Jorge Martin nach verschenktem Sieg: Warum er Aprilia keinen Vorwurf macht
Bis Runde 9 führte Jorge Martin den MotoGP-Sprint in Mandalika an. Dann zwang ihn ein zu niedriger Reifendruck dazu, sich zurückfallen zu lassen. Seine Crew nahm er nach dem Rennen in Schutz.
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Bis zur neunten Runde führte Martin, dann ließ er seinen WM-Rivalen passieren. Ein später Fehler kostete ihn zwei weitere Positionen. Statt den Sieg zu feiern, kam der Aprilia-Werkspilot hinter Marquez, Ai Ogura (Trackhouse-Aprilia) und Fabio di Giannantonio (VR46-Ducati) als Vierter ins Ziel und verlor die WM-Führung an den Ducati-Piloten.
«Mein Start war nicht besonders gut, aber es war leicht für mich, die Führung zu übernehmen. Dann versuchte ich zu pushen und konnte einen großen Vorsprung auf Marc herausfahren. Von diesem Zeitpunkt an wollte ich nur noch den Abstand kontrollieren», schilderte Martin.
Wie Jorge Martins Rennen aus der Spur kam
Als er bemerkte, dass der Reifendruck unter dem vorgeschriebenen Wert lag, versuchte er zunächst, das Problem durch seine Fahrweise zu lösen. «Ich belastete die Front stärker, um den Vorderreifen etwas mehr aufzuwärmen. Aber ich kam nicht in den erforderlichen Bereich. Deshalb musste ich Marc vorbeilassen. Von da an wurde alles etwas schwieriger. Ich versuchte trotzdem, dicht hinter ihm zu bleiben, um in der letzten Runde angreifen zu können. Aber zwei Runden vor Schluss machte ich einen Fehler. Damit waren alle Chancen dahin.»
Den Verdacht, seine Crew habe bewusst einen niedrigen Ausgangsdruck gewählt, weil sie mit einem Rennen im Feld statt an der Spitze gerechnet hatte, wies Martin zurück. «Nein, so etwas machen wir normalerweise nicht. Wir gehen beim Reifendruck nie ein Risiko ein. Ich weiß nicht, warum wir heute außerhalb des Bereichs waren. Ich denke, dass es hier mit der Luftfeuchtigkeit ziemlich schwierig ist. Vielleicht haben sich die Bedingungen gegenüber gestern verändert. Aber ehrlich gesagt: Wir haben nichts riskiert.»
Warum die Berechnung dennoch nicht aufging, muss Aprilia nun untersuchen. Martin ärgerte sich besonders darüber, dass aus seiner Sicht keine extreme Abstimmung nötig gewesen wäre, um konkurrenzfähig zu sein. «Manchmal passiert das. Mir ist es in den vergangenen Jahren nicht oft passiert, aber heute war einer dieser Tage. Das müssen wir auf jeden Fall überprüfen. Vielleicht hätte ich heute mit 0,1 bar mehr genauso gewinnen können, ohne in Schwierigkeiten zu geraten.»
Das Fahren hinter Marquez brachte zusätzliche Probleme mit sich. Martin blieb zunächst nah am Ducati-Werkspiloten, musste dann aber einen weiteren kritischen Moment überstehen. «Ich war sehr dicht dran, aber dann wäre ich in Kurve 11 beinahe gestürzt. Deshalb verlor ich den Anschluss. Danach holte ich ihn wieder ein.»
Trotz des enttäuschenden Ergebnisses klang Martin überzeugt von seinem eigenen Tempo. Die entscheidende Vorarbeit für einen Sieg hatte er aus seiner Sicht bereits geleistet. «Der schwierige Teil war erledigt. Ich musste das Rennen nur noch kontrollieren. Aber das war etwas, das ich nicht beeinflussen konnte. Wenn mein Reifendruck unter dem vorgeschriebenen Wert liegt, muss ich auf die anderen Fahrer warten. Ich fühle mich konkurrenzfähig und schnell – nicht nur hier, sondern auf allen Strecken. Deshalb muss ich diszipliniert weiterarbeiten. Die Ergebnisse werden kommen.»
Schon im Qualifying hatte Martin versucht, sich auf seine eigene Aufgabe zu konzentrieren. Dass Marquez ihm im Q2 folgte, brachte ihn nach eigener Aussage nicht aus der Ruhe. «Ich werde nicht nervös, wenn jemand hinter mir ist. Deshalb fuhr ich einfach meine Runde. Mein erster Versuch war nicht gut, also musste ich eine Zeit setzen. Es war mir ziemlich egal, ob er hinter mir war oder nicht. Ich konnte ihn sogar beinahe abschütteln. Das war gut.»
Zwei zusätzliche Gegner im Grand Prix
Vom genauen Ablauf der Kollision in der ersten Kurve bekam Martin dagegen wenig mit. Er erkannte die Gefahr und hielt sich aus dem Gerangel heraus. «Ich sah, wie sie auf die erste Kurve zufuhren, und wusste, dass das nicht gut gehen würde. Deshalb wartete ich und nahm die richtige Linie. Dann kam ich durch. In der nächsten Runde war der Asphalt voller Kratzspuren. Deshalb dachte ich, dass es Stürze gegeben hatte. Aber erst nach dem Rennen bemerkte ich, dass Raul und Bezzecchi ausgeschieden waren.»
Für den Grand Prix rechnet Martin deshalb mit zusätzlicher Konkurrenz aus den eigenen Reihen. Seine Führung im Sprint gibt ihm dennoch Zuversicht. «Ich denke, dass ich morgen eine große Chance habe. Ich bin schnell, und das ist das Wichtigste. Ich konnte mit viel Vertrauen führen. Marco und Fernandez werden morgen sicher sehr stark sein. Ich aber auch. Deshalb glaube ich, dass wir ums Podium kämpfen können», so der Ex-Champion.
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