Moto2, Misano: Jubel & Drama bei Intact, Gonzalez siegte – Agius abgeräumt
Schon nach wenigen Sekunden fehlten die drei schnellsten Moto2-Piloten. Während Polesetter Agius unverschuldet im Kies lag, nutzte Manuel Gonzalez die Situation zum Triumph in Misano.
Das Bild in der Startaufstellung zum Rennen der Moto2 hatte durchaus Ähnlichkeit mit jenem der kleineren WM-Klasse, gut eine Stunde zuvor. Denn ebenfalls bereitet sich der Fahrer der deutschen Intact-GP-Einheit um Jürgen Lingg auf dem besten Startplatz auf Runde 14 der 2026er-Kampagne vor. Mit einer Fabelzeit hatte Senna Agius die Pole an sich gerissen und mit Dani Holgado (2.) mischte auch hier ein Pilot der spanischen Aspar-Mannschaft an der Spitze mit.
Während sich Rookie Angel Piqueras auf Platz 3 gefahren hatte, blieb WM-Spitzenreiter Manuel Gonzalez «nur» Position 5 zwischen Dani Munoz und Ajo-Hoffnung Collin Veijer. Eine größere Aufgabe vor sich hatte der WM-Zweite Izan Guevara. Der Spanier hatte sich auf der Boscoscuro als Achter qualifiziert, wurde aber wegen Bummelns mit einer Grid-Strafe von sechs Positionen belegt – Startplatz 14. In der WM-Tabelle hatte Guevara zuletzt aufgeholt, doch mit 32,5 Punkten im Plus war klar, dass Gonzalez die Adria auch als Spitzenreiter verlassen wird.
Nach gemischten Bedingungen in den freien Sitzungen ging es nun in den GP über intensive 22 Runden bei fabelhaften Verhältnissen mit 25 Grad Lufttemperatur. Los ging es mit einem Drama der Extraklasse. Unglaublich: Die komplette erste Startreihe in Kurve 1 zu Boden – ausgelöst durch die innen anbremsenden Piqueras und Holgado. Agius, der auf gleicher Höhe auf der Rennlinie einbog, hatte keine Chance, der Aussie wurde wegradiert. Glücklicherweise blieb das Trio unversehrt und das Rennen musste nicht abgebrochen werden.
Profiteure waren Collin Veijer und Manuel Gonzalez. Das von 5 und 6 losgefahrene Duo hatte nun freie Fahrt vor Ivan Ortola, Barry Baltus und Filip Salac. An der Spitze gelangen Veijer die schnellsten Runden mit Gonzalez im Schlepptau. Mit einer halben Sekunde Rückstand konnte nur noch Ortola mithalten, dahinter war bereits eine größere Lücke entstanden.
In Runde 5 übernahm WM-Leader Manuel Gonzalez das Kommando. Der Madrilene bremste sich souverän an Veijer in Front und legte sofort einige Zehntel zwischen sich und den Niederländer. Izan Guevara war zu diesem Zeitpunkt auf der achten Position unterwegs.
Derweil gab es Debatten in der Intact-Box. Crash-Verursacher Piqueras war angetreten, um sich bei Senna Agius zu entschuldigen. Auf der Strecke konzentrierte sich Teamkollege auf seinen Job. Während Baltus, Salac und Ortola Jagd auf Veijer machen, zog Gonzalez davon. Nach einem Verbremser von Salac war ein weiterer Verfolger des Leaders weggefallen.
Guevara hatte sich auf Platz 6 verbessert, fuhr nach zehn Runden jedoch knapp vier Sekunden hinter Manuel Gonzalez. Noch vor dem Beginn der zweiten Rennhälfte wurde es wieder spannend, denn Veijer gab sich nicht geschlagen und verkürzte wieder auf 0,4 Sekunden. Spannend auch: Etliche Piloten, darunter der Führende Gonzalez, kassierten Warnungen für Überfahren der Streckenbegrenzung; Baltus und Munoz wurden deswegen sogar in die Long-Lap geschickt.
Auch durch die Strafe von Baltus entwickelte sich das Rennen zu einem Zweikampf zwischen Gonzalez und Veijer. Guevara kreiste mit konstant vier Sekunden hier dem Führenden. Das Rennen blieb spannend – denn sollte auch Gonzalez eine Strafe kassieren – wären Rennen und das Duell mit Guevara wieder komplett offen. Während sich Guevara auf Platz 5 verbessert hatte, bekam die Gruppe Verstärkung von hinten: Arbolino und Vietti hatten sich nach vorne gefahren.
An der Spitze behielt Manuel Gonzalez die Nerven. Der Intact-Racer blieb nicht nur auf seiner Spur, auch zog er Veijer wieder davon. Drei Runden vor der Flagge war der Vorsprung auf 1,6 Sekunden angewachsen. Im Finale setzte sich Gonzalez ungefährdet durch. Die Nummer 18 siegte 2,5 Sekunden vor Collin Veijer und Barry Baltus. Ortola wurde Vierter, Arbolino schnappte sich in den letzten Runden Guevara für Position 5. Den letzten WM-Punkt holte Routinier Aron Canet.
In der WM-Tabelle verschaffte sich Gonzalez mit dem wichtigen Sieg und Guevara auf Platz 6 wieder Luft. Der Intact-Pilot hat nun 47,5 Zähler Vorsprung. Licht und Schatten auch hier bei der deutschen Mannschaft: Nach dem Crash verlor Senna Agius nicht nur die Aussicht auf den Misano-Sieg, auch Platz 3 ging an Ivan Ortola verloren.
Die Analyse des Startdramas durch die FIM-Kommissare dauerte nicht lange: Angel Piqueras wurde als Verursacher bestätigt. Der MSi-Pilot erhielt eine halbe Stunde nach der Zielflagge eine doppelte Long-Lap für das nächste Rennen auf dem Red Bull Ring.
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