Weiter zum Inhalt
Abo
Werbung
Werbung
Werbung
Werbung
  1. Start
  2. /
  3. MotoGP
  4. /
  5. Moto2
  6. /
  7. Kolumne
Werbung
Moto2Kolumne
Coronakrise in Italien: 40 Tage in der roten Zone
Seit 40 Tagen leben 60 Millionen Italiener mit massiven Einschränkungen. Genauso lang müssen die Fans schon ohne Motorrad-WM auskommen. Erste Vorschläge für eine Rückkehr in die Normalität sorgen für Stirnrunzeln.
Werbung
Werbung
Der Strand an der Adriaküste könnte 2020 ganz anders aussehenDer Strand an der Adriaküste könnte 2020 ganz anders aussehenFoto: F. Glänzel
Der Strand an der Adriaküste könnte 2020 ganz anders aussehen© F. Glänzel
Am Abend des 9. März wurde ganz Italien zur "roten Zone" erklärt. Damit stimmt die Dauer der Ausgangssperre so ziemlich genau mit der Zeit überein, in der wir schon ohne Motorsport auskommen müssen: 40 Tage. Und zugegeben, ich musste im Kalender nachzählen. Denn seit wir uns auch hier in Südtirol nur noch zum Einkaufen von der eigenen Wohnung entfernen, ist irgendwie jeder Tag gleich – gleich langweilig, um genau zu sein.
Werbung
Werbung
Das Wort Quarantäne leitet sich übrigens vom vulgärlateinischen "quarranta", also 40, ab. Denn um die Pest einzudämmen, führte Venedig im 14. Jahrhundert eine vierzigtägige Hafensperre für Schiffe ein. In Coronazeiten ist es in Norditalien mit 40 Tagen hingegen nicht getan. Ein Mundschutz ist in der Autonomen Provinz Bozen bei Kontakt mit anderen Menschen inzwischen "Bürgerpflicht", als nachträgliches Ostergeschenk gab es von Südtirols Landeshauptmann Arno Kompatscher aber eine erste Lockerung der Ausgangssperren: Seit dem 14. April dürfen wir uns zu Fuß wieder mehr als 200 Meter von den heimischen vier Wänden entfernen – natürlich nur allein. Sollten sich unsere Wege dennoch kreuzen, gilt Mundschutzpflicht und ein Sicherheitsabstand von drei Metern. Die Bürgermeister der 116 Gemeinden können allerdings von ihrem Recht Gebrauch machen, die Richtlinien strenger auszulegen – so geschehen in der Stadt Bozen, wo man sich maximal 400 Meter von der eigenen Wohnung entfernen darf. Immerhin doppelt so viel wie vorher. Mindestens verdreifacht hat sich dadurch die Verwirrung. Was man wo genau machen darf, darauf geben selbst die Ordnungshüter keine übereinstimmenden Antworten.
Werbung
Werbung
Trotzdem: Nach fast sechs Wochen ein kleiner Schritt für die Freiheit – und ein großer Sprung für alle, denen längst die Decke auf den Kopf fällt. Auch die Region Venetien bewegt sich in eine ähnliche Richtung. Italienweit sind außerdem seit Dienstag die Buchläden und Kinderkleidungsgeschäfte wieder offen – das dürft vielen bekannt vorkommen, denn Deutschland folgte dem Beispiel.
Abwechslung gesucht: Virtuelle MotoGP und Plexi-Boxen am Strand
Schon am Ostersonntag bescherten uns Marc Márquez, Valentino Rossi und Co. mit ihrem virtuellen Auftritt zumindest ein bisschen Abwechslung und Unterhaltung. Ich persönlich finde am Controller nicht einmal den richtigen Knopf fürs Gas, aber trotzdem (oder vielleicht gerade deshalb?) amüsiert mich die Live-Schaltung in die vier Wände der mehr oder weniger konzentrierten MotoGP-Stars an der Spielkonsoleköstlich. Was ich mit dem morgigen Sonntag – ganz ohne virtuelle Zweirad-Action – anfangen soll, ist mir trotz besten Frühlingswetters dagegen völlig unklar. Apropos Sonnenschein: Während die Regierung in Rom an einem Plan für die "Phase 2" arbeitet, mit dem wir nach dem 3. Mai Schrittweise wieder aus dem Lockdown in ein halbwegs normales Leben zurückfinden sollen, beschäftigt die Italiener vor allem ein Thema: Klappt es im Sommer 2020 trotz allem mit dem Strandurlaub?
Werbung
Werbung
An gewöhnungsbedürftigen Lösungen wird fieberhaft gearbeitet: Die Firma "Nuova Neon Group 2" aus Modena sorgt mit dem Vorschlag für Gesprächsstoff, Badeanstalten mit Plexiglas-Boxen auszustatten. Diese Boxen wären 2 m hoch und 4,5 m breit, verfügen über eine Eingangstür und bieten Platz für zwei Liegestühle und einen Sonnenschirm. Falls am 13. September auf dem "Misano World Circuit Marco Simoncelli" für die MotoGP-Stars tatsächlich ein Geisterrennen möglich sein sollte, könnten die Italiener ja immerhin an der nahe gelegenen Adriaküste den Motorengeräuschen lauschen – vorausgesetzt, die Plexi-Box wird nicht auch noch schallisoliert. "Das ist ein unannehmbarer Vorschlag. Jeder, der den Strandtourismus kennt, weiß, dass man Menschen bei 40 Grad unmöglich in einer Plexiglas-Box einschließen kann", erteilte Mauro Vanni, Präsident der Genossenschaft der Bademeister von Rimini, dem Vorschlag eine Abfuhr. Alternativ denken einige Badeanstalten darüber nach, die Besucher durch einen Tunnel in Richtung Strand zu leiten und darin mit Desinfektionsmittel zu besprühen.
Werbung
Werbung
Übrigens: Damit sich die Italiener einen Urlaub überhaupt leisten können, wird die Einführung von sogenannten "Urlaubsvouchern" im Wert von bis zu 400 Euro diskutiert. Diese sollen natürlich nur für einen Sommerurlaub in Italien gelten. Wann Auslandsreisen wieder möglich sein werden, steht in den Sternen. Mit den Reiseverboten steht und fällt natürlich auch die Möglichkeit einer Fortsetzung der WM-Saison. Erschreckende Zahlen und Hoffnungsschimmer Ganz abgesehen von solchen Luxusproblemen wächst in Italien die Unruhe: Die Bevölkerung spaltet sich immer mehr in zwei Lager. Während die einen aus Furcht vor einer neuen Welle bereits kleine Lockerungen stark kritisieren, drängt die andere Seite auf eine schrittweise Aufhebung der Ausgangssperre und eine schnelle Wiederaufnahme der Produktions- und Arbeitstätigkeiten. Laut ISTAT, dem Nationalinstitut für Statistik, legt der Lockdown in Italien 2,1 Millionen Unternehmen (48 Prozent der Gesamtzahl) mit 7,1 Millionen Arbeitskräften lahm. Die wirtschaftlichen Folgen für das ohnehin schon hoch verschuldete Land sind unüberschaubar. Unter anderem wandte sich der Gewerkschaftsverband ANCMA, der die Hersteller von Fahr- und Motorrädern vereint, in einem Brief an die Regierung in Rom: Im Vergleich zum Vorjahr sei der Markt im März um 66 Prozent eingebrochen. Weil sich der Verkauf im Zweirad-Sektor auf die Monate April bis Juli konzentriere, sei es überaus schwierig, einen Teil des Verlusts im verbliebenen Geschäftsjahr wieder aufzuholen, gab ANCMA-Präsident Paolo Magri zu bedenken.
Werbung
Werbung
Fakt ist: Die Kurve der Neuinfektionen flacht ab, die Zahlen sind aber weiterhin bestürzend. Der italienische Zivilschutzchef Angelo Borrelli vermeldete am gestrigen Freitag zwar mit 2563 Genesenen innerhalb von 24 Stunden den Höchstwert seit Beginn der Krise, gleichzeitig waren allerdings wieder 575 Todesfälle zu beklagen. Mit 3493 bestätigten Neuinfektionen liegt die Zahl der aktuell positiven Coronavirus-Fälle in Italien bei 106.962. Das ISTAT rechnete vor, dass in den am schwersten betroffenen Gemeinden die Anzahl der Todesfälle vom 1. März bis 4. April im Vergleich zum Vorjahr drastisch nach oben schnellten. Allein in Bergamo starben in etwas mehr als einem Monat 729 Menschen, das ist ein Plus von 382,8 Prozent. Weitere Coronavirus-Hotspots in Norditalien verzeichneten ebenfalls erschreckende Anstiege: Piacenza + 309,1%, Cremona + 286,6%, Lodi + 261,5%. Gute Nachrichten werden angesichts dieser Katastrophe dringend gesucht und verbreiten sich dann wie ein Lauffeuer im ganzen Land: Mit dem 18-jährigen Mattia konnte der jüngste Coronavirus-Patient auf der Intensivstation von Cremona in dieser Woche endlich aus dem Krankenhaus entlassen werden, während im Piemont Ada Zanusso die Lungenkrankheit trotz ihrer 104 Jahre besiegte – und damit Rossi-Fan Italica (102) den Rang ablief. Das dürfte "Nonna Lina" nichts ausmachen, denn mit dem Anruf des neunfachen Weltmeisters hat sich ihr Wunsch bereits erfüllt.
Werbung
Werbung
Schon gesehen?
Verpassen Sie keine Highlights mehr: Der Speedweek Newsletter liefert Ihnen zweimal wöchentlich aktuelle Nachrichten, exklusive Kommentare und alle wichtigen Termine aus der Welt des Motorsports - direkt in Ihr E-Mail-Postfach
Weiterlesen

Themen
  • Moto2
Aktueller StandVoller Stand
  1. Fahrer
  2. Teams
  3. Konstrukteure
2026202520242023
Pos
Fahrer
Team
Punkte
1
Manuel González
Liqui Moly Dynavolt Intact GP
12.5
2
Izan Guevara
BLU CRU Pramac Yamaha Moto2
10
3
Daniel Holgado
CFMOTO Aspar Team
8
4
Ivan Ortola
QJMOTOR - FRINSA - MSI
6.5
5
Collin Veijer
Red Bull KTM Ajo
5.5
6
Celestino Vietti
SpeedRS Team
5
7
Alonso Lopez
ITALJET Gresini Moto2
4.5
8
Daniel Muñoz
Italtrans Racing Team
4
9
Deniz Öncü
Elf Marc VDS Racing Team
3.5
10
Ayumu Sasaki
Finetwork Idrofoglia RW Racing Team
3
Mehr laden
EventsAlle Moto2 Events
  • Vergangen
    Thailand Grand Prix
    Buriram International Circuit, Thailand
    27.02. – 01.03.2026
    Zum Event
  • Demnächst
    Brazilian Grand Prix
    Autódromo Internacional Ayrton Senna , Brasilien
    20.–22.03.2026
    Zum Event
  • Grand Prix of The Americas
    Circuit of the Americas, USA
    27.–29.03.2026
    Zum Event
  • Grand Prix of Qatar
    Losail International Circuit, Katar
    10.–12.04.2026
    Zum Event
  1. Vergangen
    Thailand Grand Prix
    Buriram International Circuit, Thailand
    27.02. – 01.03.2026
    Zum Event
  2. Demnächst
    Brazilian Grand Prix
    Autódromo Internacional Ayrton Senna , Brasilien
    20.–22.03.2026
    Zum Event
  3. Grand Prix of The Americas
    Circuit of the Americas, USA
    27.–29.03.2026
    Zum Event
  4. Grand Prix of Qatar
    Losail International Circuit, Katar
    10.–12.04.2026
    Zum Event
MotoGP NewsAlle News
    Speedweek.com - Der beste Motorsport im Netz
    Die aktuellsten News rund um die Uhr, von Experten analysiert und kommentiert und exklusive Einblicke hinter die Kulissen. Hier schreiben Fans für Fans.
    Berichte & Analysen
    Redaktion
    Serien