Nach Ferrari-Flirt von Christian Horner: Auf einmal ist alles ganz anders
Der langjährige Red Bull Racing-Teamchef Christian Horner weiss ganz genau, wie er Schlagzeilen erzeugt. Doch nach seinem Flirt mit Ferrari krebst der Engländer nun auf einmal zurück. Merkwürdig.
Kein Posten ist so wackelig wie jener des Ferrari-Steuermannes. Die Tifosi und die italienische Presse sind gnadenlos. Hat Ferrari keinen Erfolg, muss der Teamchef den Kopf hinhalten, eher früher als später.
Es hilft auch nicht, wenn Aussenstehende weitere Unruhe ins Team bringen. Dem Engländer Christian Horner muss niemand erklären, wie man auf dem Medienklavier klimpert. Und um sein neues Buch zu propagieren, darf es auch gerne etwas Kontroverses sein – etwa, indem sich der 52-Jährige ziemlich dreist als Vasseur-Nachfolger platziert.
Christian Horner gegenüber der Times: «Ich war schon einmal Angestellter. Ich habe 21 Jahre lang an der Boxenmauer gesessen. Da muss ich nicht noch einmal hin. In dieser Phase meines Lebens gibt es nur ein Team, bei dem ich akzeptieren würde, nicht an der Eigentümerschaft beteiligt zu sein.»
«Würde ich Ferrari in Betracht ziehen? Ferrari ist die grösste Marke in der Formel 1. Das ist der Traum. Und man könnte sagen, es ist der schlafende Riese der Formel 1.»
Horner, bescheiden wie immer: «Ich denke, die Tatsache, dass man 14 Monate nach meinem Ausscheiden aus dem Sport immer noch über mich spricht, zeigt, dass es nach wie vor eine Nachfrage gibt. Vielleicht war ich doch nicht so unbeliebt.»
In Baku sind Lewis Hamilton und Fred Vasseur auf die Horner-Aussagen angesprochen worden. Vasseur meint: «Wir arbeiten nicht in völliger Ruhe. Das gilt in erster Linie für mich, aber auch für alle anderen im Team. Es ist eine etwas frustrierende Situation, dass 50 Prozent der Fragen sich auf solche Zusammenhänge beziehen. Herr Horner sucht einen Job – das weiss jeder – und zwar überall.»
So stärkte Ferrari Fred Vasseur den Rücken
Ferrari musste sogar die leitende Firmensprecherin Maria Conti bemühen, um klarzustellen: «In den letzten Tagen gab es vermehrt Spekulationen rund um die Scuderia Ferrari HP, insbesondere im Hinblick auf deren Führung. Die Haltung von Ferrari ist klar und hat sich nicht geändert.»
«Wir haben volles Vertrauen in Fred Vasseur und sein Team – und das bleibt auch so. Im Moment ist es entscheidend, dass das Team geeint und geschlossen auftritt und wir unsere gesamte Energie auf die anstehenden Aufgaben konzentrieren. Deshalb wollen wir Spekulationen oder Kommentare zu Vermutungen von ausserhalb des Unternehmens unbedingt vermeiden und auch nicht befeuern. Das bezieht sich nicht nur auf den Bericht der ‚Times‘ über Herrn Horner, sondern generell auf die vielen Spekulationen, die es dazu gibt.»
Aber – wir staunen – nun ist auf einmal alles anders. Denn gegenüber dem Guardian schlägt Horner nun diese Töne an: «Fred Vasseur ist eine erfahrene Person, er hat gute Arbeit geleistet. ich kenne wie niemand sonst den Druck, der mit der Leitung einer Organisation dieser Grössenordnung verbunden ist. Meine Aussagen wurden aus dem Kontext gerissen.»
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