Trackhouse demütigte Werks-Aprilias: «Unsere Fahrer waren einfach besser»
Trackhouse feierte bei der MotoGP in Assen ein historisches Wochenende. Teammanager Davide Brivio sieht den Unterschied zur Aprilia-Werksmannschaft vor allem bei seinen Fahrern.
Historischer hätte das MotoGP-Wochenende in Assen für das Trackhouse-Team kaum verlaufen können. Raul Fernandez gewann am Samstag den Sprint vor Teamkollege Ai Ogura. Einen Tag später drehte der Japaner den Spieß um und feierte im Grand Prix seinen ersten MotoGP-Sieg, während Fernandez den Doppelerfolg komplettierte. Das Satellitenteam stellte damit die Aprilia-Werksmannschaft klar in den Schatten. Ogura verkürzte den Rückstand auf den neuen WM-Leader Jorge Martin zudem auf nur noch 25 Punkte.
Für Teammanager Davide Brivio ist der Doppelsieg ein Meilenstein in der noch jungen Geschichte des US-Teams. «Für uns ist das wie ein Traum», schwärmte der Italiener. «Jedes Team träumt davon, Erster und Zweiter zu werden. Am Samstag ist uns das bereits im Sprint gelungen. Da denkt man noch: Okay, das ist nur der Samstag. Aber am Sonntag haben wir es auch im Grand Prix geschafft, der deutlich mehr zählt.»
Brivio erinnerte daran, dass Trackhouse erst seit kurzer Zeit in der MotoGP vertreten ist. «Wir sind das jüngste Team im Fahrerlager und kein Werksteam. Ai Ogura kam als Rookie zu uns und hat sich kontinuierlich entwickelt. Raul Fernandez verfügt über ein enormes Talent und wir haben versucht, ihn in die Lage zu versetzen, dieses auch zu zeigen.»
Der Italiener verteilte das Lob an viele Beteiligte. «Aprilia hat bei der Entwicklung des Motorrads großartige Arbeit geleistet. Gleichzeitig haben unsere Ingenieure, Mechaniker und alle Mitarbeiter im Team einen fantastischen Job gemacht. Es gibt unglaublich viele Menschen, denen ich danken muss. Für Trackhouse ist das ein historischer Erfolg.»
Was den Unterschied zu den Werks-Aprilias ausgemacht hat
Dass sein Team die Aprilia-Werksmannschaft an beiden Renntagen klar hinter sich ließ, führt Brivio jedoch nicht auf unterschiedliche Technik zurück. «Es ist wichtig zu verstehen, dass wir exakt das gleiche Material haben. Wir teilen sämtliche Informationen. Unsere Ingenieure treffen sich jeden Tag gemeinsam. Es herrscht völlige Offenheit.»
Den Unterschied machte für ihn etwas anderes aus. «Ich glaube, dass unsere Fahrer an diesem Wochenende einfach besser waren. Sie haben einen Weg gefunden, schneller zu sein. Vor allem im letzten Sektor waren Ai, aber auch Raul, fantastisch.» Einen technischen Vorteil schloss Brivio deshalb ausdrücklich aus. «Wir machen nichts besser als das Werksteam. Wir gehen einfach raus und versuchen, das Beste aus unseren Möglichkeiten zu machen.»
Lobeshymne auf Ai Oguras Entwicklung
Besonders beeindruckt zeigte sich Brivio erneut von MotoGP-Rookie Ogura, den er selbst zu Trackhouse lotste. «Ai gehört ehrlich gesagt zu den besten Fahrern, mit denen ich jemals gearbeitet habe. Es gibt nur wenige, aber er wird definitiv einer der Fahrer sein, an die ich mich noch lange erinnern werde.»
Die Verpflichtung des Japaners sei zunächst durchaus kritisch gesehen worden. «Als wir uns für Ai entschieden haben, gab es einige Fragezeichen. Aber wir wussten, welches Potenzial in ihm steckt.» Besonders dessen Arbeitsweise imponiert Brivio. «Er ist unglaublich intelligent und lernt Schritt für Schritt. Ich habe ihn eigentlich nie Rückschritte machen sehen. Nach seiner Verletzung mussten wir zwar noch einmal etwas von vorne anfangen, aber das entspricht einfach seiner Herangehensweise. Er entwickelt sich nicht explosionsartig, sondern baut konsequent auf seinen Erfahrungen auf.»
Dass Ogura nun auf höchstem Niveau erfolgreich ist, freut den Italiener auch aus einem anderen Grund. «Ich bin sehr glücklich, dass er jetzt sein Potenzial zeigen kann. Als Japaner repräsentiert er viele Menschen in Asien. Dort gibt es unzählige Kinder aus dem Asia Talent Cup, die davon träumen, eines Tages MotoGP-Fahrer zu werden. Ai kann für sie eine Inspiration sein. Darauf sind wir sehr stolz.»
Auch sportlich fühlt sich Brivio in seiner Einschätzung bestätigt. «Ai ist ein sehr intelligenter Fahrer und nutzt das Potenzial unseres Motorrads hervorragend. Gleichzeitig gilt das auch für Raul. Beide lagen das ganze Wochenende auf einem ähnlichen Niveau. Raul gewann den Sprint, Ai den Grand Prix. Das zeigt, dass beide Fahrer mit diesem starken technischen Paket derzeit einen hervorragenden Job machen.»
Für Brivio dürfte der Triumph eine besonders emotionale Note haben. Obwohl der 61-Jährige mit der Verpflichtung von Ogura und der Weiterentwicklung von Fernandez den Grundstein für den Erfolg legte, wird er Trackhouse zum Ende der laufenden Saison verlassen.
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