Brasilien FP1: Russell-Strafe, Norris vor Antonelli, Verstappen, Hamilton
Erstes freies Training für den São Paulo-GP: Norris ist Schnellster vor Antonelli und Verstappen. Hamilton mit Ferrari auf P4. Erneut Rückschlag für George Russell. Rote Flagge wegen Audi.
Der Traditionskurs Interlagos in der brasilianischen Metropole São Paulo war jahrelang ein Sprintkurs: 2021, 2022, 2023, 2024 und 2025 wurde in diesem Format gefahren im Autódromo José Carlos Pace, nun wird das Wochenende erstmals seit sieben Jahren wieder im klassischen Format durchgeführt.
Für GP-Neuling Rafael Câmara (Nachfolger von Esteban Ocon bei Haas) ist das ein Segen: Auf diese Weise kann er sich an seinen neuen Dienstwagen gewöhnen.
Im ersten Training über «Rafa» hinaus ein paar Veränderungen im Feld: McLaren mit Formel-2-Champion Leonardo Fornaroli für GP-Sieger Oscar Piastri, Ferrari mit Dino Beganovic am Lenkrad für Charles Leclerc, Williams mit dem Engländer Luke Browning für Carlos Sainz, Audi mit Freddie Slater für Nico Hülkenberg, Alpine it Gabriele Mini für Franco Colapinto, Cadillac mit Colton Herta für Sergio Pérez, der Kalifornier muss 100 Kilometer fahren, um endlich den Formel-1-Führerschein namens Superlizenz zu erhalten.
Einer, der zwar von Anfang an fährt, jetzt aber schon weiss, dass er in der Startaufstellung um fünf Ränge zurückweichen muss: Mercedes-Pechvogel George Russell. Er braucht einen neuen Verbrennungsmotor.
Was gibt’s an neuen Teilen in Interlagos? Nur McLaren mit Änderungen an Frontflügel, Heckflügel, Unterboden, Beam Wing (Zusatzflügel über dem Getriebe), alles neu. Der Test in Interlagos soll zeigen, ob dies der richtige Lösungsansatz für die kommende Saison ist, dies vor allem in Bezug auf den Frontflügel, der an einem modernen Formel-1-Auto weitgehend vorgibt, was weiter hinten aerodynamisch alles passiert. Der neue Heckflügel ist eher streckenspezifisch.
Mercedes, Red Bull Racing, Ferrari, Williams, die Racing Bulls, Aston Martin, Haas, Audi, Alpine und Cadillac treten mit Rennwagen in Mexiko-Spezifikation an.
Das erste freie Training im Autódromo José Carlos Pace begann bei 24 Grad (die Rennstrecke bei 41 Grad), verschiedene Regenzellen in der Region, aber oft sind Niederschläge in der Grossstadt São Paulo ein lokales Phänomen – es kann im Stadtzentrum trocken bleiben, in Interlagos aber schütten und umgekehrt.
Für die Quali vom 7. November (Ortszeit 15.00, in Europa 19.00) sind Gewitter angesagt. Das kann ja lustig werden …
Die Fans freuten sich: Erstmals seit 2016 (die beiden Felipe, Massa und Nasr) zwei Brasilianer im Feld, Gabriel Boretoleto (Audi) und Rafael Câmara (Haas).
Max Verstappen mit früher Bestzeit vor Kimi Antonelli und Lando Norris, drei Champions vorne.
Schreckmoment für den Ferrari-Reservisten Dino Beganovic: Am Lenkrad herumgespielt und fast ins Heck des Haas-Rennwagens von Oliver Bearman gekracht! Beganovic riss sein Auto nach rechts und entging der Auffahrkollision knapp. Der Ferrari-Junior zu diesem Zeitpunkt mit grossen Messrechen auf der Bahn.
Lewis Hamilton meldete sich am Funk: «Die Bahn ist ziemlich rutschig.» Das passiert hier oft am ersten Interlagos-Tag. Und es hinderte den siebenfachen Weltmeister nicht daran, die Führung zu übernehmen.
Dann rote Flagge! Audi-Nachwuchsfahrer Freddie Slaters Wagen blieb stehen, der Engländer blieb im Auto von Nico Hülkenberg, weil der Renner ohne Mann auf der Bremse davongerollt wäre. Keine Handbremse im Formel-1-Auto. «Ich habe die Gänge verloren, und nun hat der Wagen einfach abgestellt.»
Fast gleichzeitig verlor Hamilton seine Bestzeit, weil er seinen Ferrari zu weit links gehalten und die weisse Linie der Boxeneinfahrt überfahren hatte. Daher weiter Verstappen vor Antonelli, Hamilton auf P3 vor Norris und Russell.
Nach fünf Minuten Pause ging es weiter. Kimi Antonelli übernahm die Führung. Gegen Cadillac-Fahrer und IndyCar-Star Colton Herta wurde kurz ermittelt, wegen Vergehens unter roter Flagge. Bilder zeigten jedoch – der Abbruch kam zu spät, dass der Kalifornier noch rechtzeitig an die Box hätte abbiegen können.
Red Bull Racing-Fahrer Isack Hadjar hatte andere Probleme. Der Pariser am Funk: «Mein Sitz bewegt sich.»
Stand nach 30 Minuten: Antonelli, Verstappen, Hamilton, Norris, Russell, Bortoleto, Hadjar, Lawson, Albon und Lindblad.
Verstappen holte sich die Führung zurück, happy war der Niederländer nicht: «Inakzeptabel, diese Gangwechsel, einfach nur inakzeptabel.»
Champion Kimi Antonelli versemmelte einen ersten Versuch auf weichen Pirelli-Reifen: Verbremser in die erste Kurve hinein, stehendes linkes Vorderrad. Der zweite Versuch klappte besser – Kimi wieder vor Verstappen, Hamilton auf P3.
Alex Albon musste den Williams ausrollen lassen, gelbe Flagge, vermutlich Hydraulikschaden.
Lando Norris übernahm 20 Minuten vor Schluss die Spitze, auch der Brite nun auf den rot markierten, weichen Reifen.
Max Verstappen am Funk erneut mit Problemen: «Die Lenkung ist nach links viel schwergängiger als nach recht, das ist total schräg. Das ist ein echtes Fitness-Training hier.»
Ferrari holte Dino Beganovic von der Bahn: «Dino, bring das Auto zurück an die Box, wir haben ein Problem mit dem Auto.»
Auch Williams-Zögling Luke Browning musste vorzeitig aufhören, wie bei Albon ein Hydraulikproblem.
Gute Nachricht bei Cadillac: Colton Herta hat seine 100 km für den einen Superlizenz-Punkt zurückgelegt, sollte also den F1-Führerschein jetzt erhalten.
Auf den ersten vier Rängen vier Champions mit vier verschiedenen Autos innerhalb von knapp drei Zehntelsekunden, das lässt sich gut an in Interlagos.
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