es unvorstellbar, dass er für 2017 keinen guten Platz findet. So etwas gibt es nur in der Superbike-WM.

Noch schaue ich, es steht noch nicht fest, dass ich nächstes Jahr nicht mehr hier sein werde.

Okay, aber die Topteams sind alle besetzt.

Du hast Recht. Es gibt mehr gute Fahrer als gute Bikes. Es ist aber noch nicht aller Tage Abend, es gibt noch ein paar Plätze.

Welche Rolle spielen dein Alter und die Tatsache, dass du Geld verdienen willst und nicht Geld mitbringst?

Alles hängt zusammen. Was ich in ein Team mitbringe, sind meine Erfahrung und mein Fahrkönnen. Es ist noch keine zwei Jahre her, da wurde ich Weltmeister.

Letztes Jahr war die Honda deutlich weniger konkurrenzfähig, als sie es dieses Jahr ist. Das ist kein Geheimnis.

Für dieses Jahr habe ich für ein neues Projekt unterschrieben, das gut begann. Dann verletzte ich mich schwer. Wenn du keine Rennen fährst und es Fragen zu deiner Gesundheit gibt, dann bist du nicht in der besten Position, um einen guten Vertrag für die nächste Saison abzuschließen.

So ist die Situation – ich bin deshalb aber nicht in Panik. Meine Rückkehr auf dem Lausitzring war sehr positiv, ich machte dort weiter, wo ich aufgehört habe.

Du warst deinem Teamkollegen Alex Lowes vor deinem Sturz öfters voraus. Doch Yamaha entschied mit ihm 2017 weiterzumachen, und statt dir Michael van der Mark zu verpflichten – zwei deutlich jüngere Fahrer. Verstehst du das?

Sie haben bei Yamaha die Philosophie geändert, dagegen kann ich nichts machen. Wenn so etwas passiert, musst du auf Plan B umschalten.

Ich bin immer noch sehr konkurrenzfähig, dieses und letztes Jahr saß ich auf Motorrädern, die nicht siegfähig waren und sind. Ich hatte immer schnelle Teamkollegen und kam mit ihnen klar.

Ich habe meinen Job erledigt, auf die Politik habe ich keinen Einfluss. Außerdem: Bis zu meinem Comeback auf dem Lausitzring wusste niemand, ob ich fit sein würde oder ob ich nach dem Sturz körperlich und/oder mental zerstört bin.

Ist das Interesse an dir seither gestiegen?

Das Interesse war schon vorher da, die Teammanager waren aber reserviert. Ich verstehe das, der Sturz war brutal, danach war ich fast fünf Monate außer Gefecht. Ich tat mir sehr weh und die Leute fragten sich, weshalb ich so lange ausfiel. Nach so einem Sturz gibt es immer jede Menge Fragezeichen. Doch jetzt bin ich wieder gesund, alles ist bestens.

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