Romano Albesiano (Honda) warnt: 850er-Rundenzeiten sind aktuell «wertlos»
Honda arbeitet bereits intensiv am neuen 850er-Prototypen für die MotoGP-Saison 2027. Doch HRC-Technikdirektor Romano Albesiano warnt davor, frühe Rundenzeiten überzubewerten.
Die laufende Saison markiert das Ende einer Ära in der MotoGP. Nach 2026 verabschiedet sich die Königsklasse von den 1000er-Prototypen. Ab 2027 kommen die neuen 850er-Maschinen zum Einsatz, die mit weniger Leistung, Pirelli-Reifen und ohne Ride-Height-Devices auskommen müssen.
Während die Hersteller bereits intensiv an den neuen Konzepten arbeiten, dringen bislang nur wenige Informationen aus den Testprogrammen an die Öffentlichkeit. Im Fahrerlager wird allerdings gemunkelt, dass Honda mit der neuen RC214V bereits erstaunlich weit sein soll. Doch Honda-Technikdirektor Romano Albesiano bremst die Erwartungen bewusst.
Bremst Honda die Erwartungen?
Im Exklusivgespräch mit SPEEDWEEK.com-Redakteur Thomas Kuttruf erklärte der Italiener, dass die bisher gezeigten Motorräder noch weit vom finalen Entwicklungsstand entfernt sind. «Das Projekt folgt dem vorgesehenen Zeitplan. Das erste Motorrad, das man gesehen hat, ist eine Art Labor-Bike», schilderte Albesiano.
Die aktuelle Version diene vor allem dazu, neue Ideen und Komponenten schrittweise zu testen. «Wir werden nach und nach neue Komponenten an diesem Motorrad einführen. Wahrscheinlich erreichen wir gegen Ende des Sommers die finale Version. Aber natürlich wird sich das Motorrad kontinuierlich weiterentwickeln.»
Vor allem bei den Diskussionen über die Leistungsfähigkeit der neuen 850er, die in Asien sehr intensiv von Ex-MotoGP-Pilot Takaaki Nakagami getestet wird, mahnt Albesiano zur Vorsicht. Der ehemalige Aprilia-Technikchef hält Vergleiche zwischen den Herstellern zum jetzigen Zeitpunkt für völlig sinnlos. «Über die Performance dieses Motorrads zu sprechen – über unser Motorrad und die Motorräder der Konkurrenz – ist jetzt noch sehr, sehr, sehr früh. Sehr, sehr … wertlos, würde ich sagen», stellte der Honda-Ingenieur klar.
Warum Rundenzeiten mit Vorsicht zu genießen sind
Der Grund dafür liegt vor allem in den zahlreichen offenen Entwicklungsfeldern. Durch die neuen technischen Regeln verändert sich das Verhalten der MotoGP-Bikes grundlegend. Besonders die neuen Pirelli-Reifen stellen die Hersteller vor große Herausforderungen. «Es gibt noch so viel zu entwickeln und so viele Dinge, die wir erst verstehen müssen. Vor allem im Zusammenhang mit den Reifen», erklärte Albesiano.
Deshalb erwartet der Italiener erst deutlich später belastbare Rückschlüsse auf die tatsächliche Konkurrenzfähigkeit der neuen Motorräder. «Wartet einfach ab. Jeder wird arbeiten. Vielleicht beginnen wir beim nächsten Sepang-Test langsam etwas zu verstehen. Nicht früher», betonte der Honda-Technikdirektor.
Selbst die ersten direkten Vergleiche mit den Werksfahrern beim ersten großen Kräftemessen nach dem Tschechien-Grand-Prix im Juni hält Albesiano noch nicht für aussagekräftig: «Man sollte den Performance-Werten, die man aktuell sieht, nicht zu viel Bedeutung beimessen.»
Schon gesehen?
Newsletter
Motorsport-News direkt in Ihr Postfach
Verpassen Sie keine Highlights mehr: Der Speedweek Newsletter liefert Ihnen zweimal wöchentlich aktuelle Nachrichten, exklusive Kommentare und alle wichtigen Termine aus der Welt des Motorsports - direkt in Ihr E-Mail-Postfach