WRC

Fazit Argentinien: Das Duell entwickelt sich

Von Christian Schön - 02.05.2017 12:36

Hyundai-Pilot Thierry Neuville hat jetzt zwei Siege auf dem Konto. Der Abstand zu Tabellenführer Sébastien Ogier schmilzt. Ein anderer Favorit ist dagegen endgültig aus dem Titelrennen raus.

Kris Meeke macht kein Geheimnis daraus, dass Colin McRae sein Idol ist. Der unvergessene Schotte, 1995 mit Subaru Weltmeister und 2007 bei einem Hubschrauber-Absturz ums Leben gekommen, unterstützte Meeke in den Anfängen seiner Karriere. So etwas verbindet.

Meeke hat einen ähnlich spektakulären Fahrstil wie McRae. Und im Wettbewerb einen weitgehend digitalen Ansatz: Entweder Sieg oder Ausfall! Auch zwei Unfälle im Verlauf einer einzigen Rallye, wie es Meeke am vergangenen Wochenende zelebriert hat, waren McRae nicht fremd. Trotz aller Unfälle ist McRae dann doch noch Weltmeister geworden und hat insgesamt 25 WM-Läufe gewonnen.

Ich bezweifle, dass Meeke das auch noch schafft. Dazu sind die Parallelen zwischen dem Altmeister und seinem einstigen Zögling zu oberflächlich. McRae feierte seinen ersten WM-Sieg (Neuseeland 1993) praktisch zeitgleich mit seinem 25. Geburtstag. Meeke war bereits 35, als er seinen ersten WM-Lauf gewann (Argentinien 2015). McRae wurde zwei Jahre nach seinem ersten Sieg Weltmeister.

Davon kann Meeke in der Saison 2017 – also zwei Jahre nach seinem Premierensieg – nicht einmal mehr träumen. «Den Titel muss ich abhaken. Für mich geht es ab sofort nur noch um Einzelsiege», lautete Meekes selbstkritische Erkenntnis nach der Pleite von Argentinien.

Bei aller Schelte für Meeke darf man aber auch nicht vergessen, dass Citroën offensichtlich ein grundsätzliches Problem hat. Der C3 WRC gibt nicht nur Meeke in Sachen Fahrverhalten gelegentlich Rätsel auf. Dessen Kommentar während der Rallye Schweden «Das Auto ist unfahrbar.» lässt tief blicken.

Auch Meekes Unfälle in Argentinien, plus das im fünften Gang feststeckende Getriebe bei Teamkollege Craig Breen nach einer harten Landung, sind zumindest teilweise den Schwächen des C3 WRC zuzuschreiben. In Mexiko hätte eine unerwartete Reaktion seines Auto Meeke beinahe wenige Meter vor dem Ziel den Sieg gekostet.

Was es nicht viel besser macht. Immerhin war es eben dieser Kris Meeke, der das 2017er Citroën World Rally Car während des gesamten Jahres 2016 über Tausende von Testkilometern prügelte. Um ihm genau diese Macken auszutreiben. Nach fünf Rallyes ist Citroën Letzter in der Markenwertung – eine Katastrophe für das Team des neunmaligen Weltmeisters Sébastien Loeb.

Die Kollegen von Hyundai haben diesen Job deutlich besser erledigt. Obwohl man – anders als Citroën – 2016 keine WM-Pause einlegte und stattdessen parallel zu den regulären Einsätzen sogar noch einen R5-Boliden entwickelte.

Der Sieg von Thierry Neuville in Argentinien hat erneut unterstrichen: Der i20 WRC ist derzeit das Maß der Dinge. Ohne die Fahrfehler des Belgiers in Monte Carlo und Schweden hätte die koreanische Marke womöglich schon vier Siege auf dem Konto – bei bisher fünf Rallyes.

Dass Neuville in Argentinien bis zur letzten Prüfung brauchte, um als erster Fahrer in der laufenden Saison zum zweiten Mal zu gewinnen, ist in erster Linie dem Reglement zuzuschreiben. Bei allem Respekt vor Elfyn Evans und den Qualitäten der in den kühlen Temperaturen des südamerikanischen Winters offenbar ausgezeichnet funktionierenden DMack-Reifen: Ohne den Vorteil der Startposition neun – Neuville startete als Dritter – hätte der Ford-Pilot während der ersten Etappe kaum einen Vorsprung von fast einer Minute herausfahren können.

Als zur zweiten Etappe die Startreihenfolge neu sortiert wurde, waren Evans und Neuville nur noch durch den ebenfalls erstaunlich starken Ford-Privatfahrer Mads Østberg getrennt. Sie fuhren also unter weitgehend identischen Streckenbedingungen. Evans war immer noch einer der Schnellsten, keine Frage. Aber gegen die Aufholjagd von Neuville war der Mann aus Wales letztendlich machtlos.

«Natürlich ist es frustrierend, den möglichen ersten WM-Sieg auf diese Weise zu verlieren», sagte Evans nach dem drittknappsten Ergebnis der WM-Geschichte. «Aber ich habe gezeigt, was ich erreichen kann, wenn die Bedingungen stimmen.»

Neuville schaffte sogar das Kunststück, mit vor dem WP-Start schon ziemlich abgefahrenen Reifen auch noch die abschließende Powerstage zu gewinnen und weitere fünf WM-Punkte zu holen. Damit liegt der Belgier jetzt nur noch 18 WM-Zähler hinter Tabellenführer Sébastien Ogier, der mit Rang vier alles andere als glücklich war. «Thierry ist eine größere Gefahr als Jari-Matti», ist dem Weltmeister klar.

Zwar ist Toyota-Pilot Latvala immer noch Tabellenzweiter. Nach den überraschenden Ergebnissen vom Saisonanfang – Rang zwei in Monte Carlo, Sieg in Schweden – ist die japanische Marke aber längst auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt worden. Der Yaris WRC dürfte etwa auf dem Niveau des Fiesta WRC liegen, der vom britischen Privatteam M-Sport weitgehend in Eigenregie entwickelt wurde. Beide hinken deutlich hinter Hyundai hinterher.

Dass der vom überlegenen Team Volkswagen kommende Ogier mit dieser Situation alles andere als glücklich ist, liegt auf der Hand. Erschwerend kam in Argentinien hinzu, dass er erstmals von Teamkollege Ott Tänak geschlagen wurde. Entsprechend angefressen war der Champion.

Allerdings machte er wieder einmal das Beste daraus und betrieb Schadensbegrenzung. Weil er vor JAri-Matti Latvala ins Ziel kam, baute er seine Tabellenführung sogar geringfügig um drei Punkte aus. «Genau wegen dieser Cleverness ist er schon vier Mal Weltmeister», analysierte Ex-WM-Pilot Matthew Wilson, in Argentinien wie gewohnt als Kommentator für Red Bull TV im Einsatz.

Wie man ein nicht ganz optimal arbeitendes Auto ins Ziel bringt, hat sich Sébastien Ogier jedenfalls nicht bei Colin McRae abgeschaut.

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