Härtetest für Ilka Minor auf Sardinien

Von Toni Hoffmann
WRC
Das Team Henning Solberg/Ilka Minor

Das Team Henning Solberg/Ilka Minor

Henning Solberg und Ilka Minor sind beim sechsten Lauf zur Rallye-Weltmeisterschaft auf Sardinien wieder zurück auf der Piste.

Auf Henning Solberg und Ilka Minor wartet eine große Herausforderung: Bei der WM-Rallye auf Sardinien gibt es hohe Temperaturen im Cockpit, lange Rallyetage und auch die mit rund 60 Kilometern längste Sonderprüfung 2014. Hier wird die körperliche und auch mentale Fitness auf die Probe gestell. Auf der Mittelmeerinsel Sardinien findet am kommenden Wochenende der sechste Lauf zur Rallye-Weltmeisterschaft statt – insgesamt werden dort 15 World Rally Cars an den Start gehen, darunter auch Henning Solberg im privaten Ford Fiesta RS WRC, der Norweger setzt wieder auf seine erfahrene Co-Pilotin Ilka Minor.

Ilka ist bislang sechsmal auf Sardinien angetreten: Mit Manfred Stohl belegte sie in den Jahren 2005, 2006 und 2007 Platz neun sowie zweimal Platz sieben. 2011 erlebte sie an der Seite von Henning Solberg eine eher turbulente Rallye: «Da sind wir in einem Brückengeländer eingeschlagen und haben Feuer gefangen – am Ende mussten wir mit Motorschaden aufgeben.» 2012 kam dafür das bisherige Sardinien-Highlight: Platz zwei mit Evgeny Novikov. Im Vorjahr hingegen gab es an der Seite des jungen Russen einen harten «Mauerkuss» zu überstehen – Ilka Minor hat also auf Sardinien bereits Höhen und Tiefen erlebt.  

Anspruchsvolle Strecken  

Die ausschließlich auf Schotterstraßen ausgetragene Rallye Sardinien zählt zu den schwierigen, anspruchsvollen WM-Läufen – nur: Was bedeutet «schwierig» oder «anspruchsvoll»? Ilka erklärt: «Es sind sehr technische Strecken. Da hast du beispielsweise enge, zum Teil auch versteckte Kurven, die der Fahrer nicht einsehen kann. Umso wichtiger ist da ein korrekter Aufschrieb.»  

Auch wenn das norwegisch-österreichische Duo zuletzt in Portugal am Start war, konnte sich Henning Solberg fahrerisch in Schuss halten. Er fuhr beispielsweise zugleich mit seinem Bruder, Ex-Weltmeister Petter Solberg einen Lauf zur Rallyecross-Weltmeisterschaft. Dort schaffte er es sogar ins Finale. Allerdings brach in dem Lauf etwas am Fahrzeug, sodass keine Spitzenplatzierung möglich war. Minor: «Es ist gut, wenn er in Fahrt bleibt. Und soviel ich weiß, trainiert er auch körperlich sehr viel – das ist bei einer Rallye wie jener auf Sardinien auch sehr wichtig. Du hast einerseits hohe Temperaturen aber auch sehr lange Rallyetage, die gehörig auf die Substanz gehen.»  

Am Donnerstag wird am Abend um 21.08 Uhr die Rallye mit einer kurzen Zuschauerprüfung in Cagliari, 250 km von der eigentlichen Rallyebase, eröffnet, am Freitag geht es um 9 Uhr am Morgen wieder los, erst um 21 Uhr kommen die Autos zurück zum Service. Am Samstag werden die Boliden schon um 6.30 Uhr wieder abgeholt. An diesem Tag steht zweimal die absolute Königsprüfung auf dem Programm: Die WP «Monte Lerno» ist mit 59,13 Kilometern die längste Prüfung der gesamten Weltmeisterschaft.  

Mit Training gegensteuern  

Ilka weiß: «Das ist für die Fitness eine große Herausforderung. Da bist du rund 40 Minuten lang durchgehend im Renn-Modus unterwegs.» Die in Wien lebende 39-jährige Kärntnerin macht sich nichts vor. Sowohl für sie als auch für ihren 41-jährigen Piloten gilt: «Mit dem Alter werden die Regenerationszeiten länger – und zwar nicht nur körperlich, sondern auch mental. Da kannst du nur eines machen: Mit viel Training gegensteuern.»  

Wer Ilka Minor kennt, der weiß, wie knochenhart sie oft trainiert. Ilka nickt: «Seit meinem Unfall mit Manfred Stohl im Jahr 2010, als ich zweimal in kurzer Zeit meine Rückenmuskulatur wieder aufbauen musste, trainiere ich quasi durchgehend. Ich gehe auf den Berg, laufe viel, zum Teil auch kleine Trails, skate mit Skikes rund um den Ossiachersee und ein- bis zweimal die Woche gibt’s auch noch ein Krafttraining.»  

Wenn am Sonntag die Rallye am frühen Nachmittag endet, haben Henning Solberg und Ilka Minor klare Vorstellungen, wo sie dann stehen wollen: «Unser Ziel ist es, den Anschluss an die ‚großen Jungs‘, die Werksfahrer halten zu können. Wir wollen die Rallye als bestes Privatteam beenden.»

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