Speedway World League: Wie Wolfslake betrogen wurde

Von Jan Sievers
Speedway
Mit diesem Stadion wird für die Speedway World League geworben

Mit diesem Stadion wird für die Speedway World League geworben

Drei Tage vor der Speedway World League sagte der Motorrad-Weltverband FIM das Rennen ab, Wolfslake erfuhr dies aus der Pressemitteilung. Promoter Team Player Management blamiert sich sondergleichen.

Bereits im Kindergarten lernten die Halbstarken schnell, dass beim Hinterlassen von Chaos im Spielzimmer vor den Erziehern den Kleineren und Schwächeren der schwarze Peter zugeschoben werden kann.

Wer von den Jüngsten die Älteren in die Pfanne haute, bekam später ein paar Backpfeifen und lernte dadurch schnell den Mund zu halten und die Schuld auf sich zu nehmen. Man will sich das Leben ja nicht unnötig schwer machen.

An Kindergarten fühlt man sich beim Thema World Speedway League erinnert. Der neue Promoter des erst drei Jahre alten Wettbewerbs, die polnische Firma Team Player Management, wollte mit einem großen Knall sein Können beim Champions-League-Finale des Speedway-Sports am Samstag in Wolfslake unter Beweis stellen und den Beginn seines 10-Jahres-Vertrags für die Rechte der WSL feiern. Vor den Toren Berlins sollten die Meister aus Schweden, Dänemark, Polen und England um die Krone der weltbesten Mannschaft kämpfen. Ganze drei Tage vorher wurde das Rennen am Mittwoch mittels kurzer Pressemitteilung abgesagt. Das Stadion in Wolfslake entspräche nicht den FIM-Kriterien, heißt es lapidar.

In bester Kleinkind-Schulhofmanier wurde dem kleinen Verein Wolfslake die Schuld in die Schuhe geschoben. Und wie es sich für die auf dem Pausengelände zwischen den Unterrichtsstunden Gefürchtetsten gehört, wurde Wolfslake von ihnen nicht selbst verpetzt, sondern vom Weltverband FIM. Die FIM hat die Rechte verkauft und musste den Täter präsentieren.

Die Hintergründe

Am 6. April 2016 wurde die Bahn in Wolfslake vom FIM-Delegierten Mick Bates abgenommen. Der Engländer stellte einige wenige Mängel fest, die bereits behoben sind oder noch schnell zu beheben gewesen wären, bis zum Rennbeginn am Samstag.

An den Airfences waren Schnallen abgerissen, die Flutlichtmasten waren zum Zeitpunkt der Inspektion nicht FIM-konform gesichert und ein roter Strich an der Bande fehlte. Alles Dinge, die mit einem kurzfristigen Arbeitseinsatz behoben gewesen wären. Aus sicherheitstechnischer Sicht ist die Absage ein Hohn.

Dass der Eichenring in Wolfslake kein Speedway-Tempel wie die Motoarena in Thorn ist, war jedem vorher klar. Es gibt keine VIP-Lounges und weitere Annehmlichkeiten. VIP-Bereiche hätte man auch nicht innerhalb von drei Tagen bauen können. Aber kleine Löcher in der Bande flicken und rote Farbe aufmalen ist keine Sache von Tagen, sondern von wenigen Stunden.

Wochenlang schuftete das Team aus Wolfslake, um im Rahmen ihrer Möglichkeiten ein würdiges Umfeld für den Event zu schaffen, nun stehen sie als Schuldige am Pranger. Auch die FIM erscheint unnötig im schlechten Licht, wenn der Rechteinhaber aus noch unbekannten Gründen das Rennen kurz vor Startschuss absagt.

Der Bundesliga-Verein muss sich ziemlich verarscht vorkommen, er erfuhr von der Absage wie alle anderen aus der zweizeiligen Pressemitteilung. Genau so betrogen wurden die Fans. Nicht wenige haben Flüge, Zugtickets oder eine Fähre aus Skandinavien sowie ein Hotel gebucht. Das alles können sie nun entweder in den Ofen hauen – oder statt Speedway zu schauen, die zahlreichen Sehenswürdigkeiten der deutschen Hauptstadt besichtigen.

Irreführendes Werbekonzept

Über die wahren Gründe der Absage kann ohne Statement des Promoters Team Player Management nur spekuliert werden. Außer Frage steht das irreführende Werbekonzept des Vermarkters. Stellen sie sich vor, die UEFA würde das Finale der Champions League in Mailand bewerben. In Werbevideos vor der Mailänder Scala würden Ronaldo und Co. vom Finale schwärmen. Im Internet würde auf Plakaten mit dem Giuseppe Meazza Stadion geworben. Stattdessen fände das Finale allerdings in einem dörflichen Vorort von Mailand statt, mit gefühlt zehn Häusern, in dem es nahezu unmöglich ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln hinzukommen und von dem kaum ein Taxifahrer am Flughafen je gehört hat. Das Stadion wäre anstatt dem größten Stadion Italiens bloß der Bolzplatz der Kreisklasse – mit Zuschauerwällen, allerdings ohne Sitzplätze.

Würden Sie sich verschaukelt vorkommen? Was würden Sie denken, wenn das Champions-League-Finale dann drei Tage vor Anpfiff abgesagt wird, weil die Eckfahnen zu kurz sind und die Auswechselbank anstatt mit Sitzpolstern lediglich mit Hartholzlatten bestückt ist? Klingt lächerlich, ist aber so bei der WSL eben passiert.

Für den Verein in Wolfslake ist die Absage nur schade, für die Fans, die ihre Reise dorthin bereits gebucht haben, extrem bitter.

Dennoch will der Promoter an Wolfslake festhalten. In Kürze finden Gespräche zwischen beiden Parteien statt, um über einen Nachholtermin in Wolfslake in diesem Jahr zu sprechen. Die bereits gekauften Karten behalten ihre Gültigkeit, Flug- und Zugtickets allerdings nicht.

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