Anthony West (34) ist bei allen Managern unten durch

Von Ivo Schützbach
Supersport-WM
Anthony West sieht sich in der Opferrolle

Anthony West sieht sich in der Opferrolle

Kaum ein anderer Fahrer hat so oft das Team und die Meisterschaft gewechselt wie Anthony West. An Talent und Speed mangelte es dem Australier nie – aber am richtigen Geschäftsgebaren.

Im Grand-Prix-Fahrerlager fand Anthony West für 2016 keinen Platz, in der Endurance-WM blitzte er ebenfalls ab, in der Superbike- oder Supersport-WM wäre er nur mit Mitgift willkommen gewesen. Obwohl es ihm nicht an Speed mangelt, wie er mit seinem dritten Platz auf Phillip Island in der 600er-Klasse bewies.

«Irgendwie muss ich im Rennsport bleiben», verdeutlichte West gegenüber SPEEDWEEK.com. «Mir ist nur wichtig, dass ich eine Chance habe zu gewinnen, egal in welcher Meisterschaft. Ich werde dieses Jahr wohl die Asien-Meisterschaft fahren. Zwei Wildcard-Einsätze in der Supersport-WM in Europa sind angedacht, dazu Wildcards in der Britischen Meisterschaft. In Donington, Silverstone und Assen, auf Strecken die ich kenne. Vielleicht noch zwei Rennen in den USA. Ich will mich überall zeigen und versuchen gute Resultate zu erobern. 2017 würde ich gerne Superbike-WM fahren.»

Dass er in diese joblose Situation gelangte, liegt an jahrelangem persönlichem Missmanagement. Der 34-Jährige selbst sieht sich lieber in der Opferrolle: «Ich habe keinen Manager, das verkompliziert alles. In meinem Jahr mit Kawasaki habe ich gutes Geld verdient. Dann habe ich mir aber ein teures Motorhome gekauft, ich ging davon aus, dass ich das die kommenden fünf oder sechs Jahren nützen kann. Dann haben sie im GP-Sport aber die Regeln geändert, ich musste das Motorhome verkaufen und machte dabei viel Geld kaputt. Und mein Manager nahm mir viel Geld ab. Im Jahr darauf bekam ich von Stiggy nur die Hälfte des ausgemachten Gehalts. Dann ging ich zu MZ, sie haben mir so gut wie nichts bezahlt. Ich lebte von dem wenigen Geld, das ich über die Jahre gespart hatte und überlebte grade so. Ich stotterte immer so viel Geld zusammen, dass ich grade so über das Jahr kam.»

West weiter: «Ich habe in meiner Rennkarriere ungefähr sieben Manager probiert. Die Kunst besteht darin, einen guten zu finden. Mit keinem lief es zufriedenstellend. Als ich zu MZ ging, hatte ich mit Murph einen guten Manager – er endete als mein Chefmechaniker und hatte keine Zeit mehr, mich zu managen. Nach dem Jahr mit MZ hatte er von Racing die Nase voll und ging zurück nach Amerika. Jetzt versucht mir der Chef des Tribeca-Teams zu helfen, er meldet sich bei anderen Teams und Sponsoren und versucht einen Platz für mich zu finden. Es ist aber zu spät in der Saison, alle Plätze sind belegt. Und ich höre immer wieder das Gleiche: Dass ich gratis fahren kann oder Geld mitbringen muss. Sogar in Supersport. Wie soll ich gegen gute Fahrer wie Krummenacher mithalten, die Geld mitbringen? Ich muss fahren, was sich mir bietet, muss dauernd die Motorräder und Teams wechseln, das macht es schwierig. Deshalb waren meine Resultate die letzten Jahre auch nicht berauschend.»

«Ich bin nicht gut darin, Deals mit Sponsoren abzuschließen», weiß West. «Ich konzentriere mich lieber auf das Fahren und Training. Ich bin etwas schüchtern, mit Teams und Sponsoren zu reden fällt mir nicht leicht.»

Die letzten 15 Jahre hat Anthony West mit mehreren bekannten Managern zusammengearbeitet. Nicht alle haben ihn über den Tisch gezogen, wie er es gerne darstellt. Es war auch viel Unvermögen seinerseits dabei.

Nur drei Beispiele

2002 boten Kenny Roberts und Chuck Aksland West eine sechsstellige Summe plus die Freiheit einen Bekleidungsdeal abzuschließen an. Es wurde ein 500er-Test vereinbart, dann hätte es losgehen können. Das war am Wochenende des Portugal-GP.

Auf dem Weg zum Hotel erhielt Anthony einen Anruf von seinem Vater. Dieser teilte seinem damaligen Manager Andy Leuthe mit, dass er ihm nicht mehr erlaube seinen Sohn zu vertreten, ab sofort sei Mick Doohan dafür zuständig.

Roberts und Aksland wunderten sich darüber, dass West diese Chance sausen lies. Als sie im darauffolgenden Winter von Doohan angerufen wurden, der seinen Schützling Anthony West bei ihnen unterbringen wollte, war die Verwunderung längst in Belustigung umgeschlagen.

Aksland antwortete Doohan damals, dass er von West nichts mehr wissen will, weil er seinen gültigen Managervertrag mit Leuthe nicht respektiert. Aksland, der heute unter anderen Superbike-Weltmeister Jonathan Rea geschäftlich vertritt, stellte schon damals fest, dass «Ant» nicht das persönliche Format und Benehmen eines zukünftigen Werksfahrers habe.

Tech3-Chef Hervé Poncharal bemerkte einmal, dass West ja nicht einmal in der Lage wäre ihn im Fahrerlager zu grüßen. Auch der Franzose bemängelte die Persönlichkeit des Australiers.

Schon 2002 hatte West ein Aprilia-Angebot für die Superbike-WM mit guter Gage, er meinte damals aber, dass diese Meisterschaft unter seinem Level liegen würde.

Chancen hatte Anthony West viele.

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