Citroën Racing in der Zwickmühle

Von Toni Hoffmann
WRC

Mads Östberg hat beim achten Lauf zur Rallye-Weltmeisterschaft in Finnland mit dem zweiten Platz und der Interimsführung das Potenzial des Citroën C3 WRC offen gelegt und zwingt nun Citroën zum Handeln.

Allerdings ist der C3 WRC trotz Finnland noch nicht das ultimative Ziel der Begierde der etablierten Fahrer. Die wenigen Erfolge haben dies bislang verhindert. Zudem wird bei Citroën Racing mehr auf finanzieller Sparflamme gekocht, was größere Investitionen auf dem Fahrermarkt bislang verhindert hat. Der Vorstandvorsitzende der PSA-Gruppe Carlos Tavares ist zudem davon überzeugt, dass Geld nicht zum Ergebnis führt und hat bislang die Erhöhung des Citroën Budget verhindert.

Doch nun scheint Citroën sprich PSA zum Handeln gezwungen zu sein. Einerseits muss bewiesen werden, dass der zweite Platz in Finnland gewiss keine Eintagsfliege war sondern wohl auf Dauer ausgelegt werden sollte, andererseits muss nach dem Weggang von Sébastien Loeb der dringend benötigte Top-Fahrer her. Und weil inzwischen Fahrerverträge nur noch auf ein Jahr festgelegt sind, bieten sich den Franzosen einige Top-Piloten wie Sébastien Ogier, Thierry Neuville oder Ott Tänak zur intensiveren Kontaktaufnahme an. Um auch in der Herstellerwertung mitreden zu können, ist ein dritter C3 WRC unabdingbar.

Der Fall «Ogier»

Sébastien Ogier dürfte beim Citroën-Sportchef Pierre Budar ganz oben gelistet sein. Doch so einfach ist der Fall Ogier nicht. Ogier hat sich nämlich Ende 2011 mehr in Unfrieden von Citroën Richtung Volkswagen getrennt. Ogier favorisiert, falls er weitermachen sollte, was auch nicht sicher ist, weiter den Verbleib bei M-Sport. Dies auch, weil Ford die Unterstützung von M-Sport offiziell verstärkt und Ogier wohl gesonnen ist. Ogier hat Vertrauen in das Team von Malcolm Wilson. Da müssten Budar und Citroën einiges auffahren, um den fünffachen Champion Ogier zur Rückkehr ins Zwei-Zacken-Team bewegen zu können. Gespräche haben allerdings schon stattgefunden.

Der Fall «Neuville»

Für den Vizechampion Thierry Neuville läuft es derzeit mit dem nahe Frankfurt ansässigen Hyundai-Team bestens. Der Ostbelgier hat sich als tragende Säule in dem seit 2014 in der WM wieder engagierten Team entwickelt. Er ist als Tabellenführer im Augenblick auf Kurs zu seiner ersten WM-Krone. Und bei diesem Kurs hat Hyundai unter der Regie von Michel Nandan stark mitgeholfen. Das prägt und verpflichtet zu einer Teamtreue. Das Jahr 2012 hat auch bei Neuville, als er als Mitglied des Citroën Junior-Teams einen DS3 WRC steuerte, nicht gerade die besten Erinnerungen vor seinem Wechsel zu M-Sport zurückgelassen. Eine Rückkehr zum Citroën Racing ist daher eher unwahrscheinlich.

Der Fall «Tänak»

Ott Tänak hat sich in seinem ersten Jahr im Toyota-Team zum Teamleader gemausert. Zwei Siege und der dritte Tabellenplatz mit einer wenn auch sehr geringen Titelhoffnung haben seine Stellung im Team von Tommi Mäkinen stark gefestigt. Das weiß auch Tänak. Er weiß, dass er im Team die Unterstützung bekommt, die er braucht, was zuvor bei M-Sport im Schatten von Sébastien Ogier nicht der Fall war. In diesem für Tänak gefestigten Umfeld bei Toyota kann von einer Vertragsverlängerung für 2019 ausgegangen werden. Citroën kann da nicht mithalten.

Und für sie scheint auch zu gelten: «never change a winning team»

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