Pechvogel Escrig (Forward): «Wäre schön gewesen, den Kreis zu schließen!»
Für Alex Escrig endete das Moto2-Rennen in Indonesien bitter. In Führung liegend, musste er in der vorletzten Runde wegen eines Defekts aufgeben. Weshalb es dennoch sein bestes Wochenende war.
Es hätte ein großes Wochenende werden können für Alex Escrig und das Team Forward Racing. Doch wenige Kilometer vor dem Ziel fand der Traum ein trauriges Ende.
Doch der Reihe nach. Escrig und das Underdog-Team Forward Racing haben in diesem Jahr schon oft bewiesen, dass sie einen großen Schritt nach vorn gemacht haben. In den Trainingssessions und Qualifyings war Escrig oft bei den Schnellsten dabei. Und auch in den Rennen lief es gut. Der bisherige Höhepunkt war Platz 3 in Silverstone – es war für den Spanier der erste Podestplatz in der Motorrad-WM.
Am vergangenen Wochenende hatte sich von Anfang an angedeutet, dass in Indonesien der ganz große Coup in Reichweite war. Mit jeweils Platz 2 im FP1 und im Zeittraining am Freitag startete Escrig stark in das Event auf dem Mandalika International Street Circuit. Im Qualifying am Samstag stellte er seine türkisfarbene Forward auf Startplatz 2.
Im Rennen erwischte Escrig einen guten Start – er reihte sich in der ersten Kurve hinter Pole-Setter Izan Guevara ein. Hinter den beiden krachte es: Aspar-Pilot Daniel Holgado fuhr Teamkollege David Alonso ins Heck. Beide stürzten, ebenso wie Joe Roberts (American Racing) und Collin Veijer (KTM Ajo). Das Rennen wurde danach unterbrochen.
Beim Neustart kam Escrig am besten weg – er gewann den Sprint zur ersten Kurve. Der 22-Jährige und Guevara konnten sich dann in der Anfangsphase schnell vom Verfolgerfeld absetzen. Escrig fuhr danach ein kontrolliertes Rennen, zwischenzeitlich konnte er seine Führung auf Guevara ausbauen. In den letzten Runden kam der Pramac-Pilot wieder näher – er wollte zur finalen Attacke gegen Escrig ansetzen. Doch zum Duell der beiden Spanier kam es nicht mehr, weil Escrig sein Motorrad in der vorletzten Runde aufgrund eines technischen Defekts am Streckenrand abstellen musste.
Escrig schlug die Hände über dem Kopf zusammen, in der Forward-Box schrie seine Crew laut auf. Sie konnten es nicht fassen – man war so nah dran am ersten GP-Sieg. Anstatt dessen folgte der große Schock.
Alex Escrig: «Wir haben fünf weitere Gelegenheiten, um wieder Spaß zu haben»
Alex Escrig nahm es sportlich. Mit etwas Abstand zum Geschehenen schrieb er auf seinem Instagram-Kanal: «Wie schön es doch ist, immer wieder Neues vom Leben zu lernen. Einmal mehr wird einem bewusst, dass im Leben die Dinge selten so laufen, wie man es erwartet. Dass Wollen noch lange nicht gleich Können ist und dass Glück aus einem selbst kommt.» Er strich das Positive heraus und blickte am Sonntag gleich wieder nach vorn. «Es stimmt zwar, dass wir den Sieg nicht errungen haben, aber ich habe das Wichtigste erreicht: Alle Ziele zu erfüllen, die ich mir vorgenommen hatte. Es war ein wunderschönes Wochenende, das beste meiner sportlichen Karriere. Ich hatte am Sonntag ganz klare Vorstellungen, und genau so wurden sie auf der Strecke umgesetzt. Es wäre sehr schön gewesen, wenn ich an diesem Sonntag, dem 11. Oktober, den Kreis geschlossen hätte, indem ich diese Marke ganz nach oben auf das Podium gebracht hätte, aber darum geht es eben im Wettkampf. Wie ich mir auf den Arm geschrieben habe: ‘It is what it is. Accept it and move on.’ Wir haben von nun an fünf weitere Gelegenheiten, um wieder Spaß zu haben. Dieses Rennen bleibt mir in Erinnerung – ich hoffe, ihr habt es auch so sehr genossen wie ich. Australien, auf geht’s!»
Der Australien-GP findet in zwei Wochen statt. Dort hat Alex Escrig die nächste Gelegenheit, seinen ersten GP-Sieg zu holen. Ob ihm dies auf Phillip Island oder bei den vier nachfolgenden Saisonevents zusammen mit Forward Racing noch gelingt, wird sich zeigen. 2027 wird er mit Italtrans Racing einen neuen Anlauf unternehmen. Fix ist: Es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Kumpel von Pedro Acosta ganz oben auf dem Podest steht.
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