Soll McLaren auf Mercedes-Motor pfeifen? Günther Steiner: Werdet erwachsen!
McLaren ist seit vielen Jahren Mercedes-Kunde und wurde damit drei Mal Konstrukteurs-Weltmeister. Gemäss Ex-Haas-Teamchef Günther Steiner wäre es für McLaren nun an der Zeit, den eigenen Weg zu gehen.
McLaren vertraut auf Motoren von Mercedes: 99 Mal gewann der Traditionsrennstall mit Triebwerken, auf welchen der berühmte Stern prangt; 1998, 2024 und 2025 ist McLaren mit Mercedes Konstrukteurs-Weltmeister geworden.
2026 läuft jedoch Einiges schief: In China war im Rennen kein McLaren zu sehen, weil die Batterie der Mercedes-Antriebseinheit schlappmachte. In Monaco schied Lando Norris aus, erneut wegen einer mangelhaft arbeitenden Batterie.
Im ersten Teil der Saison fühlte sich McLaren-Teamchef Andrea Stella gemessen am Werksteam im Rückstand. Der Italiener erklärte im März: «Schon beim Testen sind wir auf die Strecke gegangen, haben die Daten angeschaut und gedacht: ‚Oh, das haben wir also. Gut, wie reagieren wir jetzt darauf?‘ Aber so arbeitet man eigentlich nicht in der Formel 1.»
«In der Formel 1 simuliert man vorgängig, was auf der Strecke passiert. Man weiss daher, was man programmiert und wie sich das Auto verhalten wird; man weiss, was auf einen zukommt. Und weil man weiss, was vom Rennwagen zu erwarten ist, richtet man seine Entwicklung darauf aus.»
«Ich muss sagen – als Kundenteam ist dies das erste Mal, dass wir uns richtig in der Defensive fühlen; selbst wenn es darum geht, das Fahrverhalten des Autos vorherzusehen oder abzuschätzen, wie wir es verbessern können.»
McLaren steht nach neun GP-Wochenenden 2026 ohne Pole-Position und ohne Sieg da und mit nur vier Podestfahrten. Mercedes hat alle neun Poles 2026 erobert, dazu sieben Siege und zwölf Podestplätze.
Ein Teil der Probleme konnte McLaren aus der Welt räumen, ein anderer nicht, denn zuletzt in Silverstone meinte Stella weiter: «Die Nutzung der Antriebseinheit ist ganz wichtig, und da haben wir scheinbar immer noch ein kleines Defizit, wenn es darum geht, das Maximum aus der HPP-Antriebseinheit herauszuholen.» (HPP steht für High Performance Powertrains, die Rennmotoren-Abteilung von Mercedes, M.B.)
Stella weiter: «Wenn man sich die GPS-Überlagerung ansieht, wird deutlich, dass wir unser Gespräch mit HPP irgendwie offen halten müssen, denn wir scheinen etwas Leistung zurückzulassen.»
Diese Aussagen nerven den früheren Haas-Teamchef Günther Steiner. Der Südtiroler sagt im Podcast Red Flags: «McLaren ist doch ein Autohersteller, die sollten ihren eigenen Motor bauen! Das würde die Ausreden unterbinden, denn wenn mal etwas schiefgeht, heisst es immer: ‚Oh, wir haben nicht denselben Motor wie Mercedes.‘»
«Sie hatten damals Probleme mit Renault. Sie hatten Probleme mit Honda. Es ist immer irgendwas. Irgendwann muss man erwachsen werden, und sie haben schliesslich genug Geld.»
«McLaren-CEO Zak Brown ist ziemlich gut darin, das Team zu verkaufen und Sponsoring zu akquirieren. Ich sage: Holt euch das Geld, und statt es auf die Bank zu legen, baut euren eigenen Motor. Das würde ein Zeichen setzen!»
«Sie sollten das einfach durchziehen. Red Bull hat es durchgezogen, und denen geht es ziemlich gut. Audi hat es auch durchgezogen. Sie sind ein Autohersteller, sie wollen auf eigenen Beinen stehen und ernst genommen werden. Das könnte McLaren auch.»
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