«Nur die Besten sterben jung» – Ralf Waldmann würde heute 60 Jahre alt
Am 10. März 2018 fiel der strahlende Stern Ralf Waldmann vom Racing-Himmel und Motorsport-Deutschland – ja sogar die Motorsport-Welt – in tiefe Trauer. Am 14. Juli 2026 wäre er 60 Jahre alt geworden.
«Die Besten sterben jung» ist eine oft benutzte Plattitüde, und doch wurde diese nach dem 10. März 2018 mal wieder öfters benutzt. An jenem Samstag erlag der nimmermüde Ex-Rennfahrer Ralf Waldmann unerwartet im Alter von nur 51 Jahren einem Herzinfarkt.
Dass «Waldi», wie er eigentlich von allen nur liebevoll genannt wurde, rein sportlich gesehen alle für diese Formulierung notwendigen Eigenschaften erfüllte, ist unbestritten. Bei 169 Grands Prix stand er am Start und gewann davon deren 20. Damit ist der Ennepetaler hinter Toni Mang in Sachen GP-Siege der zweiterfolgreichste deutsche Solo-Rennfahrer.
Jeder liebte «Waldi»
Ein Weltmeistertitel war ihm leider nicht vergönnt, was seiner Popularität allerdings keinerlei Abbruch tat. Ganz im Gegenteil, es war vor allem die menschliche Komponente, die aus dem erfolgreichen Sportler einen allseits beliebten und geschätzten Star machte. Menschen, die nicht mit ihm auskamen, gibt es praktisch nicht. Medienschaffenden gegenüber freundlich zu sein, ist keine Kunst, und doch schafft das der eine oder andere nicht. Allen Fans gegenüber freundlich und nie abweisend zu sein, egal wie groß der Trubel auch gerade ist, hingegen schon. Eine Kunst, die «Waldi» beherrschte, wie kaum ein Zweiter und ihn nahezu einzigartig machte. Schlicht, er war ein feiner Kerl. Unterstrichen wurde diese Feststellung mit dem Fakt, dass zu seiner Beerdigung und Trauerfeier am 20. März 2018 in seiner langjährigen Heimatstadt Ennepetal, neben mehreren Hundert Menschen, sogar sein ehemaliger Rivale Max Biaggi aus Italien anreiste.
Dabei meinte es das Leben nicht immer gut mit ihm. Schlechte Berater und Scharlatane scharten sich um ihn und brachten ihn ein ums andere Mal um sein schwer und mit vielen Entbehrungen verdientes Geld. Seine Ehe mit der Autorennfahrerin Astrid Grünfelder scheiterte. Ihr gemeinsamer Sohn Leo versuchte sich zwar bei den Mini-Bikes, verlor aber bald die Lust daran. Auch der Kontakt zu seinem bei der Mutter in Bayern lebenden Sohn wurde laufend weniger.
Eine seiner besseren und zudem eigenen Entscheidung in seinem Leben war, beim dem Tode geweihten MZ-Projekt von Martin Wimmer frühzeitig wieder auszusteigen. Mit seiner neuen Lebensgefährtin Heike Teschner hatte er ganz offensichtlich das ganz große Los gezogen und spätestens mit seiner Verpflichtung bei Eurosport als Experte in der Boxengasse war er auch finanziell wieder in ruhigerem Fahrwasser.
Große Dankbarkeit am Sachsenring
Besonders dankbar sollten, und sind es ganz sicher auch, alle Fans am Sachsenring sowie alle direkt und indirekt mit dem Sachsenring verbandelten Personen. Denn ihm ist es zu einem Großteil mitzuverdanken, dass der Motorrad Grand Prix von Deutschland seit 1998 auf dem Sachsenring ausgetragen wird. Am vergangenen Wochenende konnte dieser mit insgesamt 261.813 Besuchern zum fünften Mal in Folge eine neue Rekordzahl vermelden. Damit einhergehend wäre ein wirtschaftliches Minusgeschäft schwer zu glauben.
Als die Motorrad-GPs auf dem Nürburgring 1996 und 1997 zuschauermäßig ziemliche Desaster waren, war es «Waldi», der sich als alteingesessener Nürburgring-Anrainer öffentlich und laut dafür aussprach, den deutschen Motorrad-WM-Lauf dorthin zu bringen, wo mutmaßlich die meisten und besten Motorradfans zu Hause sind – an den Sachsenring. Wohlgemerkt hatte die Motorrad-WM damals schon sehr hohe Sicherheitsstandards und professionelle Formen angenommen. Auf dem Sachsenring wurde zu der Zeit zum Teil auf Gewerbegebietsstraßen gefahren und für die Teams standen lediglich Container als Boxenunterkünfte zur Verfügung. Da war es nur recht und billig, dass die ominöse Kurve 11 des Sachsenrings in seiner heutigen Form seit dem 22. Juni 2018 offiziell «Ralf-Waldmann-Kurve T11» heißt.
Der Sachsenring als Rennstrecke meinte es allerdings nicht besonders gut mit ihm. Im Comeback-Jahr 1998 saß Waldi auf einer hoffnungslos unterlegenen 500er-Modenas und fuhr auf dem Sachsenring mit Platz 7 dennoch sein bestes Saisonergebnis ein. Ein Jahr später raste er bei den 250ern als Dritter zwar aufs Podest, doch neigte sich seine Karriere allmählich dem Ende entgegen.
Sieg in Donington ist unvergessen
Unvergessen bleibt das Regenrennen in Donington Park im Jahr 2000, bei dem er als einziger mit Regenreifen statt Intermediates ausrückte, zwischendurch der Überrundung durch Olivier Jacque knapp entkam, dann bei richtig nasser Strecke aber zügig aufholte, dass er dem Franzosen den Sieg auf den letzten Metern noch entreißen konnte.
Auch die Story, dass er beim Nürburgring-GP 1988 mit einem von einem Straßenverkehrsunfall herrührenden externen Fixateur am Unterschenkel teilnahm, stürzte und die Sache aufflog, ist legendär.
So langsam Fahrt nahm Ralf Waldmanns internationale Karriere 1987 auf, als er bei seinem Heim-Grand-Prix auf dem Hockenheimring als Zehnter im 80er-Rennen seinen ersten WM-Punkt holte. Vier Jahre brauchte er, um schließlich ganz nach vorn zu kommen.
1991 fuhr er, wiederum in Hockenheim, erstmalig aufs Podest, und dann gleich als Sieger des 125er-Rennens. Dies war auch deswegen ein denkwürdiger und einzigartiger Tag, weil es an jenem 26. Mai durch Helmut Bradl im Rennen der 250-ccm-Klasse sowie das Duo Ralph Bohnhorst/Bruno Hiller bei den Seitenwagen drei deutsche GP-Siege an einem Tag gab.
Bis einschließlich 1993 gewann Ralf Waldmann noch vier Mal in der Achtelliterklasse, wobei er die WM-Endränge 3, 3 und 4 belegte und danach zu den 250ern wechselte. Dort ließ der erste große Erfolg nicht lange auf sich warten. Beim achten Saisonrennen (Mugello) nahm er erneut den größten Pokal in Empfang.
Zweimal knapp die WM gegen Biaggi verloren
Bis 2000 sammelte er in seiner neuen Klasse 14 Grand-Prix-Siege, wobei 1996 und 1997 seine besten Jahre waren, er jedoch im Kampf um den WM-Titel gegen Massimiliano «Max» Biaggi jeweils knapp den Kürzeren zog.
Nach seiner aktiven GP-Karriere war er in eine Vielzahl von Projekten eingebunden und kehrte immer mal wieder als Rennfahrer, zum Beispiel in der IDM, zurück.
Vor zehn Jahren, also am 14. Juli 2016, der auf einen Donnerstag fiel, weilte «Waldi» auf Grund seiner Tätigkeit als TV-Experte bereits anlässlich des deutschen WM-Laufes am Sachsenring. Kurzerhand, eigentlich von seinen engsten Freunden von langer Hand geplant, wurde sein 50. Wiegenfest in einem kleinen überschaubaren Kreis gefeiert. Wer dabei war, wird auch diesen Abend mit «Waldi» als zentraler Figur ewig in Erinnerung behalten.
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