Standfest? KTM stellte Antrag bei Herstellervereinigung für Sonderrevision
Während sich der MotoGP-Zirkus zur Sommerpause auflöst, arbeiten die Werke weiter an ihrer Leistungsfähigkeit. Bei KTM Racing wird zudem alles dafür getan, die Zuverlässigkeit der RC16 zu garantieren.
Die MotoGP-Saison 2026 hätte für das einzige deutschsprachige Projekt kaum besser beginnen können. Youngster Pedro Acosta glänzte nach unauffälligen Wintertests beim Saisonauftakt und verließ Thailand als WM-Spitzenreiter. Die Definition des Pakets hatte dort in Kombination mit den hohen Temperaturen für volle Konkurrenzfähigkeit gesorgt. Doch bereits beim zweiten Event gab es nicht nur von Acosta Kritik an der Leistungsfähigkeit der RC16.
Zwar hatte man die Maschine in den technischen Passagen optimiert – doch wenn es geradeaus ging, zeigte sich die Kehrseite. In Sachen Topspeed haben die Österreich ihre einstige Überlegenheit bewusst aufgegeben. Zu den Schwierigkeiten, den Prototyp aus Oberösterreich zu 100 Prozent zu nutzen, kamen auch noch Probleme mit der Zuverlässigkeit. Kaum ein GP verging, bei dem ein RC16-Pilot nicht gestoppt wurde. Neben Motorschäden kamen etwa in Catalunya ein Kupplungsdefekt bei Binder und der verheerende Aussetzer der Elektronik am Bike von Acosta dazu. Als in Mugello KTM-Werksfahrer Brad Binder zwei weitere Schäden am Antrieb zu verzeichnen hatte, war längst klar, dass es sich bei den Motorschäden nicht um Einzelfälle handelt.
Bekannt ist: Um die Standfestigkeit der RC16 zu sichern, wurde die Leistung der Vierzylinder-Triebwerke mittels reduzierter Drehzahl heruntergefahren. Denn Revisionen der verplombten Antriebe sind zwar gestattet, doch nur im Rahmen der festgeschriebenen Motorenkontingente je Hersteller und Fahrer – im Falle von KTM sieben Aggregate.
Laut KTM-Rennsportchef Pit Beirer wurden in der Rennabteilung früh alle Hebel in Bewegung gesetzt, um die Ursache zu erforschen – und abzustellen. Was nach einer enormen Kraftanstrengung und Durchforstung sämtlicher in Frage kommender Bauteile des RC16-Antriebs auch gelang. Pit Beirer verriet gegenüber SPEEDWEEK.com: «Wir haben schließlich herausgefunden, dass wir hochbelastete Teile im Antrieb verwenden, die in der Güte nicht der vorgegebenen Spezifikation entsprechen. Diese kritischen Teile im Motor haben unter gewissen Bedingungen versagt. Es handelt sich um Bauteile eines Zulieferers und wir können nach der Erforschung der Ursache nun auch ausschließen, dass diese Schäden mit 'korrekten' Teilen auftreten.»
Praktisch ist das Problem damit aber nicht vom Tisch. Denn die Charge der betroffenen «Defektteile» erstreckt sich über das bestehende 2026er-Motorenkontingent der Österreicher. Auch im Sinne der Sicherheit fiel bei KTM die Entscheidung für eine pragmatische Entscheidung, wie Pit Beirer berichtete: «Wir haben bei der Herstellervereinigung MSMA mit ausführlicher Dokumentation einen Sonderantrag gestellt und darum gebeten, die betroffenen Motoren in der Sommerpause unter kontrollierten Bedingungen zu öffnen, um die kritischen Motorteile durch den korrekten Teil der identischen Spezifikationen zu ersetzen. Während des Sachsenring-GP kamen hier bereits positive Rückmeldungen, einige stehen allerdings noch aus. Wir hoffen auch hier auf gute Kooperation und zeigen gegenüber allen Beteiligten volle Transparenz, was den gesamten Vorgang betrifft.»
Wird dem Antrag von KTM Factory Racing stattgegeben, dürfen die Techniker die Triebwerke der RC16 entsprechend öffnen und unter Aufsicht der Techniker der Teamvereinigung IRTA instandsetzen. Veränderungen sind untersagt. Am aktuellen Motorenstatus würde sich hingegen nichts ändern. Treten weitere Schäden auf, werden diese auf das 2026er-Kontingent angerechnet. Je KTM-Athlet können maximal sieben Triebwerke verwendet werden. Wird das Limit gesprengt, wird der Pilot beim Einsatz des zusätzlichen Motors mit einem Start aus der Boxengasse bestraft.
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