Formel 1: Selbst Nico Hülkenberg war überrascht

Martin Smolinski bekam nicht mal eine Fernsehminute

Von Ivo Schützbach
Deutschlands einziger Speedway-GP-Fahrer Martin Smolinski hat sich 2014 redlich um eine gute Vermarktung bemüht – WM-Promoter BSI war dabei nicht eben hilfreich.

Zum ersten Mal seit der Einführung des Speedway-GP 1995 hatte Deutschland 2014 mit Martin Smolinski einen Fixstarter. Zum ersten Mal seit Gerd Riss 1993 hatten wir einen Fahrer, der in den Top-16 der Welt mitmischte und den Saisonauftakt in Neuseeland sensationell gewann.

Smolinski wusste, dass sein GP-Start unter Umständen eine einmalige Chance ist, entsprechend wollte er sich bestmöglich vermarkten. Um das zu tun, braucht ein Rennfahrer Fernsehen.

GP-Vermarkter BSI hatte für 2014 einen Vertrag mit dem deutschen TV-Sender Sport1, aufgrund von Umstrukturierungen und verzwickten Vertragssituationen sahen wir aber keine Rennen.

Smolinski versuchte daraufhin eigenhändig etwas auf die Beine zu stellen, bis ihn BSI zurückpfiff und auf bestehende Verträge mit Sport1 verwies. Der Vertrag war da, gesendet wurde nichts – für den Olchinger der GAU.

Seit vergangenem Dienstag ist klar, dass 2014 tatsächlich die vorderhand einzige GP-Saison des WM-Zwölften war, für 2015 konnte er sich nicht aus eigener Kraft qualifizieren und bekam auch keine der vier Dauer-Wildcards.

SPEEDWEEK.com rollte das Thema Fernsehen mit Martin Smolinski noch einmal auf.

Was hat dir der Speedway-GP gebracht: Finanziell, Werbepartner, Medien?

Ende des letzten Jahres hat es mir das Meiste gebracht, als bekannt wurde, dass ich im Speedway-GP bin. Von der Vermarktung her... Ich habe eine gute Resonanz auf meiner Homepage. Finanziell hat es sehr wenig gebracht, weil die Kostenwalze, die vor einem herläuft, man ist mit sechs Mann drei vier Tage unterwegs, Hotel, Reisekosten Spesen, da fahre ich mit Rennen in Deutschland besser.

Mir fehlte ein Hauptsponsor, ich muss mich an dieser Stelle aber ganz herzlich bei meinen Sponsoren bedanken, die ihr bestmögliches machen und voll hinter mir stehen. Und auch mein gesamtes Team, wir arbeiten Tag und Nacht, um den Sport wieder dahin zu bekommen, wo er zu Egon Müllers Zeiten in den 1970er- und 80er-Jahren war. Damals ging auch Sponsorentechnisch etwas vorwärts.

Mein Hauptproblem: Der Sport kommt nicht im deutschen Fernsehen. Ich hatte keine Möglichkeit, diverse Grand-Prix-Highlights zu vermarkten, weil ich keine Fernsehminuten von BSI bekam.

Was mir persönlich etwas bringt, sind Berichte in Bayern. Ich bin einer der herausragenden bayerischen Motorsportler. Es gibt ja nicht viele, den Markus Reiterberger, Max Nagl, Stefan Bradl, die sind alle Bayern. Der Kontakt zu den Fernsehsendern ist da, aber ohne Material kann ich nicht hausieren gehen. Jeder Regionalsender würde mich sofort einladen, sie brauchen aber Highlights vom Grand Prix.

Woran klemmte das? Du hast BSI nach TV-Material gefragt und nichts bekommen?

Wir haben nie etwas bekommen. Woran es klemmt, weiß ich nicht. Wir haben momentan auch eine Anfrage von Wallauer Pictures laufen, der den Kinofilm über mich gedreht hat. Wir hätten gerne eine Minute Highlights von Neuseeland, aber auch er als TV- und Kinoproduzent hat Schwierigkeiten, dieses Material zu bekommen.

BSI argumentiert, dass es nicht auf Dauer ihr Ziel sein kann, Fernsehbilder zu verschenken, sie wollen damit Geld verdienen.

Ich rede ja nicht von umsonst bekommen, wir haben Geld angeboten. Wallauer Pictures würde Geld in die Hand nehmen, weil sie die eine Minute Highlights für den Film brauchen. Ich hätte sie für mich selbst auch gerne, dafür würde ich auch Geld investieren – eine Minute kann nicht so teuer sein. Von einer Veranstaltung, die ein halbes Jahr her ist. Wenn man das nicht kriegen kann...

Ich brauche das Fernsehen, um weiterzuarbeiten. In Deutschland ist Speedway Randsportart. In Dänemark wurde Nicki Pedersen Sportler des Jahres, bei uns hat sich selbst ein Michael Schumacher schwer getan, das zu werden. Das sagt alles. Ich wäre ja schon froh, wenn ich regional mit dem Fernsehen arbeiten könnte, wie TV München. Sie sagen mir immer, dass es ohne gescheites Material wenig Sinn hat.

Bekamst du von BSI immer Absagen oder gar keine Antworten?

Ich bekam keine Zu- oder Absage, sondern immer nur zu hören, dass wenn sie wieder im Büro sind, ich eine Info bekomme.

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