Brückeneinsturz & Laudas Feuerunfall: Der Tag, der Österreich erschütterte
Der 1. August 1976 begann mit dem Einsturz der Wiener Reichsbrücke und endete mit der bangen Frage, ob Niki Lauda seinen Nürburgring-Unfall überleben würde. Rückblick auf einen dramatischen Tag.
Es war in Österreich ein Tag wie nie zuvor. Der Einsturz der Reichsbrücke in Wien, der wichtigsten Donau-Querung in der Millionenstadt, in den frühen Morgenstunden des 1. August 1976 war eine Katastrophe mit zum Glück geringer Opferzahl. Und nachmittags der Unfall Niki Laudas auf dem Nürburgring, der die schon von vielen für sicher gehaltene Titelverteidigung plötzlich in Frage stellte. Wobei über bange Wochen die Frage seines Überlebens Österreich und Fans weltweit vor 50 Jahren in Atem hielt.
Es war 4.53 Uhr, als die 1934 bis 1937 erbaute Reichsbrücke zwischen den Pylonen krachend in die Donau stürzte. Zu diesem frühen Zeitpunkt befanden sich nur sieben Menschen in mehreren Fahrzeugen auf der Brücke, von denen sich sechs selbst retten konnten. Lediglich ein Pkw-Fahrer konnte Stunden später nur mehr tot geborgen werden. Der Schiffsverkehr auf der Donau war für zwei Monate bis Ende September unterbrochen.
Die Bergungsarbeiten der Trümmer dauerten bis Januar 1977. Nach fünf Wochen wurde eine Ersatzbrücke für die Strassenbahn fertiggestellt, im Dezember eine für den Individualverkehr. Es dauerte dann bis November 1980, ehe die aktuelle (insgesamt dritte) Reichsbrücke für den Verkehr freigegeben wurde. Die Ursache für den Einsturz 1976 – die Brücke war zuvor sieben Mal, zuletzt 1975, überprüft worden – wurden in mehreren, nicht vorhersehbaren Faktoren festgemacht, darunter minderwertiger Beton, der Wasser in die Pfeilersockel hatte eindringen lassen. Das führte zu einer fortschreitenden Zerrüttung im Betonsockel. Spaltzugkräfte durch Frosteinwirkung im Winter kamen noch dazu.
Schlechte Nachrichten aus Deutschland
Ich war am 1. August 1976 beim Rallyecross-EM-Lauf auf dem Melker LERU-Ring (heute Wachauring) im Einsatz. Als zwischen zwei Läufen Platzsprecher Armin Holenia vom schweren Unfall Niki Laudas auf dem Nürburgring berichtete, wurde für viele Zuschauer der Sieg von Lokalmatador Franz Wurz (der Vater von Alex Wurz) im Lancia Stratos zur Nebensache.
Holenia erinnert sich: «Ich wollte in der Früh von meiner Wohnung im zweiten Wiener Bezirk über die Donau und nach Melk aufbrechen, als ich vom Brückeneinsturz erfuhr und eine andere Route wählen musste. Als dann die Nachrichten aus Deutschland kamen, wurde es schwierig, sich zu konzentrieren. Edi Finger (der langjährige ORF-Hörfunk-Sportchef, der zwei Jahre später in Cordoba «narrisch» werden sollte, Anm.) brach sofort auf und fuhr zurück nach Wien ins Studio. Und wir hofften alle auf mehr Informationen vom Nürburgring.»
Lauda verwehrte sich später mehrfach gegen den Vorwurf vieler Medien, er habe den Nürburgring als Formel-1-Strecke bekämpft. Sein Vorschlag, 1976 keinen GP auf dem Nürburgring auszutragen, wurde von den anderen Piloten abgeschmettert. Für viele blieb er dennoch der, der den alten Ring als Formel-1-Kurs «zerstörte».
Nicht nur in Österreich fieberten Fans bei Laudas Überlebenskampf mit. Und der Veranstalter des Österreich-GP als erstem Lauf nach dem Nürburgring musste erkennen, was ein Rennen ohne Niki bedeutet: Nur 40.000 Zuschauer erlebten John Watsons Überraschungssieg im Penske, obwohl mit Harald Ertl (8. im Hesketh) und Hans Binder (Ausfall im Ensign) zwei Österreicher im Feld waren.
Comeback nach nur 42 Tagen
Am 7. September 1976 begann Laudas Comeback mit einem Geheimtest in Fiorano. Tags darauf fand die Pressekonferenz im Schloss Fuschl statt, in der Lauda seine Rückkehr in Monza am folgenden Wochenende bestätigte: «Es wird sicherlich ein sehr harter Beginn, denn die Konkurrenz hat inzwischen zwei Rennen mehr absolviert. Wenn es mir aber gelingt, den neuen Anlauf meiner Karriere wenigstens mit einem zehnten Rang abzuschließen, dann sehe ich für die Zukunft wieder meine Chance», erklärte Lauda, fast emotionslos, in einem überfüllten Salon.
42 Tage nach dem Unfall fuhr Lauda als Vierter in Monza ins Ziel. Unter höllischen Schmerzen und zeitweise mit Panikgefühlen.
Niki Lauda: Keine grossen Emotionen
Er hatte mit einer Rückkehr an die Unfallstelle beim Bergwerk nie ein Problem. 2006 traf er dort seinen Hauptretter Arturo Merzario und bedankte sich (spät) mit einer goldenen Rolex. Als er von einer amerikanischen TV-Reporterin anlässlich der Dreharbeiten zum Ron-Howard-Film «Rush» an der Unfallstelle interviewt wurde, fand er «zufällig» sein «Ohr» – ein mitgebrachtes Gebäckstück. Die Reporterin war darauf angeblich nervlich fertig.
Lauda war nie ein Mann grosser Emotionen. Als ich ihn nach der «Rush»-Premiere darauf ansprach, dass Therapeut Willi Dungl, ohne den das Comeback nie in dieser kurzen Zeit hätte stattfinden können, im Film völlig negiert wurde, meine Niki trocken: «Die konnten sich nicht um alles kümmern.»
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