Morbidelli-Krise bei VR46-Ducati: «Valentino hilft ihm so gut er kann»
Franco Morbidelli steckt in einer schwierigen MotoGP-Saison fest. VR46-Teammanager Pablo Nieto erklärt exklusiv, warum der Italiener leidet und wie Valentino Rossi ihn unterstützt.
Während Fabio di Giannantonio in der MotoGP-Saison 2026 um den WM-Titel kämpft, erlebt VR46-Teamkollege Franco Morbidelli das komplette Gegenteil. Der Italiener liegt nach dem Grand-Prix-Wochenende in Assen lediglich auf Rang 16 der Weltmeisterschaft und hat erst 43 Punkte gesammelt. Zum Vergleich: Teamkollege Di Giannantonio hält bereits bei 177 Zählern und ist als WM-Dritter bester Ducati-Pilot. Im Gespräch mit SPEEDWEEK.com sprach VR46-Teammanager Pablo Nieto offen über die schwierige Situation seines Schützlings.
«Die Situation ist nicht einfach», räumte Nieto ein. «Es stimmt, dass 'Diggia' einen Schritt nach vorne gemacht hat, während Franco ungefähr auf dem Niveau des Vorjahres geblieben ist. Gleichzeitig ist das Leistungsniveau in diesem Jahr insgesamt höher. Deshalb ist der Abstand zwischen den beiden Fahrern jetzt deutlich größer.»
Morbidelli fährt in dieser Saison die Ducati des Modelljahres 2025 – jenes Motorrad, mit dem bereits Francesco Bagnaia und auch Fabio di Giannantonio im vergangenen Jahr immer wieder zu kämpfen hatten. Dennoch ist Nieto überzeugt, dass deutlich mehr Potenzial vorhanden ist.
«Wir müssen Franco weiter unterstützen, weil wir wissen, dass sein Potenzial eigentlich mindestens für die Top-5 reicht», betonte der Spanier. «Wir sehen ihn natürlich nicht gerne so weit hinten. Andererseits haben wir in dieser Saison auch schon gesehen, was möglich ist. Er stand in der ersten Startreihe und fuhr im Sprint aufs Podium. Das zeigt, dass er um das Podium kämpfen kann, wenn an einem Wochenende alles zusammenpasst.»
Morbidellis Psyche deutlich angekratzt
Besonders beschäftigt das Team die mentale Situation des Italieners. Auf die Frage, wie sehr die enttäuschenden Ergebnisse Morbidelli psychisch belasten, antwortete Nieto ohne zu zögern: «Sehr. Franco ist ein Fahrer, der viel über Selbstvertrauen und das richtige Gefühl funktioniert. Er möchte immer alles unter Kontrolle haben. In einer solchen Situation ist das natürlich sehr schwierig.»
Umso wichtiger sei nun die Unterstützung des gesamten Teams. «Wir müssen versuchen, ihm den bestmöglichen Rückhalt zu geben. Am Ende ist Motorsport ein Einzelsport. Der Fahrer ist alleine auf der Strecke. Aber wir müssen alles dafür tun, damit er die bestmöglichen Ergebnisse erzielen kann.»
Welche Rolle Valentino Rossi spielt
Eine zentrale Rolle spielt dabei auch Valentino Rossi. Morbidelli gehört seit vielen Jahren zur VR46 Academy und pflegt eine enge Beziehung zum neunmaligen Weltmeister. Entsprechend intensiv beschäftigt sich auch Rossi mit der schwierigen Lage seines Landsmanns.
«Mit Valentino sprechen wir sehr viel darüber», verriet Nieto. «Wir versuchen gemeinsam, Franky so gut wie möglich zu unterstützen. Valentino fragt ständig, wie wir uns verbessern können und was wir aus den Fehlern der Vergangenheit lernen können. Er ist sehr stark eingebunden.»
Dass Rossi sich persönlich engagiert, überrascht Nieto nicht. «Franky gehört seit vielen Jahren zur Academy. Wir kennen ihn schon sehr lange und es gefällt uns überhaupt nicht, ihn dort zu sehen, wo er im Moment steht. Wir wissen auch, dass er unter dieser Situation sehr leidet.»
Für Morbidelli kommt die sportliche Krise zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Sein Vertrag bei VR46 läuft nach der Saison 2026 aus, für 2027 wird der Italiener nach aktuellem Stand nicht mehr im Team bleiben. Umso wichtiger wäre eine sportliche Trendwende in der zweiten Saisonhälfte, um sich für die Zukunft im MotoGP-Fahrerlager oder außerhalb des GP-Paddocks zu empfehlen.
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