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Moto3Kolumne

Paukenschlag: Racing Team Germany fliegt aus der WM

Das Racing Team Germany verliert die beiden Moto3-WM-Startplätze. Das Sündenregister von Teamchef Dirk Heidolf ist zu umfangreich geworden.

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Dirk Heidolf, Techniker Toni Gruschka, Alexis Masbou und John McPhee
Dirk Heidolf, Techniker Toni Gruschka, Alexis Masbou und John McPhee
Foto: Glänzel
Dirk Heidolf, Techniker Toni Gruschka, Alexis Masbou und John McPhee
© Glänzel

Der sonst sehr gesprächige und mitteilungsbedürftige Dirk Heidolf war für die Medien in den letzten Tagen schwer zu sprechen. Er wollte keine Aussagen zu den Moto3-Plänen für 2016 machen.

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Er vertröstete alle Fragesteller auf Sonntag. Dann wollte er die Namen der Fahrer für 2016 herausrücken.

Diese Zurückhaltung kommt nicht überraschend. Denn Heidolf weiss seit zwei Wochen, dass das SaxoPrint Racing Team Germany für die nächste Saison von Selektions-Komitee keine Startplätze mehr erhält.

Das Selektions-Komitee reagiert damit mit beträchtlicher Verspätung auf viele Ärgernisse in Zusammenhang mit Teamteilhaber Dirk Heidolf. Er hat sich einst auf dem Sachsenring als Fälscher von Paddock-Ausweisen hervor getan, als er im Dieter-Stappert-Team noch die 250er-WM bestritt. Der gelernte Maurer wurde später wegen eines fingierten Werkstatteinbruchs (er soll im Januar 2010 stattgefunden haben) angeklagt. Damals sollen etliche Honda-RS-250-Motoren und Ersatzteile gestohlen worden sein.

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Später stand Heidolf mit Sandro Cortese vor Gericht, der Berkheimer sollte für die Saison 2011 rund 190.000 Euro Sponsorgeld nachzahlen, obwohl Teamteilhaber Bernd Keller damals vor Zeugen nach Sandros erstem GP-Sieg beteuert hatte, man werde auf diese Mitgift verzichten.

Man einigte sich schliesslich auf eine Kompromiss-Summe, aber Cortese musste einen erklecklichen Teil seiner Red Bull-Ajo-KTM-Gage von 2012 dafür opfern.

Misano 2009: Grosse Sprüche

Dabei wollte Heidolf mit dem Racing Team Germany ganz grosse Brötchen backen. Dass er in seinem GP-Team trotz des hochtrabenden Namens seit 2011 keinen deutschen WM-Fahrer einsetzt, wirkt inzwischen nebensächlich. Es wollte halt irgendwann kein Folger, kein Schrötter, kein Öttl, kein Alt und kein Grünwald dort fahren.

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Wie heisst es bei Wilhelm Busch: Ist der Ruf erst ruiniert, lebst du weiter ungeniert.

Es ist seltsam, dass der erzwungene Rückzug des RTG ausgerechnet beim Misano-GP offenkundig wurde. Denn genau hier hat Heidolf vor sechs Jahren die grössten Töne gespuckt. Er meldete damals ein Joint Venture mit dem erfolgreichen IDM-Supersport-Team von Dietmar Franzen, der den zweifachen deutschen SSP-Meister Arne Tode in das Bündnis mitbrachte und zum Crew-Chief im neuen RTG-Moto2-Team mit Tode für die Saison 2010 befördert wurde.

Ich habe die pompöse Broschüre noch auf dem Schreibtisch liegen: Für 2011 oder spätestens 2012 wurde damals in Misano der Einstieg des RTG in die MotoGP-Klasse angekündigt. Der Heidolf-Rennstall sollte das deutsche Nationalteam nach dem Vorbild des Team Italia werden.

Die Wirklichkeit sah anders aus: Heidolf trennte sich bereits im Sommer 2010 von Tode, auch die Partnerschaft mit Franzen ging somit den Bach runter. 2011 kehrte für das RTG wieder der triste Alltag ein: Kein Moto2-Team, dafür ein Ein-Fahrer-Team in der 125er-WM mit Sandro Cortese.

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Vier Fahrern Vorverträge angeboten

Auch wenn das Racing Team Germany immer wieder Achtungserfolge errang wie 2012 im Regen von Le Mans den Moto3-GP-Sieg mit Louis Rossi und die Moto3-Erfolge 2014 mit Efren Vazquez, so gab es regelmässig Kritik an dem umstrittenen Teammanager Heidolf.

Da stand plötzlich ein baufälliger Lkw bei einem Moto3-Test 2014 im Paddock. GlauchauTrans-Besitzer Bernd Keller zog sich als Geldgeber zurück, Gastronom und RTG-Teamteilhaber Beierlein war zu beschäftigt, um nach dem Rechten zu sehen, auch Teamteilhaber Dr. Uwe Fischer liess Heidolf zu lange gewähren.

Es lässt sich nicht verleugnen: Die Teamteilhaber Keller, Beierlein und Fischer wurden von ihrem 25-Prozent-Partner Heidolf, der das operative Geschäft ziemlich freihändig führte, oft hinters Licht geführt. Sie erfuhren manche Wahrheiten erst aus den Medien.

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Aber jetzt gibt es nichts mehr zu beschönigen. Zu oft ist das Racing Team Germany in letzter Zeit mit unbezahlten Rechnungen in Zusammenhang gebracht worden, zu oft beschwerten sich "Pay Rider" über nicht eingehaltene Verträge. Vor einem Jahr soll Heidolf gleich vier Fahrern gleichzeitig Vorverträge für 2015 angeboten haben. Mit Efren Vazquez fiel dann sogar ein GP-Sieger zwischen Stuhl und Bank. Beinahe hätte der Baske seine GP-Karriere wegen Heidolfs schäbigen Winkelzügen beenden müssen.

Im Juni 2015 war das deutsche Team wieder ins schiefe Licht geraten, weil Sponsor und Autohändler Christian Weise (Chemnitz) unter Betrugsverdacht geriet.

Vor ein paar Tagen war zu hören, Heidolf habe sich bei den Verhandlungen mit Peugeot für 2016 höchst ungeschickt verhalten. Katar-Sieger Alexis Masbou hat vom deutschen Schaumschläger ebenfalls die Nase voll.

Der Schotte John McPhee konnte sich schon lange keine weitere Saison mit dem RTG mehr vorstellen. "Wir hatten im Vertrag 2015-Werksmaschinen von Honda vorgesehen. Beim ersten Test 2015 standen aber 2014-Maschinen in der Box", ärgert sich Peter Ball, dessen Racing Steps Foundation die Saison von McPhee beim RTG seit drei Jahren finanziert.

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"Wir wollen irgendwann Weltmeister werden", posaunte der Lebenskünstler Dirk Heidolf vor der Moto3-Saison 2015.

Momentan halten sich seine Schützlinge McPhee und Masbou auf den WM-Ränge 11. und 14.

Noch sechs Rennen, dann ist für das Racing Team Germany in der WM endgültig Feierabend.

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