Weltmeister Kimi Antonelli: Rekordbrecher, Herzensbrecher, Tifosi-Traum
Mit Platz 3 beim Mexiko-GP hat sich Kimi Antonelli zum jüngsten der nunmehr 36 Formel-1-Weltmeister gemacht. Der 20-jährige Italiener ist auf Rekordjagd. Die Tifosi träumen von Antonelli im Ferrari.
Es ist vollbracht: Platz 3 beim Grossen Preis von Mexiko hat Kimi Antonelli den WM-Titel gesichert. Er ist mit 20 Jahren, 2 Monaten und 6 Tagen der jüngste Formel-1-Champion, der Rekord von Sebastian Vettel ist um mehr als drei Jahre unterboten (23/4/11 in Abu Dhabi 2010).
Kimi hat zu Vettels erstem WM-Titel erzählt: «Ich kann mich nicht daran erinnern. Ich meine, ich war vier Jahre alt, da interessierte ich mich mehr für meine Hot Wheels-Spielzeugautos!»
«Als ich älter wurde, habe ich mir den Abu Dhabi-GP von 2010 natürlich angesehen. Das war ein verrücktes Titelduell damals mit Hamilton, Webber, Alonso und eben Vettel. Unglaublich, vier Fahrer mit Titelchancen beim Finale.»
Weltmeister im zweiten Formel 1-Jahr, das gelang vor Kimi nur Juan Manuel Fangio, Jacques Villeneuve und Lewis Hamilton. Im ersten Jahr Champion wurde Giuseppe Farina, als 1950 die Formel-1-WM Premiere feierte.
Mit 7 Pole-Positions, 7 besten Rennrunden, 9 Siegen und 16 Podestplätzen ist glasklar, wer der erfolgreichste Fahrer der Saison ist.
Kimi Antonelli ist der erste Formel-1-Champion, der nach 2000 geboren worden ist.
Antonelli ist der dritte italienische Formel 1-Weltmeister nach Giuseppe Farina (1950) und Alberto Ascari (1952/1953). Damit auch der erste italienische «campione» seit 73 Jahren!
Die in Montona (damals in Italien, heute Kroatien) geborene Rennlegende Mario Andretti sagt über den kommenden Champion Antonelli: «Ich bin ein grosser Fan. Ich bin wirklich begeistert von dem, was Kimi zeigt, das ist ein Spektakel für jeden, der die Formel 1 liebt. Bald wird er der vierte Italiener sein, der eine Weltmeisterschaft gewinnt, nach mir, Ascari und Farina.»
Mario beginnt zu lachen: «Nun, ich weiss natürlich, dass ich nicht auf der Liste der italienischen Weltmeister stehe, weil ich offiziell ja als US-Amerikaner gelte, aber ich fühle mich auch zutiefst italienisch und deshalb freue ich mich, dass Antonelli zu den Weltmeistern aufschliesst. Er hat bewiesen, dass er alles hat, was man braucht, um grossartig zu sein, obwohl er so jung ist.»
Verstappen 2024, Norris 2025, Antonelli 2026: Wir haben erstmals drei verschiedene Champions in drei Jahren seit Hamilton 2008, Button 2009 und Vettel 2010.
Antonelli ist zudem der vierte Mercedes-Champion in der Formel 1, nach Juan Manuel Fangio (1954/1955), Lewis Hamilton (2014, 2015, 2017, 2018, 2019, 2020) und Nico Rosberg (2016).
Kimi Antonelli, der Rekordbrecher der Formel 1
Kimi ist nicht nur der jüngste Formel-1-Champion, er hat auch diese Rekorde geknackt.
Jüngster Pilot in Führung eines Rennens: Japan 2025, mit 18 Jahren und 225 Tagen.
Jüngster Fahrer mit bester Rennrunde: ebenfalls in Japan 2025.
Jüngster Pilot auf Pole bei einem F1-Sprint: Miami 2025, mit 18 Jahren und 250 Tagen.
Jüngster Fahrer auf Pole-Position: China 2026, 19 Jahre und 202 Tage
Jüngster Pilot, der von Pole gewinnt: China 2026.
Jüngster Fahrer, der im gleichen Grand Prix Pole, Sieg und beste Rennrunde erreicht: China 2026.
Jüngster WM-Leader: China 2026.
Jüngster Fahrer, der zwei Grands Prix in Folge gewinnt: China und Japan 2026, 19 Jahre und 216 Tage.
Jüngster Pilot mit Pole, Start/Ziel-Sieg und bester Rennrunde: Monaco 2026, 19 Jahre und 286 Tage.
Jüngster Fahrer, der nach seinem ersten Sieg gleich vier weitere Male gewinnt: China, Japan, Miami, Kanada, Monaco.
Jüngster Sprint-Sieger: Grossbritannien 2026, 19 Jahre und 313 Tage.
Kimi Antonelli, der Herzensbrecher der Formel 1
Kimi Antonelli fliegen die Herzen zu, nicht nur von vielen weiblichen Formel-1-Fans. Die erfrischende Art des Bolognesers ist einfach entwaffnend. Antonelli ist kein PR-Abteilungs-stromliniengeformter Floskeln-Drescher, sondern seine Antworten sind offen, ehrlich, der 20-Jährige ist authentisch, neugierig, immer für einen Spass zu haben, aber überaus ernsthaft, wenn es dann um seinen Job geht.
Antonelli ist dank seiner Familie, allen voran dank Papa Marco, überaus erdverbunden; keine Spur von einem Sportler, dem jetzt alles langsam ein wenig zu Kopf steigt. Ja, er war schon als Teenager ein GP-Sieger, aber das heisst nicht, dass er sich deswegen für etwas Besseres hält.
Seine Entwicklung vom ersten zum zweiten Jahr Formel 1 ist überaus erstaunlich, auch körperlich: Als er erstmals im GP-Rennwagen sass, wirkte er wie ein Zahnstocher, jetzt ist er ein Muskelpaket.
Ich kennen niemanden im Fahrerlager, der über Antonelli ein böses Wort verlieren würde. Sein Team liebt ihn, seine Gegner achten ihn.
Im Umgang mit Antonelli wird schnell klar: Das ist ein junger Mann, der von zuhause sehr gute Werte mit auf den Weg bekommen hat.
Seine Papa Marco Antonelli, ständiger Begleiter Kimis an den Rennstrecken der Welt, hat sich mit unserer Kollegin Giulia Toninelli von der Gazzetta dello Sport an einige Erlebnisse aus der Kindheit von Kimi erinnert, angefangen mit einer Szene, da war der Sohn noch ein Baby.
«Wir waren 2007 auf der Rennstrecke von Sarno. Kimi war gerade ein Jahr alt geworden, und wir hatten ihn zu dieser Veranstaltung mitgenommen, die von einem Unternehmen mit Strassen-, Renn- und Kartfahrzeugen organisiert wurde.»
«Es waren viele Gäste da, und ich erinnere mich, dass ich mich irgendwann, als gerade eine Pause war, hinter das Steuer eines Karts gesetzt und ihn auf den Schoss genommen habe. In diesem Alter erschrecken sich Kinder normalerweise vor dem Lärm, aber am Ende der Runde hob Veronica, seine Mutter, ihn aus dem Kart, und Kimi fing sofort an zu weinen, weil er seine Händchen nicht vom Lenkrad nehmen wollte.»
«Ein anderes Mal, als er zehn Jahre alt war und noch immer auf meinem Schoss sass, haben wir in Adria mit einem Lamborghini Super Trofeo ein paar Runden auf der Rennstrecke gedreht. Ich habe gebremst und Gas gegeben, er hat geschaltet. Irgendwann waren wir wirklich perfekt aufeinander eingespielt, fuhren ziemlich schnell und gerieten an der ersten Bremsstelle der Strecke ins Übersteuern: Er hat das perfekt unter Kontrolle gebracht, als hätte er das schon dutzende Male gemacht. Da wurde mir sein Talent bewusst.»
Aber die Formel 1 war damals in weiter Ferne, wie Marco Antonelli betont: «Wir haben die Königsklasse nie als ein Ziel betrachtet, das um jeden Preis erreicht werden muss. Der Motorsport war schon immer Teil unseres Alltags als Familie, daher hat Kimi mit derselben Einstellung angefangen zu fahren, mit der wir unser Team leiten.»
«Dann kam die Formel 1, dank des Talents, das Kimi bewiesen hat, aber auch dank einer Portion Glück, dass Mercedes an ihn geglaubt hat. Wir haben jedoch nie mit dem Gedanken gespielt, dort anzukommen, wo wir jetzt sind – man muss sich nur vor Augen führen, dass der Traum meines Sohnes als Kind nicht darin bestand, in der Formel 1 zu fahren, sondern in der DTM!»
Und nun ist dieser Kimi als 20-Jähriger Weltmeister. Marco Antonelli: «Wir versuchten immer, nicht an den Titel zu denken. Wir arbeiteten so, wie wir es immer getan haben: Wir konzentrieren uns auf ein Rennen nach dem anderen und versuchen, die Ergebnisse zu maximieren, wenn wir nicht gewinnen können.»
Die Wünsche von Marco für seinen Sohn: «Zuallererst Gesundheit, etwas, das wir viel zu oft als selbstverständlich ansehen. 2026 haben wir Abschied von einem jungen Rennfahrer genommen, der erst 39 Jahre alt war (Cedric Sbirrazzuoli, die Redaktion) und einer Krankheit zum Opfer fiel; er war in der Vergangenheit auch für mein Team gefahren, und Ereignisse wie dieses rücken die Prioritäten wieder in die richtige Reihenfolge.»
«Zudem wünsche ich Kimi, dass er so bleibt, wie er ist – liebenswürdig und grosszügig – und dass er so lange wie möglich das tun kann, was er liebt.»
Wann fährt Kimi Antonelli für Ferrari?
Wie war das jetzt mit der Frage einiger Tifosi: Wieso sitzt Kimi in einem Mercedes und nicht in einem Ferrari? Das kam so …
Der frühere Ferrari-Chef Luca Cordero di Montezemolo stammt wie Kimi aus Bologna und hat im Corriere della Sera festgehalten, was er bei Antonelli bedauert.
Montezemolo ehrlich: «Es wurmt mich schon ein bisschen, ihn in einem Mercedes zu sehen. Ich würde ihn liebend gerne in einem Ferrari erleben.»
Aber wieso ist das eigentlich so? Hat Ferrari bei der Talentsuche den jungen Kimi einfach übersehen? Oder hat da jemand geschlafen?
Montezemolo sagt dazu Sky Italien: «Ich weiss, dass unser damaliger Sportdirektor Massimo Rivola die Absicht hatte, Antonelli unter Vertrag zu nehmen.»
Giovanni Minardi (Sohn von Rennstallgründer Giancarlo Minardi) hat gegenüber der Gazzetta dello Sport festgehalten: «Wir begannen früh damit, daran zu arbeiten, Kimi möglichst schnell in eine Nachwuchsförderung zu bringen. Wir sprachen sowohl mit Ferrari als auch mit Mercedes – es war wichtig, klug zu handeln und denjenigen Partner auszuwählen, der die grössten Garantien bieten konnte.»
Marco Antonelli hat dazu im Portal Formula Passion gesagt: «Kimi war elf Jahre alt und durfte sogar den Simulator in Maranello ausprobieren – denselben, der für die Schüler der Fahrer-Akademie von Ferrari entwickelt worden war. Alles war vorbereitet, um meinen Sohn bei Ferrari unterzubringen.»
«Aber Maurizio Arrivabene, damals Chef der Rennabteilung, sagte letztlich, mein Kind sei für das Nachwuchsprogramm noch zu jung. Einige Monate später meldete sich Mercedes bei uns, und der Rest ist Geschichte.»
Mercedes hat mit der frühen Förderung von Kimi Antonelli alles richtig gemacht, und der Italiener hat eine wunderbare Karriere vor sich.
Aber ich behaupte: Kimi Antonelli wird früher oder später in einem Ferrari sitzen.
Der inzwischen 79-jährige Montezemolo sagt gegenüber der Bologneser Tageszeitung Il Resto del Carlino: «Kimis Leistung verändert schon jetzt die Geschichte des Automobilsports und des italienischen Sports. Und das sage ich als einer, der ich in meiner langen Zeit bei Ferrari nie die Gelegenheit hatte, den Titel zusammen mit einem italienischen Fahrer zu verfolgen. Ein bisschen tut es mir leid, aber damals waren zwei Siegfahrer wie Michele Alboreto und Riccardo Patrese schon am Ende ihrer Karrieren, und es gab keine Italiener von ihrem Kaliber, der zu jener Zeit am Nachrücken war.»
«Wir spüren bei Kimi die ganze Kraft seiner Familie. Wir leben in Zeiten, in denen die soziale Zersetzung gerade von der ersten Zelle, der Familie, ausgeht. Kimi hat das Glück, mit Eltern aufzuwachsen, die ihm gute Werte des Lebens vermittelt haben. Ich möchte dies betonen, unabhängig von den sportlichen Ergebnissen, und es macht mich besonders stolz, dass dieser Junge, neben seinen Wurzeln in Bologna, auch ein Teil von mir ist. Manchmal denke ich: Es ist total verrückt, dass der erste Erbe von Formel-1-Weltmeister Alberto Ascari ausgerechnet in Bologna geboren wurde, 20 Autominuten vom Ferrari-Sitz Maranello entfernt.»
Alle Formel-1-Weltmeister
2026: Kimi Antonelli (I), Mercedes
2025: Lando Norris (GB), McLaren-Mercedes
2024: Max Verstappen (NL), Red Bull Racing-Honda
2023: Max Verstappen (NL), Red Bull Racing-Honda
2022: Max Verstappen (NL), Red Bull Racing-Honda
2021: Max Verstappen (NL), Red Bull Racing-Honda
2020: Lewis Hamilton (GB), Mercedes
2019: Lewis Hamilton (GB), Mercedes
2018: Lewis Hamilton (GB), Mercedes
2017: Lewis Hamilton (GB), Mercedes
2016: Nico Rosberg (D), Mercedes
2015: Lewis Hamilton (GB), Mercedes
2014: Lewis Hamilton (GB), Mercedes
2013: Sebastian Vettel (D), Red Bull Racing-Renault
2012: Sebastian Vettel (D), Red Bull Racing-Renault
2011: Sebastian Vettel (D), Red Bull Racing-Renault
2010: Sebastian Vettel (D), Red Bull Racing-Renault
2009: Jenson Button (GB), BrawnGP-Mercedes
2008: Lewis Hamilton (GB), McLaren-Mercedes
2007: Kimi Räikkönen (FIN), Ferrari
2006: Fernando Alonso (E), Renault
2005: Fernando Alonso (E), Renault
2004: Michael Schumacher (D), Ferrari
2003: Michael Schumacher (D), Ferrari
2002: Michael Schumacher (D), Ferrari
2001: Michael Schumacher (D), Ferrari
2000: Michael Schumacher (D), Ferrari
1999: Mika Häkkinen (FIN), McLaren-Mercedes
1998: Mika Häkkinen (FIN), McLaren-Mercedes
1997: Jacques Villeneuve (CAN) Williams-Renault
1996: Damon Hill (GB), Williams-Renault
1995: Michael Schumacher (D), Benetton-Renault
1994: Michael Schumacher (D), Benetton-Ford
1993: Alain Prost (F), Williams-Renault
1992: Nigel Mansell (GB), Williams-Renault
1991: Ayrton Senna (BR), McLaren-Honda
1990: Ayrton Senna (BR), McLaren-Honda
1989: Alain Prost (F), McLaren-Honda
1988: Ayrton Senna (BR), McLaren-Honda
1987: Nelson Piquet (BR), Williams-Honda
1986: Alain Prost (F), McLaren-TAG
1985: Alain Prost (F), McLaren-TAG
1984: Niki Lauda (A), McLaren-TAG
1983: Nelson Piquet (BR), Brabham-BMW
1982: Keke Rosberg (FIN), Williams-Ford
1981: Nelson Piquet (BR), Brabham-Ford
1980: Alan Jones (AUS), Williams-Ford
1979: Jody Scheckter (ZA), Ferrari
1978: Mario Andretti (USA), Lotus-Ford
1977: Niki Lauda (A) Ferrari
1976: James Hunt (GB), McLaren-Ford
1975: Niki Lauda (A), Ferrari
1974: Emerson Fittipaldi (BR), McLaren-Ford
1973: Jackie Stewart (GB), Tyrrell-Ford
1972: Emerson Fittipaldi (BR), Lotus-Ford
1971: Jackie Stewart (GB), Tyrrell-Ford
1970: Jochen Rindt (A), Lotus-Ford
1969: Jackie Stewart (GB), Matra-Ford
1968: Graham Hill (GB), Lotus-Ford
1967: Denny Hulme (NZ), Brabham-Repco
1966: Jack Brabham (AUS), Brabham-Repco
1965: Jim Clark (GB), Lotus-Climax
1964: John Surtees (GB), Ferrari
1963: Jim Clark (GB), Lotus-Climax
1962: Graham Hill (GB), BRM
1961: Phil Hill (USA), Ferrari
1960: Jack Brabham (AUS), Cooper-Climax
1959: Jack Brabham (AUS), Cooper-Climax
1958: Mike Hawthorn (GB), Ferrari
1957: Juan Manuel Fangio (RA), Maserati
1956: Juan Manuel Fangio (RA), Ferrari
1955: Juan Manuel Fangio (RA), Mercedes
1954: Juan Manuel Fangio (RA), Maserati und Mercedes
1953: Alberto Ascari (I), Ferrari
1952: Alberto Ascari (I), Ferrari
1951: Juan Manuel Fangio (RA), Alfa Romeo
1950: Giuseppe Farina (I), Alfa Romeo
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