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Martin Brundle: Egos und Gier behindern die Formel 1
​Der langjährige Grand-Prix-Fahrer Martin Brundle (58) beobachtet die Machtkämpfe im Hintergrund der Formel 1 mit Sorge: «Egos und Gier behindern die Formel 1. Dabei hätten wir alle Zutaten für einen tollen Sport.»
Formel 1
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Auch wenn Martin Brundle keine Rennen mehr fährt, seine tiefe Leidenschaft für den Sport ist geblieben. Das macht den 58jährigen Engländer nicht nur zu einem der besten Formel-1-Kommentatoren, es macht ihn auch zu einem gleichermassen scharfsinnigen wie besorgten Beobachter der jüngsten Trends.
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Der 158fache Grand-Prix-Teilnehmer spürt zwischen den Rennställen und den neuen Machthabern von Liberty Media viel Elektrizität. Brundle nennt Chase Carey (Formel-1-CEO), Sean Bratches (Geschäftsleiter) sowie Ross Brawn (für Technick und Sport zuständig) scherzhaft "die heiligen drei Könige", jene Machthaber also, welche die Arbeit des langjährigen Formel-1-Promoters und –Diktators Bernie Ecclestone weiterführen. Martin Brundle sagt in seiner Kolumne für die britische Sky: "Die Drei haben eine Schablone für die Zukunft der Formel 1 in Sachen Rennwagen und Budget dargelegt, und die grossen Teams haben keine Freude daran – weil diese Rennställe erkennen, wie ihnen markante Vorteile ausradiert würden." Brundle, Sportwagen-Weltmeister des Jahres 1988, sagt weiter: "Engstirnige Teamchefs nerven und verblüffen mich gleichermassen. Sie sind zu allem entschlossen, um ihr Team zum Sieg zu führen, also ist ihnen das grosse Ganze des Sports ziemlich egal, trotz aller Lippenbekenntnisse. Der letzte Teamchef, der wirklich in Betracht zog, was für den Sport am besten wäre, das war Martin Whitmarsh von McLaren, und wir wissen alle, was mit ihm passiert ist." (Der Engländer wurde Anfang 2014 als McLaren-Teamchef abgelöst, die Red.) "Wir müssen die Rennställe unbedingt vor sich selber schützen. Denn sie scheinen nicht zu begreifen: Ein zerbrechliches Feld von nur 20 horrend teuren Autos, die in verschiedenen Klassen antreten, das kann nur zu einem führen – zum Aussterben. Wir sollten vielmehr 24 Rennwagen von zwölf Rennställen haben, die ungefähr gleich stark sind und die alle so viel Geld machen, dass sie gesund wirtschaften können. Wir hätten heute genügend Geld im System, um das sicherzustellen."
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"Ich kann das noch mehr vereinfachen: Gebt uns 24 konkurrenzfähige Autos, Rennwagen, die schon im Stehen aggressiv und schnell ausstehen, die einen Höllenlärm machen, am Lenkrad die schnellsten und mutigsten Herren der Branche – dann werden wir üppig gefüllte Tribünen erhalten und ein grosses TV-Publikum. Wir haben in der Formel 1 wirklich alle Zutaten, also wieso werden sie nicht richtig eingesetzt?"
"Seit Bernie Ecclestone seinen langjährigen Begleiter Max Mosley als FIA-Chef an seiner Seite verloren hat, sind mir die Teams und die Autohersteller zu mächtig geworden. Als Ergebnis haben wir heute eine Formel 1, welche in einer schnelllebigen medialen, sportlichen und technischen Welt die Menschen zu wenig fesselt."
"Wir müssen endlich Rahmenbedingungen finden, die den Rennställen ungefähr die gleichen Möglichkeiten schenken. Wir brauchen ein Finanzgerüst, das dazu führt, dass die schnellsten und nicht die reichsten jungen Piloten in den Autos sitzen. Dazu brauchen wir eine kluge Mischung aus historischen Schauplätzen und dramatischen neuen GP-Austragungsorten. Und zwar mit Eintrittspreisen, die gerechtfertigt sind." "Was ich komplett sinnlos finde: Wir geben Milliarden für Autos aus, die nach neun Monaten veraltet sind; für Bauteile und Motorsysteme, welche nicht einmal die Fahrer verstehen, geschweige denn Medienvertreter oder Fans. Wir haben hochsensible Autos, die es den Piloten nicht erlauben, nahe genug an den Gegner heranzufahren, um einen Angriff zu wagen."
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"Wenn wir ein Fundament aus gesundem Menschenverstand giessen, dann lasst uns mal sehen, wer mitmachen will. Die Rennställe wissen ganz genau, wie katastrophal es damals für den US-amerikanischen Monoposto-Sport war, eine Splitterserie einzuführen. Die Hersteller und Rennställe haben alles Know-how, um Grand-Prix-Boliden zu bauen, aber sie sind keine Rennstrecken-Promoter, sie sind keine Medienspezialisten und sie sind auch keine Sportbehörde, die alle seit 67 Jahren das Formel-1-Schwungrad am Laufen halten." "Will wirklich ein Spitzenmanager das folgende Etikett tragen? „Ich bin der Mann, der Ferrari oder Mercedes aus der Formel 1 holte, weil die kein Reglement begünstigten, das uns einen klaren Vorteil verschaffte.“ Und dann können sie profithungrigen Aktionären auch gleich erklären, wieso sie neue Regeln verhinderten, welche aus der Formel 1 eine Profitmaschine gemacht hätten." "Nein, das alles frustriert mich wirklich. Wir haben alle Zutaten, um eine neue, dramatische, tolle Formel 1 zu erhalten. Aber Egos und Gier behindern die Formel 1, diesen Weg zu beschreiten. Und wenn ich mir anschaue, wo wir da stehen, dann sind die Brexit-Verhandlungen im Vergleich gesellige Treffen Gleichgesinnter."
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