Can Öncü: «Kenan ist der König des Motorsports»

Von Maximilian Wendl
Supersport-WM
Der erst 16-jährige Can Öncü bestreitet 2020 für das Team Turkish Kawasaki seine erste Saison in der Supersport-WM. Im Interview mit SPEEDWEEK.com spricht er über seinen Werdegang und Zukunftspläne.

Mit seinem traumhaften Debüt in der Moto3-Weltmeisterschaft schrieb Can Öncü im November 2018 in Valencia Geschichte, als er im Team Red Bull KTM Ajo zum jüngsten Grand-Prix-Sieger wurde. Er war damals erst 15 Jahre und 115 Tage alt. Can Öncü war außerdem der erste Türke, der ein Moto3-Rennen gewann und der erste Fahrer seit 1991, der bei seinem Debüt triumphierte.

Nach einer vollen Moto3-Saison 2019, in welcher er es nur dreimal in die Punkte schaffte und mit acht Zählern lediglich WM-31. wurde, stieg er in die Supersport-WM um. Dort fährt er dieses Jahr für das Team Turkish Kawasaki, eine Kooperation zwischen den Teams Orelac und Puccetti.

SPEEDWEEK.com sprach mit dem 16-jährigen Talent.

Can, wie hast du die Corona-Zwangspause in deiner Heimat verbracht?

Ich habe ein bisschen Computer gespielt, Serien auf Netflix geschaut und gemeinsam mit meinem Bruder trainiert.

Kenan Sofuoglu, dein Manager und frühere Supersport-Weltmeister, hatte großen Einfluss auf den Motorradsport in der Türkei. Ist das Interesse noch weiter gestiegen, seitdem du, dein Bruder Deniz und Toprak Razgatlioglu in Weltmeisterschaften um Punkte kämpfen?

Kenan ist der König des Motorsports in der Türkei. Von der älteren Generation kennt ihn jeder. Seitdem wir junge Fahrer mit unseren Karrieren begonnen haben, ist das Interesse noch einmal gestiegen.

Du bist von der Moto3- in die Supersport-Weltmeisterschaft gewechselt. Was sind die größten Unterschiede?

Alles ist anders. Ein Moto3-Motorrad ist leicht, das 600er-Bike kommt dagegen dem Straßenmotorrad sehr nahe. Es gibt viele Unterschiede und deshalb ist es schwierig, die beiden Motorräder zu vergleichen. Eine Supersport-Maschine hat mehr Power, man muss den Fahrstil und den Bremsvorgang anpassen.

Die Idee deines Managers lautet, dass du 2021 in der Supersport-Klasse um den Titel kämpfen sollst. Danach würde er dich gerne in der Moto2-WM platzieren. Ist das auch dein Plan?

Ja, wir haben diesen Plan gemeinsam ausgearbeitet. Unser erstes Ziel ist, in der Supersport-Serie Fuß zu fassen und gute Ergebnisse einzufahren. Wir denken im Moment nur an diese Saison, danach schauen wir weiter. Wenn ich mich gut zurechtfinde, dann haben wir die Möglichkeit, eine Entscheidung für die Zukunft zu treffen. Ich könnte in die Superbike-WM, aber auch in die Moto2-Klasse wechseln.

Welche Erinnerungen hast du an den Rennsieg in Valencia, der dich 2018 zum jüngsten GP-Sieger gemacht hat?

Es war verrückt. Die spanischen Fans sind aufgestanden, haben geklatscht und sich mit mir gefreut. Das war ein schönes Gefühl und ich war sehr glücklich. Das ist eine der schönsten Erinnerungen meines Lebens.

War der Sieg in Spanien, der dich über Nacht ins Rampenlicht befördert hat, schädlich für deinen weiteren Karriereweg?

Das kann schon sein. Durch den Sieg war die Saison 2019 wirklich schwierig für mich. Jeder hat von mir so viel erwartet. Es gab Druck von allen Seiten, das fand ich nicht in Ordnung. Im Team war auch nicht alles in Ordnung und jetzt komme ich Schritt für Schritt wieder zurück.

Was hältst du von deinem Landsmann Toprak Razgatlioglu?

Er ist ein lustiger Typ. Wir verbringen viel Zeit miteinander und trainieren auch gemeinsam. Er ist großartig. Ich genieße die Zeit mit Toprak. Für mich ist er ein zukünftiger Superbike-Weltmeister.

Dein Manager Sofuoglu hat dich und deinen Bruder überredet, euch auf den Straßensport zu fokussieren. Wie hat er das angestellt?

Er sagte, er könne uns nicht helfen, wenn wir zum Motocross gehen. Anders ist das beim Straßenrennsport, da hat er selbst fünf WM-Titel gewonnen und kann uns Tipps geben. Außerdem hat er dort ein großes Netzwerk.

Du konntest das erste Rennen in Australien, das vor der Corona-Unterbrechung stattfand, als Elfter beenden. Welche Lehren ziehst du daraus?

Der Auftakt war schwierig. Physisch war ich schon recht fit, aber das Motorrad ist so anders im Vergleich zum Moto3-Bike. Ich bin zum ersten Mal so viele Runden in einem Rennen gefahren. Die Reifen gingen schneller kaputt und wir haben beim Pflichtstopp in der Boxengasse etwa sechs Sekunden verloren. Wenn wir die Zeit nicht verloren hätten, wäre ich vielleicht Achter oder Neunter geworden. Aber es hat trotzdem Spaß gemacht, das haben auch viele Fans und Freunde danach gesagt. In meinem ersten Rennen in der 600er-Klasse habe ich einen ordentlichen Job erledigt. Wir waren in den freien Trainings vorne mit dabei und haben gezeigt, dass wir mithalten können. Ich habe ein gutes Gefühl, aber ich muss mehr Runden drehen, um mich an das Motorrad zu gewöhnen und es zu kontrollieren.

Wenn du dir deinen weiteren Karrierepfad anfertigen dürftest, wie würde er aussehen?

Die verkürzte Saison wollen wir so gut wie möglich abschließen, um zu zeigen, dass ich zu alter Stärke zurückgefunden habe. Im Jahr 2021 will ich einen großen Schritt machen. Vielleicht gelingt es mir sogar, Supersport-Weltmeister zu werden. Wenn es mir gelingen würde, eines Tages MotoGP- oder Superbike-Weltmeister zu werden, würde ein Traum in Erfüllung gehen. Mein Ziel ist, den MotoGP-Titel zu holen.

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