Ogier: «Ich möchte die alleinige Tabellenführung»

Von Toni Hoffmann
WRC

Dreifacher Rallye-Deutschland-Sieger Sébastien Ogier will am Steuer des Fiesta WRC die alleinige Führung in der Fahrerweltmeisterschaft zurück erobern.

Die Rallye-Welt blickt am kommenden Wochenende auf Deutschlands Südwesten: Lauf zehn der diesjährigen Rallye-Weltmeisterschaft sorgt von Donnerstag bis Sonntag zwischen Saarbrücken und Trier für ein Motorsportspektakel der Spitzenklasse. Ford fiebert dem Asphalt-Höhepunkt der Saison mit großen Erwartungen entgegen. Mit den vierfachen Weltmeistern Sébastien Ogier/Julien Ingrassia reist eine Fiesta WRC-Crew als Tabellenführer an. Seit 2010 konnten die beiden Titelverteidiger die Rallye Deutschland bereits drei Mal für sich entscheiden. Zugleich liegt ihr Team M-Sport Ford nach zwei Dritteln einer der am härtesten umkämpften Rallye-WM-Saisons aller Zeiten in der Herstellerwertung mit 285  Punkten klar auf Platz eins.

Aus Sicht von Ford ist die Rallye Deutschland ohnehin ein Heimspiel: Kein anderer WM-Lauf findet näher am Geburtsort des Ford Fiesta statt. Zwischen dem neuen Start- und Zielort am Bostalsee und der Halle Y im Werk Köln-Niehl liegen kaum 200 Kilometer. Der große Bruder des erfolgreichen Kleinwagen, der Ford Focus, läuft im gut 60  Kilometer entfernten Saarlouis vom Band. Dennoch verbindet das Team

M-Sport, verantwortlich für die Entwicklung und den Einsatz des World Rally Car auf Fiesta-Basis, so etwas wie eine Hassliebe mit der anspruchsvollen Asphaltveranstaltung: Für die Mannschaft von Malcolm Wilson ist es der einzige WM Event, den die Briten noch nie gewinnen konnten. Entsprechend scharf brennt der Ehrgeiz, diese Scharte in diesem Jahr endlich auszuwetzen.

Wilson: «Deutschland nicht gut zu uns»

«Die Rallye Deutschland war in der Vergangenheit nicht sehr nett zu uns - als einzigen konnten wir diesen WM-Lauf noch nie gewinnen. Aber in diesem Jahr haben wir eine große Chance, die Dinge endlich geradezurücken», lacht M-Sport Teamchef Malcolm Wilson. «Tatsächlich können unsere drei Fahrer bei dieser Rallye auf erfolgreiche Zeiten zurückblicken. Für Sébastien Ogier gilt dies natürlich ganz  besonders, immerhin hat er diesen WM-Lauf bereits dreimal gewonnen. Unser Fiesta WRC funktioniert sehr gut auf Asphalt, darauf konnten wir bei den Testfahrten vor dieser Veranstaltung aufbauen. Ich rechne mit intensiven Duellen um die Podestplätze. In dieser Saison können alle Marken und sehr viele Fahrer im Kampf um den Sieg ein Wörtchen mitreden, das ist wirklich großartig. Dennoch wollen wir am Ende die Nase vorn behalten.»

Die amtierenden Titelverteidiger Sébastien Ogier/Julien Ingrassia wissen, worauf es bei der Rallye Deutschland ankommt - gleich drei Mal gingen Sébastien Ogier und  Julien Ingrassia bei dieser Asphaltveranstaltung als Sieger hervor. Damit gehören sie ganz klar zu den Favoriten. Besondere Motivation ziehen die beiden Franzosen aus der aktuellen Tabellensituation: In der Fahrerwertung liegen sie punktgleich mit Thierry Neuville/Nicolas Gilsoul an der Spitze und wollen diesen Umstand natürlich  schnellstmöglich zu eigenen Gunsten beenden.

Ogier peilt vierten Sieg an

«Ich freue mich jedes Jahr auf die Rallye Deutschland - in dieser Saison wird es aber nochmals spannender, da es im Kampf um die WM-Krone so eng zugeht», so Ogier. «Natürlich geben wir unser Bestes, denn wir wollen die alleinige Führung in der Fahrerwertung zurück. Schön, dass jetzt wieder Asphaltveranstaltungen auf dem Programm stehen. Die Rallye Deutschland gehört diesbezüglich zu den  schwierigsten Aufgaben im WM-Kalender. Es kommt sehr darauf an, die richtige Einstellung und die optimale Fahrwerksabstimmung für die verschiedenen Streckencharakteristiken zu finden sowie eng und vertrauensvoll mit unseren ,Schotterspionen' zusammenzuarbeiten. Wenn es regnet, wird es gleich noch komplizierter - denn Fehler verzeihen diese Prüfungen nicht. Die neuen Prüfungen machen es für uns noch interessanter. Aber der Ford Fiesta WRC wirkte bislang auf Asphalt sehr konkurrenzfähig, Julien und ich freuen uns auf die Herausforderung.»

Obwohl von ganzem Herzen Schotterspezialist, so blickt Ott Tänak dennoch gerne auf die Rallye Deutschland zurück: 2011 gewann der Este rund um Trier die S-WRC Wertung und löste damit die Fahrkarte für einen Werkseinsatz bei der französischen Rallye du Var - mehr oder weniger der Startschuss seiner Profikarriere. Nach starken Auftritten bei den beiden Asphaltläufen der aktuellen Saison sollten Tänak und  Beifahrer Martin Järveoja ohnehin nicht zu früh von der Favoritenliste gestrichen werden.

«Auch wenn mir schnelle Schotterprüfungen sicher mehr liegen, so freue ich mich dennoch auf die Asphaltherausforderung in Deutschland», betont Tänak. «Schon bei der ,Monte' und auf Korsika konnten wir das Tempo der Spitze mitgehen. Entsprechend interessant wird es sein, was wir am kommenden Wochenende ausrichten werden. Die Rallye Deutschland zählt definitiv zu meinen Lieblingsveranstaltungenauf befestigten Straßen. Jede Prüfung ist anders. Es kommt wirklich darauf an, wie schnell du dich auf die wechselnden Bedingungen um- und einstellen kannst. Auch das Wetter sorgt in dieser Region gerne für die eine oder andere Überraschung, entsprechend wichtig ist der  enge Kontakt zu unseren Meteo Experten. Zudem hat die Geschichte  gezeigt, dass bei der Rallye Deutschland alles passieren kann. Wir geben unser Bestes, um die Führung unseres Teams in der m Herstellerwertung auszubauen.»

2014 konnte Elfyn Evans bei der Rallye Deutschland die erste WP-Bestzeit seiner noch jungen WM-Karriere setzen, als er die so genannte «Power Stage» gewann und dafür auch noch drei Extrapunkte einheimste - zusätzlich zu den zwölf Zählern, die er für Rang vier in der Gesamtwertung ohnehin bekommen hat. Nach Platz zwei bei der Rallye Finnland schwimmt der Waliser auf einer Welle des Erfolgs, die er am kommenden Wochenende bestätigen will.

«Die Rallye Deutschland gehört zu meinen Favoriten im WM-Kalender - in den vergangenen Jahren sind mir hier immer wieder tolle Erfolge gelungen», betont der 28-Jährige. «Sie ist eine echte Herausforderung, vielleicht gefällt sie mir deshalb so gut. Dieser WM-Lauf wartet mit unheimlich vielen verschiedenen  Streckenbeschaffenheiten auf. Es kommt sehr darauf an, stets den richtigen Rhythmus und das perfekte Set-up zu finden. Zugleich kennt  die Rallye Deutschland keine Gnade: ein kleiner Fehler, ein Moment der Unkonzentriertheit, und du bekommst keine zweite Chance. Zugleich spielt das Wetter eine entscheidende Rolle. Wenn es regnet, wird es wirklich interessant. Nach unserer tollen Rallye in Finnland wollen wir den Schwung für ein weiteres Spitzenergebnis nutzen.»

Drei, auf die zu achten ist: Armin Kremer, Teemu Suninen und Julius Tannert

Vermutlich wäre es vermessen, ihn noch als Nachwuchsfahrer zu bezeichnen - dafür übernimmt Armin Kremer (48) gerne die Rolle des Talenteschrecks. Der dreifache Deutsche Rallye-Meister und ehemalige Rallye-Europameister sorgt bei seinen Starts immer wieder für Erstaunen unter den jungen Rallye-Hoffnungen und hat an  Grundschnelligkeit nichts eingebüßt. Für den deutschen WM-Lauf mietet der Mecklenburger einen Fiesta WRC bei M-Sport an, den er gemeinsam  mit Beifahrer Pirmin Winklhofer gewohnt zügig bewegen will - da können sich manche WRC Routiniers schon einmal warm anziehen.

Ähnliches gilt für Finnlands neues Megatalent Teemu Suninen. Der 23-Jährige sorgte vor wenigen Tagen noch bei der Rallye Finnland für eine Riesenüberraschung, als er bei seinem ersten zweiten Start mit einem World Rally Car gleich um Platz zwei kämpfte - und erst nach einem Hochgeschwindigkeitsdreher am letzten Rallye-Tag auf Rang vier  zurückfiel. In Deutschland sitzt Suninen wieder am Steuer eines Ford  Fiesta R5 und peilt den Klassensieg in der hart umkämpften WRC 2-Wertung an.

Nach eindrucksvollen Ergebnissen in der laufenden Junior-WM-Saison blickt auch Julius Tannert der Rallye Deutschland mit großen Erwartungen entgegen: Vor eigenem Publikum will der 27 Jahre alte Sachse erneut den Sprung aufs Siegertreppchen schaffen - so, wie es dem Zwickauer und seinem österreichischen Beifahrer Jürgen Heigl bereits auf Sardinien gelungen ist.

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