Aprilia im MotoGP-Höhenflug: Fabiano Sterlacchini erklärt sein Rezept
Drei Siege in vier Rennen, WM-Führung und starke Breite: Aprilia überzeugt 2026 auf ganzer Linie. Technikdirektor Fabiano Sterlacchini gibt Einblicke in die Erfolgsformel.
Noch fehlen viele Unterschriften auf den Verträgen für 2027. Und doch lässt sich ein konkretes Bild der Königsklasse im Jahr 1 mit 850 ccm zeichnen. Etliche Transfers von Topfahrern gelten als sicher.
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Aprilia erlebt in der MotoGP-Saison 2026 einen bisher bemerkenswerten Höhenflug: Drei Siege in den ersten vier Rennen, dazu die Plätze 1 und 2 in der Fahrer-WM durch Marco Bezzecchi und Jorge Martin. Beim jüngsten Rennen in Jerez landeten alle vier Aprilias in den Top-6 – ein klares Zeichen für das neue konstant hohe Niveau der Italiener.
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Diese Entwicklung kommt nicht von ungefähr. Seit der Ankunft von Technikdirektor Fabiano Sterlacchini hat sich die Arbeitsweise bei Aprilia grundlegend verändert. Statt schwankender Leistungen von Strecke zu Strecke präsentiert sich das Team 2026 vielseitig und konkurrenzfähig auf unterschiedlichsten Layouts. Ein zentraler Faktor ist dabei die bessere Vernetzung der Abteilungen. Wie Dall'Igna bei Ducati: Sterlacchini optimierte die Abläufe in der Aprilia-Rennabteilung Sterlacchini beschreibt den Ansatz so: «Im Grunde geht es darum, die offensichtlichsten Dinge im Unternehmen umzusetzen. Eine schlechte Eigenschaft des Menschen ist, dass er individuell denkt und arbeitet – im Sinne von: Ich habe recht, nicht du. Dass wir zusammenarbeiten müssen, ist die grundlegende Voraussetzung. Nachdem ich angekommen war, habe ich nach zwei, drei Monaten Analyse gesehen, dass in bestimmten Bereichen zwei Abteilungen nicht zusammengearbeitet haben, obwohl es zwingend notwendig war. Also habe ich meine Erfahrung genutzt und die Leute dazu gedrängt, gemeinsam zu arbeiten – denn das ist der einzige Weg zum Erfolg.»
Auch technisch hat Aprilia einen Schritt nach vorne gemacht. Besonders im Bereich Aerodynamik sehen viele Beobachter die Italiener mittlerweile vor Ducati. Neue Konzepte, etwa bei den auffälligen Flügelelementen an der Verkleidung, wurden gezielt getestet.
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Beim Test in Jerez sah man viele neue Aerodetails, unter anderem neue Elemente an der Kanzel. «Es ist ein neues Konzept», erklärte Sterlacchini. «Das Hauptziel war, etwas zu validieren, das wir in der CFD gesehen haben. Der normale Prozess führt von der Simulation über den Windkanal bis auf die Strecke – diese Korrelation ist extrem wichtig. Einige der positiven Ergebnisse stimmen allerdings nicht mit dem Feedback der Fahrer überein. Wir analysieren die Daten, das gehört zum Prozess – es ist ein Teil des Puzzles.»
Neben der Aerodynamik arbeitet Aprilia auch an Chassis- und Elektronik-Updates. Gerade Testsessions werden genutzt, um extremere Ansätze auszuprobieren: «Während eines Rennwochenendes ist das kaum möglich. Dort reagierst du auf Probleme eher mit kleinen Anpassungen. Bei Tests können wir radikalere Lösungen ausprobieren, um etwa die Performance mit dem weichen Reifen und mehr Grip zu maximieren.» Aprilia denkt auch an die Zukunft: 850er-Entwicklung im Plan Parallel dazu läuft bereits die Entwicklung für die MotoGP-Zukunft mit 850er-Motoren. Trotz der aktuellen Erfolge bleibt Aprilia beim ursprünglichen Plan: «Wir haben zu Beginn eine klare Strategie für beide Projekte festgelegt und halten uns daran. Auch wenn wir aktuell erfolgreicher sind als erwartet, wollen wir diesen Plan beibehalten. Gleichzeitig dürfen wir nicht den Fokus verlieren, Probleme zu lösen und die Chancen der aktuellen Saison zu nutzen.»
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Ein weiterer Schlüssel liegt in der starken Aerodynamik-Abteilung um Marco de Luca. Dennoch bleibt Sterlacchini vorsichtig: «Es ist schwer zu sagen, ob wir die Referenz sind. Wir haben ein sehr starkes Team, das von Marco geleitet wird. Aber entscheidend ist die Gruppe. Wir haben eine sehr gute Korrelation zwischen Simulation und Strecke erreicht – das ist nicht selbstverständlich.» Diese Balance zwischen Simulation (CFD), Windkanal und realen Streckendaten ist essenziell: «Man versucht, die CFD-Ergebnisse maximal zu nutzen und sie mit dem Windkanal zu korrelieren. Wenn diese Korrelation auch auf der Strecke funktioniert, kann man sich darauf verlassen. Selbst wenn es eine gewisse Fehlerquote gibt – wenn es in acht von zehn Fällen passt, funktioniert der Prozess.» Das Ergebnis dieser strukturierten Herangehensweise: eine Aprilia, die 2026 nicht nur schnell, sondern auch konstant ist – und damit momentan der große Titelkandidat.
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