Damon Hill: Tod immer präsent, Ferrari-Angebot abgelehnt – wegen Schumacher
Vor 30 Jahren, beim WM-Finale von Japan am 13. Oktober 1996, wurde der Engländer Damon Hill Formel-1-Weltmeister. Er spricht über sein Leben und wieso er eine Offerte von Ferrari ausgeschlagen hat.
Es war der Höhepunkt seiner Formel-1-Karriere: Damon Hill wurde beim Grossen Preis von Japan in Suzuka, am 13. Oktober 1996, Weltmeister. Wie Jahre davor auch sein Vater Graham Hill (Champion 1962 und 1968).
Vor ein paar Jahren teilte der heute 66-jährige Damon Hill sehr persönliche Erinnerungen an seinen Vater, gegenüber unseren Kollegen vom Guardian. Damon blickte auf seine Kindheit zurück, die von der Angst um seinen Vater Graham Hill geprägt war.
«Damals war die Formel 1 entsetzlich», betont Damon, der gesteht: «Der Tod war in meiner Kindheit immer präsent.»
«Es war ein brutaler Sport. Ich weiss noch, wie ich damals dachte, dass mein Vater beim nächsten Weihnachtsfest vielleicht nicht mehr da sein würde oder vielleicht schon kommende Woche. Ein Teil von mir war beeindruckt, dass mein Vater etwas Besonderes war und etwas Gefährliches machte. Aber ein anderer Teil von mir dachte einfach nur: ‘Ich will nicht. dass er stirbt, ich will nicht, dass er das macht.’»
«Die ganze Familie richtete sich nach Papas Wünschen. Die Hauptaufgabe meiner Mutter war dafür zu sorgen, dass alles nach seinen Vorstellungen lief. Meine Schwestern und ich kamen in diesem Projekt nur an zweiter Stelle.»
«Meine Schwester Brigitte ist 18 Monate älter als ich, Samantha ist vier Jahre jünger. Wir hatten in den jüngeren Jahren schon eine gewisse geschwisterliche Rivalität, denn wir buhlten um die Aufmerksamkeit unseres Vaters. Als einziger Sohn von Graham Hill wurde ich die ganze Zeit in Autos gesteckt und fotografiert – anders als meine Schwestern.»
Dann kam der schicksalshafte 29. November 1975, in dem Hill und fünf weitere Mitglieder seines Teams bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kamen. Hill flog die Piper Aztec, die er sich von der Siegprämie für das Indy 500 gekauft hatte, als sie beim Anflug auf den Flughafen Elstree in dichtem Nebel über der Ortschaft Arkley in Grossbritannien abstürzte.
Damon weiter: «Ich war 15 Jahre alt, als mein Vater starb. Sein Tod war eine emotionale Atombombe. Er kam aus dem Nichts – mein Vater hatte seinen Rennfahrer-Helm gerade an den Nagel gehängt und meine Mutter, meine Schwestern und ich hatten die Sorgen, die wir jahrelang mit uns rumgetragen haben, endlich abgelegt.»
«Sein Tod traf uns sehr hart. Da war ein Loch – ein Krater – wo er vorher war. Ich kam damit klar, indem ich mir selbst sagte: ‘Es ist nicht gut, Selbstmitleid zu empfinden. Wir hatten das Glück, Zeit mit ihm erlebt zu haben.’»
Aber der Verlust seines Vaters brachte auch ein neues Gefühl für Freiheit mit sich. Damon erklärt: «Ich schätzte meinen Vater über alles, doch als er starb, hatte ich die Chance, ich selbst zu sein. Da war dieses Gefühl der Erleichterung. Ich musste mir keine Sorgen mehr machen, ob mein Vater gut findet, was ich mache. Es war ein kompliziertes Freiheitsgefühl, das sich auf Kosten seines Lebens einstellte.»
Erst nach dem Ableben seines Vaters wandte sich Damon Hill der Rennfahrerei zu: «Der Tod meines Vaters weckte in mir den Wunsch, seinem Beispiel zu folgen und Rennfahrer zu werden. Vor seinem Tod hatte ich nie das Bedürfnis, Rennen zu fahren, und vielleicht wäre dieses Verlangen auch nie aufgekommen, wenn er nicht gestorben wäre – ich weiss es wirklich nicht. Ich weiss aber, dass es mir nicht so sehr gefehlt hat, seit ich es aufgegeben habe.»
Der 22-fache GP-Sieger gesteht unumwunden: «Mit der Rennfahrerei hielt ich die Erinnerung an meinen Vater am Leben. Meine Leistungen gehörten mir, aber sie standen gezwungenermassen immer in Verbindung mit dem Erbe meines Vaters. Auf gewisse Weise erlaubte mir das, ihn als Erwachsenen kennenzulernen, wie ich es anders nicht hätte tun können. Weil ich wusste, was er durchmachen musste, kam ich ihm näher. Aber es ist sehr schwierig, die gleichen Karrierepfade wie dein Vater einzuschlagen, wenn dieser sehr erfolgreich war.»
Damon Hill und das Angebot von Ferrari
Anfang 2026 war Damon Hill zu Gast beim Podcast Stay on Track, wo sein frühere Pistengegner Johnny Herbert als Co-Gastgeber arbeitet. Der Engländer Herbert fragte dabei seinen Landsmann, ob er, Damon, jemals für Ferrari gefahren wäre.
Hill antwortete: «Ich kann mir schon vorstellen, dass es da eine Möglichkeit gegeben hätte. Ich hatte eine ganz fundamentale Regel: Ich will im besten Auto sitzen, mit den besten Erfolgschancen. Wenn der Ferrari also eines der besten Autos gewesen wäre, dann …»
Bevor die Hörer des Podcasts ein Schnappatmung verfielen, legte Hill nach: «Nun, ich habe abgelehnt. Ich brauchte damals dringend ein Cockpit, und Ferrari-Teamchef Jean Todt meinte, ich solle doch mal vorbeikommen und mit ihm reden, dann könnten wir das Ganze bequatschen, ganz unverbindlich.»
«Also bin ich nach Italien gefahren und habe ihn in einem Haus getroffen. Todt sagte zu mir: ‚Damon, du müsstest die Nummer 2 sein hinter Michael.‘»
«Also habe ich das grosszügige Angebot abgelehnt. Für mich war das eine Offerte, die ich ausschlagen musste. Vielleicht hätte ich das rückblickend anders machen müssen, vielleicht hätte ich wirklich zu Ferrari gehen sollen.»
«Wie dem auch sei – es spielt keine Rolle mehr, denn jemand hat Jean Todt das vor Jahren gefragt, ob es dieses Angebot gab, und er hat bestritten, dass ich jemals mit ihm gesprochen habe. Also muss ich das ja dann wohl geträumt haben!»
Hill zog für 1997 nicht zu Ferrari, sondern zum Arrows-Rennstall. Dort hätte er um ein Haar den Ungam-GP gewonnen, doch wegen eines Hydraulikdefekts wurde Damon langsamer, und in der letzten Runde konnte ihm Jacques Villeneuve die Führung abnehmen!
Hill wechselte für 1998 zu Jordan und eroberte dort den ersten Sieg des Rennstalls, 1998 in Spa-Francorchamps.
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