Lewis Hamilton (Ferrari) in Ungarn: Hat dieser eine Fehler alles verdorben?
Ferrari schien auf dem Hungaroring das beste Auto zu haben, dann ging Vieles schief. GP-Experte Martin Brundle deutet auf jenen Punkt hin, an welchem der Ferrari-Express mit Lewis Hamilton entgleiste.
Ferrari-Teamchef Fred Vasseur übte sich in Galgenhumor. Am Sonntagabend nach dem spannenden Grossen Preis von Ungarn verzog der Franzose das Gesicht und meinte: «Wir hatten die schnellsten Autos auf der Bahn, leider am falschen Tag.»
Am ersten Tag auf dem Hungaroring schien Ferrari der Favoritenrolle gerecht zu werden, und so mancher Tifoso freute sich auf eine erste Startreihe in Rot – es wäre das erste Mal gewesen seit Mexiko 2023.
Aber dann warnte Ferrari seinen Superstar Lewis Hamilton in der Quali nicht davor, dass McLaren-Fahrer Oscar Piastri herangeschossen kommt, Hamilton riss seinen Ferrari zu spät zur Seite, daher nicht Startplatz 2 für den Briten, sondern nur P5, strafversetzt von den Rennkommissaren, die bei Behinderung von Gegnern kein Pardon kennen.
Für den langjährigen Formel-1-Fahrer Martin Brundle (158 Grands Prix, 9 Podest-Ränge, WM-Sechster 1992) steht fest: «Das war ein Fehler, der das Wochenende von Lewis mit Ferrari in die falsche Richtung schubste. Aber der entscheidende Fehler, der kam erst später.»
Der 67-jährige Sportwagen-Weltmeister und Le Mans-Sieger in seiner Nachbetrachtung des Rennens bei Sky: «Ferrari sah im gesamten freien Training wie das Team aus, das es zu schlagen gilt, und die meisten in der Boxengasse hielten sie für die Favoriten, auch als Norris ihnen die Pole-Position unter der Nase wegschnappte.»
«Hamilton hatte clever einen brandneuen Satz weicher Reifen gespart, indem er das erste Qualifying-Segment auf mittelharten Reifen überstand. Die neuen weichen Pirelli wären von seinem Startplatz in der ersten Reihe äusserst nützlich gewesen, aber er kassierte eine Startplatzstrafe von drei Plätzen wegen eines harten, wenn auch unbeabsichtigten Blockierens von Piastri.»
Im Rennen folgte die nächste Strafe für Lewis Hamilton: Die Regelhüter erkannten, dass der Ferrari-Star in der Boxengasse zu schnell war. Die logische Folge – fünf Sekunden, addiert auf die Gesamt-Rennzeit. Damit fiel Lewis hinter seinen Ferrari-Stallgefährten Charles Leclerc zurück auf P5.
Brundle weiter: «Es stellt sich heraus, dass Lewis den Geschwindigkeitsbegrenzer tatsächlich einen Augenblick zu früh aufgehoben hat, um Kimi Antonelli, der auf der Strecke war, an der alles entscheidenden Safety Car-Linie zu schlagen, welche die gesamte Strecke quert und welcher darüber entscheidet, wer das Recht hat, vorne zu sein – der Fahrer, der aus der Boxengasse kommt oder der Fahrer auf der Strecke. Es wurde festgestellt, dass Antonelli einen Augenblick früher da war, und daher musste Hamilton nachgeben, obschon er vor Kimi in die Kurve einbog. Ferrari wies ihn korrekt an, er müsse den Platz preisgeben.»
«Das war der wegweisende Moment für den letzten Podestplatz, und daher war die Entscheidung der Regelhüter, dass zu schnelles Fahren in der Boxengasse einen potenziellen Wettbewerbsvorteil darstellt, letztlich richtig – egal wie gering dabei der Spielraum ist.»
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