Technik-Guru Gigi Dall’Igna: Simulationen «um das Maximum herauszuholen»
Die MotoGP wird immer komplexer, die Werkzeuge für den Einsatz der Motorräder mit ihr. Ducati-Rennsportchef Dall’Igna gab einen Einblick in die Auswirkungen auf die MotoGP-Abteilung der Bologneser.
Die MotoGP gilt als Königsklasse des Zweiradsports und ist spätestens seit Beginn der Viertakt-Ära im Jahr 2002 technisch immer komplexer geworden. Allein die Menge an Informationen und Messdaten hat für Außenstehende kaum noch greifbare Dimensionen angenommen. Dabei geht es längst um weit mehr als Schräglage, Bremsdruck oder Spritverbrauch. Die Teams müssen eine gewaltige Datenmenge erfassen, auswerten und für maximalen Erfolg nutzen. Wie Ducati diese Herausforderung bewältigt, erklärte Rennsportchef Luigi «Gigi» Dall’Igna gegenüber den australischen Kollegen von «MCNews».
Die Basis bildet das enorme Datenaufkommen. Es reicht von den Sensoren an den Motorrädern über im Windkanal ermittelte Luftströme und Drücke im Motor bis hin zu den Reifentemperaturen zu unterschiedlichen Zeitpunkten eines Rennens und in verschiedenen Kurven.
Künstliche Intelligenz vs. physikalische Simulationen
Die Interpretation dieser Messwerte gewinnt zunehmend an Bedeutung. Umfangreiche Simulationen – von kompletten Rennszenarien bis hin zu einzelnen Komponenten des Motorrads – können im Kampf um Hundertstelsekunden entscheidende Vorteile bringen.
«Simulationen gehören inzwischen standardmäßig zum Entwicklungsprozess, und in den vergangenen zehn Jahren haben sich unsere Werkzeuge dafür stark weiterentwickelt», erklärte Dall’Igna. «Es gibt zwar noch Bereiche, in denen uns einiges fehlt. Dafür können wir in anderen sehr präzise arbeiten und bekommen gute Ergebnisse.»
Um die schiere Menge an Zahlen und Daten zu bewältigen, entwickelt Ducati seine Prozesse kontinuierlich weiter und setzt dabei auch auf Künstliche Intelligenz. Als Allheilmittel will Dall’Igna die KI jedoch nicht verstanden wissen. Vielmehr handelt es sich um eines von mehreren Werkzeugen, das parallel zu klassischen Methoden eingesetzt wird.
«Es gibt Bereiche am Motorrad, die wir mit KI-Werkzeugen besser verstehen können als mit physikalischen Simulationen. In anderen Bereichen hat wiederum das physikalische Modell Vorteile», erläuterte der 60-Jährige. Zu entscheiden, welche Aufgaben mit welchen Werkzeugen bearbeitet werden, stellt damit auch eine organisatorische Herausforderung dar.
Lenovo mehr als ein Sponsor
Ducati kann dabei auf die Expertise des Technologieunternehmens Lenovo zurückgreifen, das gleichzeitig als Hauptsponsor des MotoGP-Werksteams auftritt. Mit dem Partner arbeiten die Bologneser laut Dall’Igna «nicht nur, um das Motorrad unmittelbar vorzubereiten, sondern auch, um es weiterzuentwickeln».
Ein Beispiel dafür ist die aufwendige Aerodynamik. «Verschiedene Verkleidungen, unterschiedliche Winglets, diverse Details – alles, was das Motorrad schneller macht», zählte Dall’Igna die Entwicklungsfelder auf.
Auch beim Umgang mit den Reifen betreibt Ducati erheblichen Aufwand. Mehr als 20 Ingenieure sind an einem Rennwochenende an der Strecke und im Werk in Bologna allein mit diesem Bereich beschäftigt. Eine zentrale Rolle spielt dabei der Reifendruck. Dieser ist keine fixe Größe, sondern verändert sich abhängig von zahlreichen Faktoren im Verlauf eines Rennens.
«Wir investieren viel Arbeit in die Nutzung der Reifen. Zum Beispiel darin, den richtigen Luftdruck für den Rennstart festzulegen, damit er am Ende des Rennens noch im erlaubten Rahmen liegt», erklärte der Ducati-Rennsportchef.
Der enorme technische und personelle Aufwand verfolgt letztlich ein einziges Ziel. Wie Dall’Igna zusammenfasste, gehe es darum, aus allen verfügbaren Möglichkeiten «das Maximum herauszuholen».
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