Racing-Raritäten - Unser Foto-Spiel
Aus dem Archiv der Agentur LAT stellen wir jeden Dienstag-Morgen ein kleines Stück Motorsport-Historie vor. Sagen Sie uns, wer zu erkennen ist, wo und wann das Bild entstand (Beispiel: Jo Siffert, Monza, 1970) und gewinnen Sie mit etwas Glück einen kleinen Preis.

Bitte Name, Adresse, Geburtsjahr und Telefonnummer nicht vergessen. Schicken Sie Ihre Lösung an: mathias.brunner@speedweek.com. Einsendeschluss ist jeweils Sonntag der gleichen Woche, 23.59 Uhr.

Das Bild der Vorwoche (12. bis 17. März 2019):

Die richtige Lösung vom letzten Mal: Der Australier heute 69 Jahre alte Warwick Brown mit seinem von Frank Williams und Walter Wolf eingesetzten Hesketh-Ford beim Grossen Preis der USA 1976 in Watkins Glen. Der Pilot aus Sydney qualifizierte sich als 23., kämpfte sich mit Brems- und Schaltproblemen Richtung Zielflagge und wurde letztlich 14., von Sieger James Hunt fünf Mal überrundet. Während des Rennens hatten sich der dritte und der fünfte Gang verabschiedet, die meisten anderen Piloten hätten ihr Auto zur Seite gestellt.

Als Rarität haben wir ihn in diesem Auto ausgesucht, weil es der einzige Einsatz von Brown im Rahmen der Formel-1-WM war. Frank Williams brauchte auf die Schnelle einen Ersatzfahrer für Chris Amon, der nach einem Trainingsunfall in Kanada nicht einsatzfähig war. Brown sagte spontan zu.

Es wäre einfach, den Australier als Hinterherfahrer und Eintagsfliege zu verspotten. In Wahrheit bewies Warwick Brown in konkurrenzfähigen Meisterschaften wie den Tasman Series, der CanAm oder der Formel 5000, dass er mit den Schnellsten der Branche mithalten konnte, «down under» und in Nordamerika.

In Australien galt er als einer der besten Einsitzer-Fahrer der Vollgasbranche, er wurde Tasman-Series-Champion 1975; 1977 und 1978 holte er zwei weitere Titel in den Rothmans International Series, der australischen Meisterschaft der Formel 5000. In der CanAm-Serie 1978 wurde er Gesamtzweiter hinter dem späteren Formel-1-Weltmeister Alan Jones.

Ende 1979 zog sich Brown als Dreissigjähriger vom Rennsport zurück, weil er sich lieber in seinem Heimat-Staat New South Wales ums eigene Fliegergeschäft kümmern wollte.

Angefangen hatte alles mit dem Baugeschäft seiner Eltern, sein erstes Gefährt war logischerweise ein Traktor. Die Rennkarriere begann spät, mit 19 Jahren, und gleich bei einem Formel-3-Rennen, in Warwick Farm. Sein Brabham schöpfte aus 1100 ccm spärliche 92 PS, «aber für mich war es das schnellste Auto der Welt», so Brown gegenüber speedcafe.com. Nur zwei Jahre später sass er bereits in einem Formel-5000-Boliden. «Der Schritt von 92 PS zu 500 PS war nicht ganz einfach, aber wenn du jung bist, kennst du keine Angst.»

«Die Tasman-Series waren überaus intensiv, acht Rennwochenenden in Australien und Neuseeland, einige der besten Formel-1-Fahrer kamen dafür in unser Land. Es war Chris Amon, der mich dazu überredete, es auch mal mit der Formel 5000 in den USA zu versuchen. Die Pisten dort waren länger und schneller als bei uns. Ich habe meine Zeit in den USA genossen, ich fuhr gegen die Unser-Brüder Al und Bobby, gegen Alan Jones, gegen Mario Andretti, gegen James Hunt, es war fabelhaft.«

«Es war auch Chris, der mich Frank Williams empfahl, als er in Watkins Glen nicht fahren konnte. Der Anruf kam am Dienstag vor dem Rennen und ich habe ohne zu zögern zugesagt. Ich hatte mir eigentlich geschworen: Die Formel 1 kommt nur dann in Frage, wenn ich ein gutes Auto erhalte. Aber als Williams anrief, vergass ich das alles und sagte zu.»

«Es war kein gutes Wochenende, aber ich bin ein wenig stolz darauf, dass ich schneller war als Stammfahrer Arturo Merzario. Wenige Wochen zuvor war ich mit meinem F5000-Auto in Watkins Glen gewesen, die Piste kannte ich also gut, und an die Leistung der Autos war ich auch gewöhnt. Leider war der von Williams und Walter Wolf eingesetzte Hesketh eine Scheisskiste, sehr instabil, er fuhr einfach nicht richtig geradeaus, du musstest in jeder Sekunde auf alles gefasst sein. Die Mechaniker schraubten herum, aber ich hatte nicht den Eindruck, dass sie einen grossen Schimmer davon hatten, was sie da taten. Das Team lud mich ein, auch in Japan zu fahren, aber ich lehnte dankend ab. Ich wollte dieses Auto kein zweites Mal bewegen, zudem war ich schon für ein weiteres Formel-5000-Rennen verpflichtet.»

«Ich bin stolz auf meine Ergebnisse mit den F5000-Rennern und in der CanAm-Serie. Wenn ich etwas bedaure, dann dass ich in der Formel 1 mein Talent nicht besser in die Auslage stellen konnte. 1979 fuhr ich mein letztes Rennen, dann stieg ich wie viele Aussie-Racer ins Fluggeschäft ein. Ich war einer der jüngsten Business-Jet-Piloten meines Landes, am Ende meiner Fluglaufbahn war ich einer der ältesten. Ich habe auch in Hotels investiert, in Brisbane. Ich hatte gewissermassen zwei Karrieren, eine als Rennfahrer, eine im Fluggeschäft.»

Ein Rennprogramm vom Grossen Preis von Australien in Melbourne gewinnt Gino Villa aus Chiasso – wir gratulieren!

Hier das neue Fotospiel (19. bis 24. März 2019)
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