Kimi Antonelli-Siegchance in Österreich weg, weil Mercedes falsch rechnete?
Die Fans freuten sich über den spannenden Österreich-GP mit Russell gegen Verstappen. Von hinten rückte Antonelli näher, zum Schluss der schnellste Mann. Hat Mercedes den WM-Leader den Sieg gekostet?
WM-Leader Kimi Antonelli ist nach dem unterhaltsamen Traditions-GP von Österreich mit sich selber hart ins Gericht gegangen. Der 19-jährige Italiener erzählte: ««Ich war da in den ersten paar Runden ein wenig übermotiviert, da bin ich wirklich nicht gut gefahren, viel zu viele Fehler.»
«Ich hatte Mühe mit den Bremsen, der Bremspedal war lang, ich hatte kein richtiges Gefühl, aber das darf keine Ausrede sein. Ich verlor Plätze und gewiss vier bis fünf Sekunden aus eigener Schuld.»
«Nach dem Reifenwechsel kam ich besser in Schwung und fand endlich einen guten Rhythmus. Zum Schluss hin fand ich endlich mein Tempo, aber leider kam ich zur Party da vorne ein wenig zu spät.»
Was der Teenager aus Bologna nicht sagt: Einer der Gründe, wieso er ein wenig spät zur Party kam, war die Rennstrategie von Mercedes.
Wir blenden zurück: In der 42. Runde lag Russell eine Sekunde vor Verstappen und sieben vor Antonelli. Mercedes wollte sich gegen ein Unterschneiden von Red Bull Racing absichern – wenn der Verfolger früher zum Stopp kommt, mit frischen Reifen dann einen sehr hohen Rhythmus fährt und der Führende nach dem eigenen Stopp deswegen auf einmal hinten liegt.
Russell also in der 43. Runde an der Box, damit war klar: Der Brite würde einen langen letzten Rennteil fahren müssen, da war kluges Reifen-Management gefragt. Verstappen ging den anderen Weg: also länger draussen bleiben, um am Ende dann frischere Walzen zu habe.
Mercedes liess auch Antonelli länger draussen, länger sogar als Verstappen. Das kostete Kimi rund drei Sekunden. Aber als die Zielflagge fiel, lag der Italiener nur noch drei Zehntelsekunden hinter Max und weniger als zwei Sekunden hinter Sieger Russell.
Hätte Antonelli mit einer anderen Strategie hier eine Siegchance gehabt? Antwort: mit grosser Wahrscheinlichkeit ja. Denn im letzten Rennteil fiel auf, wie Antonelli nicht nur der schnellste Mann auf der Bahn war, sondern es an seinem Mercedes kaum Reifenabbau zu erkennen gab. Das haben die klugen Köpfe bei Mercedes so wohl nicht auf der Rechnung gehabt.
Anders gesagt: Ein letzter Reifenwechsel drei oder vier Runden früher, und Antonelli wäre nicht zu spät zur Party gekommen, er wäre wohl das grosse Party-Thema gewesen.
Natürlich werden Verschwörungstheoretiker daraus zimmern, dass Mercedes einen riskanten Zweikampf Russell gegen Antonelli verhindern wollte. Das bleibt pure Unterstellung.
Fakt hingegen ist: Mit einer leicht anderen Vorgehensweise hätten wir gut und gerne ein noch spannenderes Finale erlebt.
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